Wollte mich mal wieder melden aus meinem abenteuerlichen Aufenthalt in Tansania und ein Lebenszeichen geben. Bin seit rund einem Monat heute das erste Mal wieder im Internet und bin fasziniert von fliessend Wasser und Strom in der Stadt... Bin gerade in Arusha, wo wir gestern unser Abschieds-Dinner hatten. Unser Programm im Mamire Ward in der Naehe von Babati war ein voller Erfolg, wir haben rund 7000 Leute erreicht mit unserer Aufklaerungsarbeit und rund 1500 Leute fuer HIV getestet. Das sind unglaubliche Zahlen, wenn man bedenkt, dass nur rund 16000 Leute in der Community wohnen. Vor allem sind das unglaubliche Zahlen, wenn man bedenkt, unter welchen Lebensumstaneden wir hier gelebt und gearbeitet haben, und mit welchen Problemen wir tagtaeglich kaempfen mussten.
Die Armut, die in den Gebiet herrscht in dem wir waren, ist unbeschreiblich, die Menschen dort leben wirklich von der Hand in den Mund - eine schlechte Ernte bedeutet fuer viele, dass sie nicht wissen, wie sie ihre vielen Kinder ueber die Trockenzeit bringen sollen. Das Wasser wird teilweise kilometerweit geschleppt vom Fluss oder Damm, um den taeglichen Bedarf einer Familie zu decken. Viele Menschen koennen gar nicht oder nur schlecht lesen und schreiben. Schulbildung ist Luxus, da Kinder wertvolle Arbeitskraefte fuer die Farmen und im Haushalt sind. Die jungen Maedchen sind verantwortlich fuer ihre juengeren Geschwister, selbst wenn sie selber noch keine 10 Jahre alt sind. Die Jungs passen auf die Ziegen und Kuehe auf, waehrend die Eltern auf dem Feld arbeiten. Die Vaeter betrinken sich oft nachmittags sinnlos in der Dorfkneipe mit Wodka oder "Conyagi" um ihre Sorgen ueber die Familie und die Farm runterzuspuelen, und geben somit das wertvolle Geld fuer ihre Alkoholsucht aus, anstelle das Schulgeld fuer die Kinder zu bezahlen, oder die hungrigen Maeuler daheim zu stopfen.
In der Schule "missbrauchen" die Lehrer die Schueler, die kommen, als Arbeitskraefte fuer ihre eigenen Haushalte und Felder. Schlaege mit dem Stock stehen fuer die meisten Kinder auf der Tagesordnung, viele kommen barfuss zur Schule, weil die Familie sich keine Schuhe leisten kann. Infektionen wie Tuberkulose, Malaria, oder Grippe sind sehr weit verbreitet, und fuehren aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung haeufig zum Tod oder zu chronischen Erkrankungen. Eine ausgewogene Ernaehrung mit Vitaminen etc. ist selten...
Ich hoffe, ihr habt nun eine vage Vorstellung, mit welchen Problemen die Menschen hier tagtaeglich zu kaempfen haben... Unser Leben im Dorf war dementsprechend abenteuerlich und eine grosse Herausforderung. Die Arbeit im Rahmen der HIV/AIDS Awareness Campaign war jedoch ein voller Erfolg, da wir den Menschen nicht nur Wissen vermitteln konnten, wie sie sich vor HIV schuetzen koennen, und wie sie fuer Betroffene sorgen koennen, sondern auch langfristige Loesungen fuer lokale Probleme gefunden haben. So haben wir ein Projekt fuer die Hebammen im Dorf ins Leben gerufen, damit sie in Zukunft Handschuhe haben um sich vor Infektionen zu schuetzen, wenn sie einer HIV positiven Mutter helfen ihr Kind auf die Welt zu bringen. Ausserdem haben wir mit den Frauen im Dorf ein Projekt geschaffen, so dass sie Kondome fuer Frauen kaufen koennen, da die Maenner haeufig nicht bereit sind, ein Kondom zu benutzen. "Support for International Change" hat eine Philosophie, die beinhaltet, dass Loesungen mit den Menschen vor Ort gefunden werden sollen, die den lokalen Gegebenheiten angemessen sind. Im Rahmen der Arbeit habe ich unendlich viel gelernt ueber die HIV Epidemie in Ostafrika, ueber Kultur, Land und Leute, und habe mich motiviert und mit voller Energie in die Aufklaerungsarbeit im Rahmen der Awareness Campaign gestuertzt.
Ich habe mit Begeisterung...
- mit den Kindern in der Schule gearbeitet und ihnen nuetzliches beigebracht ueber ihre persoenliche Gesundheit, wertvolle "life skills" vermittelt und wie sie ihren Traeume und Ziele fuer die Zukunft ein Stueckchen naeher kommen koennen.
- mit den Teenagern und jungen Maennern auf dem Fussballplatz ueber HIV, Sex, Kondome, Pornographie, und vieles mehr diskutiert, und viele Demonstrationen gegeben wie man ein Kondom richtig anwendet.
- mit den Frauen im Dorf ueber Kindererziehung, Beziehungen mit Maennern, Polygamie und Beschneidung von jungen Maedchen gesprochen.
- mit dem Dorfvorstand an Loesungen gearbeitet, die finanzierbar sind und der ganzen Gemeinde mehr Lebensqualitaet und Sicherheit bringen.
Ich habe mit Sicherheit genausoviel gelernt wie ich anderen beigebracht habe, und unendliche wertvolle Erfahrungen gemacht. Mein Team war wohl das Beste, das ich mir haette wuenschen koennen! Mein Swahili ist inzwischen Alltags-umgangssprachlich-tauglich! :-) Wir wurden von der Dorfgemeinde so herzlich aufgenommen, meine tansanische Familie war unendlich gastfreundlich und wir entwickelten uns im Laufe der Zeit von Gaesten zu Familienmitgliedern. :-) Ich habe jeden Moment in Gijedabung sehr genossen und weiss gar nicht, wie ich all das in Worte fassen soll und daheim in Deutschland erklaeren soll. Die Erlebnisse, die ich in den vergangenen 2 Monaten im laendlichen Tansania machen durfte sind einfach einzigartig und unvergleichbar!
Morgen kommt die Krissi, und ich freue mich riesig drauf, ihr dieses wunderschoene Land zu zeigen und ihr die Kultur und Leute naeherzubringen, sowie mit ihr gemeinsam so viel Neues zu entdecken!! Es liegen 4 Wochen Abenteuer Ost-Afrika vor uns und ich freu mich drauf, durch Tansania und Kenia zu reisen!!! Die Serengeti, der Victoriasee, Nairobi, Mombasa, Zanzibar und vieles mehr wartet auf uns... bin gespannt, welche Seite von diesem zauberhaften Land ich nun waehrend der Reisezeit entdecken darf!