Montag, 27. Februar 2012

Seen und Vulkane – die Wanderung geht weiter!


Als wir in Puerto Montt von der Fähre gingen, regnete es in Strömen. Ziemlich nervig, denn uns war die Stadt als interessant angepriesen worden. Wir versuchten trotzdem, uns einiges anzusehen, gingen auf den Fischmarkt, wurden auf dem Weg jedoch schon patschnass, und gingen dann ins nächste Einkaufszentrum – da war es wenigstens trocken. Kurzum beschlossen wir, uns hier nicht lange aufzuhalten und nahmen den nächsten Bus nach Puerto Varras, ein kleiner Ort ca. eine halbe Stunde nördlich von Pt. Montt. Diese Gegend ist stark geprägt von den deutschen Einflüssen, da hier vor einigen Jahrzehnten, eingeladen von der chilenischen Regierung, einige tausend Deutsche herkamen um sich anzusiedeln. Man sieht alte Fachwerkhäuser, deutsch aussehende Kirchen, man liest überall deutsche Namen, deutsches Bier (einheimische Mini-Brauereien von eingewanderten Deutschen!) und Kuchen an jeder Straßenecke! Unglaublich... Viele Menschen sprechen auch noch Deutsch.

So langsam hörte auch der Regen auf! Wir streunten abends noch ein wenig durch den süßen Ort und kamen zufällig zu einem öffentlichen Konzert einer wahnsinnig guten Ska-Band! Die rockten so richtig das Publikum und wir ließen uns mitreißen und feierten mit! J Am nächsten Tag war es jedoch immer noch bewölkt und ein Ausflug zu dem nahegelegenen Nationalpark wo der Vulkan Osorno steht, den wir schemenhaft sehen konnten, hätte sicht nicht gelohnt. Also stiegen wir nach einem schönen Spaziergang am See und einem leckeren Mittagessen mit Himbeer-Streußelkuchen in den nächsten Bus (gar nicht so lang, nur 6 Stunden... *grins*) gen Norden nach Pucón. Das ist die „Hauptstadt“ des Seengebietes, wo viele Menschen aus Santiago auch Urlaub machen. Daher ist es dort aktuell brechend voll. Aber wir hatten Glück, bekamen direkt ein Hostel und schauten uns gleich mal um. Hier hatte es auch gestürmt und geregnet, und daher konnten viele Leute nicht auf den (aktiven, ständig rauchenden!!) Vulkan Villarrica rauf, der hier direkt ist. Jetzt begann der Sturm auf die Touren, da das Wetter besser wurde. Wir beschlossen erst noch abzuwarten und fuhren am ersten Tag (Sonntag) erst mal in den Nationalpark Huerquehue. Hatten morgens ein Schweineglück, da wir eigentlich dachten, der Bus fährt um 8:45 Uhr, um 8:30 aus dem Haus gingen, und dann auf unserem Zettel sahen, dass der Bus doch schon um 8:30 Uhr losfährt. An der Hauptstraße angekommen, schafften wir es allerdings den deutlich verspäteten Bus ranzuwinken und mitzufahren – gut, dass hier die Uhren und Menschen ein bisschen anders ticken als in Deutschland!! JJ Die Wanderung war zwar sehr steil und anstrengend, doch auch hübsch, wir sahen viele Seen, ließen unsere Füße vom Steg baumeln und bestaunten die „Lenga“ Wälder – das ist der zweitälteste Baum der Welt, der total langsam wächst und vom Aussterben bedroht ist, da viele Wälder abgeholzt werden. Erschreckend, wie hier mal wieder mit der Natur umgegangen wird um größtmögliche Profite zu erzielen! L

Abends wollten wir dann doch die Tour auf den Vulkan buchen – leider war für den Montag schon alles ausgebucht! Mist, denn das Wetter sollte super werden! Na gut, dann eben Alternativprogramm. Wir buchten die Bergtour für den Dienstag und besuchten am Montag stattdessen die blaue Lagune, die soooo blau ist, ich weiß nicht warum, aber einfach erstaunlich wie BLAU das Wasser dort ist (!!) und die „Ojos de la Caburga“ (sehr pittoreske Wasserfälle). Von dort dachten wir uns, wir gehen ein paar Kilometer weiter zu einem Cultural Center der Mapuche, das sind die einheimischen Indianer. Aus den paar Kilometern wurden ein paar mehr und wir ärgerten uns schon, dass wir nicht an der Hauptstraße den Bus genommen hatten, als ein Auto hielt: darin saßen Mutter und Tochter aus Österreich, die sich verfahren hatten und fragten, ob wir wüssten wo diese Schotterstraße hinführe. Wir wussten es und sie hatten ein Auto – die perfekte Symbiose! J Sie nahmen uns also bis zu unserem Mapuche Dorf mit und wir bedankten uns sehr herzlich! Leider war das Cultural Center recht enttäuschend. Es gab nur eine traditionelle Hütte, keine Menschen, keine Erklärungsschilder, niemand erklärte einem irgendetwas, und die Hauptattraktion war das Asado, ein traditionelles Barbeque, das es an 20 verschiedenen Ständen gab - das war lecker! Trotzdem schade... hatte mich darauf gefreut, etwas über die Pre-Kolonialzeit und das Volk der Mapuche zu lernen. Aber dann halt nicht. Um zurück nach Pucón zu kommen hatten wir wieder Glück, da der Bus – warum auch immer – nicht fuhr. Wir unterhielten uns zufällig mit 2 chilenischen Ingenieuren, einer mit deutschen Vorfahren, die da waren um ihre Brücken-Baustelle zu besichtigen. Sie fuhren zurück in die Stadt und nahmen uns netterweise mit. J Nach einem großen Eis (wir genehmigen uns gern hin und wieder einen halben Liter Eis zu dritt, und das ist soooo lecker hier!) fuhren wir mit dem Bus zu den heißen Quellen „Los Pozones“. Dort waren 6 Steinpools angelegt mit gemütlich warmen, zum Teil sehr heißem Wasser zum Relaxen! Wir entspannten rund 4 Stunden in diesem schönen Thermalbad inmitten eines malerischen Tales und ich freute mich über diesen so unkonventionellen Tag, in den wir einfach so hinein gelebt hatten! J

Am Dienstag starteten wir morgens um halb 7! Bekamen zuerst unsere Ausstattung incl. Steigeisen, Eispickel, Schneeanzug, Helm, Gamaschen und so weiter. Der Vulkan war zum ersten Mal seit Tagen vollkommen wolkenfrei und lag malerisch rauchend vor uns. Uns hatten viele Wanderer davor gewarnt, dass das erste Stück einen total fertig macht und die Option den Skilift zu nehmen sehr empfehlenswert sei. Na gut, so nahmen wir also die Seilbahn für die ersten 400 Höhenmeter. Es blieben immer noch knapp 1000 Höhenmeter, bis wir auf 2800m auf dem Gipfel ankommen sollten. Eine lange Menschenschlange von Wanderern marschierte den schmalen Pfad hinauf. Es war ein wenig nervig, da unsere Gruppe deutlich schneller unterwegs war als viele andere, wir aber nicht überholen konnten. So mussten wir immer wieder stehen bleiben, abwarten... "Stop and Go" den Vulkan rauf? Das ging gottseidank nur die erste halbe Stunde so. Dann konnten wir an einer Stelle viele Leute überholen und konnten mit unserem netten Bergführer in unserem Tempo weiter rauf. J


Man musste immer den Helm aufbehalten, denn es fielen gelegentlich Steine den Berg runter. Den Eispickel nahmen wir anfangs als Wanderstab (hilfreich im steilen Gelände!) und dann – ab der Schnee- / Eisgrenze – als Sicherheitsstütze. Der war unsere Rettung, falls wir ausrutschen und ein Stück runterrutschen sollten. Es passierte aber nix, der Schnee war weich und griffig, da es warm war und wir brauchten noch nicht mal die Steigeisen. Nur für die letzte halbe Stunde schnallten wir die an, weil es da sehr steil wurde und man mit den Dingern einfach deutlich griffiger unterwegs ist. Auf dem Weg nach oben sahen wir immer wieder Lawa-Gestein, häufig so geformt, dass man richtig sehen konnte, dass das mal geflossen ist! Wahnsinn! Der letzte Ausbruch war 1984, ein größerer davor 1979. Seitdem raucht es nur noch, aber ein weiterer Ausbruch ist nicht ausgeschlossen. Die Tour war weniger anstrengend als ursprünglich gedacht und ich war dauerhaft fasziniert von der herrlichen Aussicht über hunderte von Seen, Wälder, Berge, andere rauchende Vulkane und den Ort Pucón. Das letzte Stück war wieder schneefrei, da dort der Rauch rauskommt und es gut warm ist. Es roch nach Schwefel und anderen toxischen Dämpfen, doch der Gipfel war einfach faszinierend: in der Mitte der riesige Krater, vollständig gefüllt mit Rauch (der gottseidank vom Wind von uns weg geweht wurde!) und auf der anderen Seite der steile Abhang mit der Aussicht über die ganze Gegend! Traumhaft und völlig faszinierend, sowas hab ich noch nie gesehen oder erlebt!!! Der Abstieg war einfach und dauerte nur rund 1 ½ Stunden; wir konnten nämlich mit unseren Plastik-Poporutschern, die auch zur Ausrüstung gehörten, einfach die „Rutschbahnen“ runtersliden. Das war vielleicht ein Spaß!! J Der Eispickel diente als Bremse und Notbremse, damit man niemandem reinrutscht! J Unten kamen wir patschnass, aber fröhlich an! Waren recht erschöpft von der Bergtour, durften aber in unserem Hostel nochmal duschen, damit wir in frischen Klamotten in den Nachtbus nach Santiago de Chile einsteigen konnten. Doch von großen Städten, Busfahrten und Anden-Überquerungen schreib ich das nächste Mal mehr! J

Montag, 20. Februar 2012

Einige Bilder...


Hier sind nun endlich auch ein paar Bilder. Ich werd versuchen in Zukunft mehr hochzuladen und immer passende Bilder zu den Blogs hinzuzufügen. Aber hier sind zumindest ein paar Nachträge! :-)
Ich mit einem Seelöwen beim Tauchen.
Gletscher Perito Moreno in El Calafate
Ich auf der Navimag Fähre.
Liane und ich auf unserer Wanderung zur Laguna Torre in El Chaltén.

Mit Navimag durch die Patagonischen Fjorde

Montag Abend ging es an Bord der Navimag Fähre „Evangelista“. Dies ist ein Fährschiff, das vor rund 10 Jahren durch einen dreistöckigen Aufbau oben an Deck für Passagiere nutzbar gemacht wurde. Der Gedanke dahinter ist super: man fährt ohnehin mit der Fracht durch so schöne Landschaft, warum also nicht auch ein paar Leute mitnehmen und denen die Chance geben, dies alles zu sehen? Über Nacht, nachdem alle Passagiere an Bord gegangen waren, wurde die Fracht geladen. Interessanterweise waren vor allem Kühe und Pferde geladen, was man gelegentlich, wenn man hinten auf dem Schiff stand auch riechen sowie unten in den Kabinen manchmal hören konnte. *grins* An Bord waren rund 230 Gäste aus aller Welt (knapp 10% Deutsche!!) sowie rund 50 Besatzungsmitglieder. Das Safety Briefing ging bereits Montag Abend über die Bühne sowie erste Infos über die Route, die wir fahren würden. Alles wurde 2-sprachig auf Spanisch und Englisch vermittelt – einer der Crew konnte jedoch auch fließend Deutsch und Französisch und machte seine Lautsprecher-Durchsagen gerne viersprachig! J Unsere Kajüte war sehr gemütlich: zwei Stockbetten (bequem!), alle mit Vorhängen versehen für mehr Privatsphäre. Außerdem hatte jeder seinen abschließbaren Schrank, wo problemlos unsere Rucksäcke reinpassten. Für die 4 Nächte an Bord packten wir sogar unsere Klamotten aus!! J Bad und Toilette waren perfekt sauber, die Betten wurden jeden Tag gemacht und es war alles super gepflegt und gut in Schuss! Nur Fenster im Zimmer hatten wir keins, das hätte das doppelte gekostet... *haha*

Der Dienstag startete früh morgens um halb 7 mit dem ersten Highlight: wir fuhren durch eine nur 82m breite Passage hindurch, mit Felswänden und wunderschönen grünen Inseln rundrum! Es war jedoch schweinekalt, 5°C!! Trotzdem waren fast alle Pasagiere an Deck gekommen, dick in Jacken und Mützen eingepackt, und machten fleißig Fotos. Es war echt genial und ein einzigartiges Erlebnis, diese Landschaft aus der Perspektive vom Meer aus zu sehen!! Ich war total beeindruckt von der Atmosphäre dieser Fjorde und Kanäle, die sich wie ein Labyrinth die ganze süd-chilenische Küste hinaufziehen. Alle wurden vor tausenden von Jahren von Gletschern gegraben und am Ende von manchen Fjorden ist noch heute ein Gletscher – auf Meereshöhe! Das Kuriose daran ist, dass diese Gegend auf dem gleichen Breitengrad liegt wie beispielsweise Hamburg auf der Nordhalbkugel. Faszinierend!! Liegt jedoch daran, dass es aufgrund der hohen Berge hier unglaublich viel regnet, 8m pro Quadratmeter pro Jahr, es jedoch recht kalt ist und deshalb schneit und der akkumulierte Schnee formt sich um zu Eis und bildet wachsende oder zumindest stabile Gletscher in dieser Region. Genial!! An einen Gletscher (Glaciar Skua) fuhren wir auch richtig nah ran um den genauer anschauen zu können; um uns herum schwammen ganz viele kleine Eisstücke im Wasser, die abgebrochen waren. Dazwischen sah man immer wieder Seelöwen schwimmen! Klasse!! J

Was ich besonders toll fand waren die Vorträge, die jeden Tag von dem mehrsprachigen, netten Crew-Mitglied gehalten wurden. So lernte ich am ersten Tag viel über Gletscher und deren Zusammenhänge mit Landschaftbildung, Klima, Erdrotation, globaler Erwärmung, vergangenen Vulkanausbrüchen und aktuellem Wetter auf der Welt etc. Am zweiten Tag gabs einen Vortrag über die Fauna Patagoniens, mit einem Schwerpunkt auf der Vogelwelt! Auch spannend, ich fands sehr interessant, andere Leute weniger, manche schliefen ein! *grins* Und am dritten Tag bekamen wir viel über die Flora Patagoniens erzählt und wie Flechten, Moos, Büsche, Bäume und alle Pflanzen ein grandioses ökologisches Gleichgewicht herstellen und alle voneinander abhängig sind!! Ich hab an Bord so viel gelernt über die Region hier wie in den letzten 3 Wochen nicht! Zusätzlich wurden auch noch einige Naturfilme gezeigt. Am letzten Nachmittag wurde noch ein Vortrag über den Süden von Chile gehalten und mögliche weitere Reiseziele vorgestellt. Das war sehr praktisch und gab uns neue Ideen für unseren weiteren Trip. So entschieden wir uns, nicht gleich wieder über die Anden nach Bariloche (Argentinien) rüber zu fahren, sondern bis Santiago auf der chilenischen Seite zu bleiben.

Ein weiteres Highlight war das Essen an Bord! Das Frühstücksbuffet jeden Tag war der absolute Traum, mit Rührei, Saft, Cornflakes, Joghurt, Kaffee, Tee, Brot, Käse, Wurst, Marmelade, Obst etc. J Der Himmel auf Erden für Low-Budget Reisende wie uns, die sich sowas eigentlich nicht leisten. *grins* Mittags und Abends gab es immer Fleisch (Rind, Huhn, Schwein) oder Fisch (Lachs!) mit Kartoffelbrei oder Reis oder Nudeln und Salat, davor eine Suppe und danach immer einen Nachtisch! Liane und andere Menschen mit Sonderwünschen bekamen extra vegetarisches oder anderes Essen gekocht. Echt klasse! Den ganzen Tag verfügbar waren Kaffee, Tee, Saft und Wasser, ganz für umsonst. Nur alkoholische Drinks in der Bar musste man bezahlen, aber die waren auch erschwinglich. Alles in allem also kulinarisch sehr hochwertige Tage für uns! J

Die Route führte uns durch wechselnde Landschaft, manchmal waren die Inseln nah dran, manchmal sah man sie im Nebel verschwinden.Wir kamen auch an einem Schiffswrack vorbei, das ein Captain vor über 50 Jahren versenken wollte um die Versicherungssumme zu kassieren, aber leider auf einem Felsen aufsetzte. *haha* Das Wetter war so wie es dort eben meistens ist, regnerisch, windig und grau in grau, doch phasenweise hellte es auf und war schöner. Der letzte Tag beispielsweise war super mit Sonne, windstill und blauem Himmel! Traumhaft, ich war den ganzen Nachmittag an Deck und unterhielt mich prima mit anderen Reisenden! Wir sahen unterwegs öfters Pinguine, Delfine und Seelöwen im Wasser spielen und springen; großes Highlight waren auch die Wale (Minky Whales), die wir am zweiten Tag Nachmittags immer wieder auftauchen sahen. Oft sah man nur den Spray am Horizont, doch gelegentlich konnte man auch den Rücken und die Flossen sehen, manchmal sogar direkt neben dem Schiff! Sehr cool!! J Dieser Nachmittag war die Zeit, die wir auf dem offenen Meer verbrachten und auch ordentlich Seegang hatten (3-4m hohe Wellen). Dank der super Seekrankheitstabletten von meiner Mamie (danke dafür!!) ging es mir allerdings prima, ich hatte keinerlei Probleme und genoss auch die Spaghetti Bolognese am Abend, die bei manch anderem wieder hochkamen! ;-)

Ich freute mich besonders, dass ich so nette Leute auf der Fähre kennenlernen durfte! Etliche machen einfach einen langen Urlaub in Südamerika, und sind 3 oder 4 Wochen unterwegs. Klasse, vor allem aktuell dem Winter in Deutschland für einige Wochen zu entkommen! Doch ich fands schon besonders cool, wie viele Leute sich unbezahlten Urlaub nehmen und einige Monate diesen Kontinent bereisen. Respekt! Oder manche kündigen ihren Job und erfüllen sich ihren langen Traum von einer Weltreise. Faszinierende Lebensgeschichten, tolle Menschen und sehr nette, inspirierende Gespräche! Am letzten Abend wurde zum Entertainment Bingo gespielt (Ich gewann sogar eine Runde!!! Preis: ein Navimag Fließ-Pulli) und es stieg eine Party in der Bar, wo wir nochmal ausgiebig feierten!

Fazit: Die Tage auf der Navimag Fähre haben sich total gelohnt, ich fand es richtig toll, habe neue Perspektiven gewonnen und fand es eine gute Abwechslung zu der Fortbewegung an Land! Auf zu neuen Ufern – Lake District in Chile, wir kommen!

Torres del Paine

In den vergangenen Tagen war wieder mal viel los, also der Reihe nach. J Wir fuhren am Sonntag von El Calafate nach Chile, genauer gesagt nach Puerto Natales. Von dort sollte am Dienstag unsere „Navimag“ Fähre (http://www.navimag.com/sitio/es/patagonia/) starten, mit der wir 4 Tage rauf nach Puerto Montt fahren und so die Patagonischen Fjorde und einige Gletscher sehen können. Wir waren der Meinung, dass wir am Dienstag Vormittag aufs Schiff gehen, denn so stand es auf unserem Plan, den wir online gelesen hatten. Leider stellte sich jedoch heraus, dass wir da fehlinformiert waren... Boarding war doch schon Montag Abend, das Schiff fährt Dienstag morgens um 4 Uhr los. Check-In sollte also bereits den gesamten Montag stattfinden, bis 21 Uhr. Oh oh, das brachte unseren ganzen Plan durcheinander, denn wir wollten eigentlich am Montag zu dem hochgelobten Nationalpark „Torres del Paine“ fahren und dort in der grandiosen Landschaft eine Tagestour machen und wandern. Nach längerem Hin- und Herüberlegen, sowie einigen Problemen mit den örtlichen Geldautomaten (long story short: 4 Banken, 6 verschiedene Geldautomaten, 5 Stunden Herumgerenne und am Ende hatten wir doch ein paar tausend chilenische Pesos in der Tasche) entschieden wir uns für die zeitlich einzig realisierbare Option: eine Tour im Minibus zu den größten Sehenswürdigkeiten im Nationalpark. Abends feierten wir noch Kim’s Geburtstag nach, denn wir hatten ihr ein Pizzaessen geschenkt und hier gabs eine spitzen Pizzeria! Es war köstlich und wir hatten einen tollen Abend!!

Montag Früh gings los Richtung „Torres del Paine“ – in einem recht vollen Minibus mit 12 Personen und einem, naja sagen wir wenig engagiertem Fahrer. Der Ausflug war trotzdem schön! Unser erster Stopp galt der Höhle des „Milodon“, ein über 2 Meter großes Faultier, das vor ein paar tausend Jahren gelebt hat (zu Zeiten von Säbelzahntigern und Höhlen-Menschen) und jetzt ausgestorben ist. Allerdings hat man anfang des 20. Jahrhunderts in dieser riesigen Höhle eine perfekt erhaltene Milodon-Haut gefunden und ein paar Knochen, sowie etliche andere Fundstücke von damals. Ein sehr spannender historischer Ort also, der auch uns beeindruckte! Das Milodon wurde umgehend zu unserem persönlichen „Maskottchen“ und ist seitdem unser ständiger Begleiter durch Chile... *grins* Weiter gings zum Nationalparkeingang, jedoch dauerhaft mit bedecktem Himmel. Es regnete und stürmte und wir waren sehr froh an diesem Tag nicht wandern zu gehen, sondern im trockenen Auto zu sitzen, wo jedoch eine alte, sehr unhöfliche Schrulle aus USA dauerhaft auf Air-Condition bestand, da sie behauptete sonst nicht atmen zu können. War also etwas kalt... aber was solls? ;-)

Als wir am Eingang waren, hörte es kurzzeitig auf zu regnen und die Wolken gaben den Blick frei auf das zentrale Berg-Massiv. Die Landschaft war echt schön: die von Flüssen durchzogenen Ebenen, die türkisblauen Seen, überall Unmengen von Guanakos (= wilde Lamas) und dahinter die steilen Felsen-Türme. Ich war auch fasziniert von den riesigen Condoren, die hier durch die Lüfte fliegen (3m Flügelspannweite!!). Und wir bekamen sogar einen Grey Fox zu Gesicht, der gerade neben einer Guanako-Herde eines davon verspeiste, das wohl vom Puma gerissen worden war. Wir fuhren durch den Park, durften immer wieder aussteigen und herumlaufen und kleinere und größere Spaziergänge machen. Highlights waren unter anderem ein riesiger Gletscher und ein tosender Wasserfall! Auch unterwegs waren etliche Wanderer, auf manchen Wegen sah man trotz des Wetters die Menschen Rucksack an Rucksack... und leider bekamen wir auch auch viele verbrannte Bäume und abgebrannte Camps zu sehen. Aufgrund eines israelischen Wanderers, der sein Toilettenpapier verbrennen wollte ist in den vergangenen Monaten leider fast der halbe Park abgebrannt – schrecklich, es riecht an vielen Stellen verbrannt und es ist der absolute Horror, wie viel Natur hier kaputt gegangen ist, weil ein Mensch (der jetzt jedoch gerechterweise deshalb in Punta Arenas im Gefängnis sitzt) sich an die wichtigste Regel im Nationalpark nicht gehalten hat: kein Feuer machen!! Das macht mich richtig traurig und wütend, wie dämlich manche Menschen sind und so wertvolle Lebensräume zerstören!! Durch unterirdische Feuer ist auch das gesamte Wurzelwerk der Bäume dort verbrannt! Und früher gab es richtig viele Pumas im Torres del Paine – jetzt nach dem Feuer ist die Population deutlich geschrumpft. Und somit fehlt vielen anderen Tieren die Nahrungsgrundlage, die sich vom Aas der vom Puma gerissenen Guanakos ernähren. Echt tragisch, welche weitgreifenden Konsequenzen in Flora und Fauna dieses Feuer nun in den kommenden Jahren haben wird!! L

Zurück zu unserem Ausflug: Das Wetter blieb durchwachsen, einmal wurden wir auch ziemlich nass, als wir zu dem Wasserfall gingen und der Regen aufgrund des Windes waagerecht daherkam. *lol* Wir nahmen es mit Humor (frei nach dem Motto „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ J) und genossen trotz aller Widrigkeiten unseren Ausflug! Wir waren rechtzeitig zurück in Puerto Natales um einzuchecken für die Navimag Fähre. Das war total unkompliziert, wir holten uns noch eine heiße Schokolade und warteten bis zum Boarding, während unser Gepäck bereits in unsere Kabine gebracht wurde. Luxus für uns backpackende Reisende!! Doch dazu mehr im nächsten Blog!

Sonntag, 12. Februar 2012

Patagonien II: El Calafate & El Chaltén – Gletscher, Berge, Wanderungen

Die Busfahrt am Dienstag, den 7.2. von Ushuaia zurück nach Rio Gallegos verlief erstaunlicherweise ohne Zwischenfälle und ohne längere Wartezeiten oder Verspätungen. Auf der Fähre hatten wir sogar total Glück, denn wir sahen viele Delfine im Wasser springen und zwar die schwarz-weißen Magallan-Delfine, die es nur hier gibt!! J Die Natur in Patagonien meint es echt gut mit uns, wir haben totales Glück mit dem Wetter und mit den vielen Tieren, die sich so zeigen! Ich freu mich drüber und genieß es!! J

Nach ein paar Stunden Aufenthalt in Rio Gallegos gings direkt weiter nach El Calafate. Ich war froh, als wir endlich da waren, mir reichts jetzt erst mal mit langen Busfahrten... es werden bestimmt noch einige kommen in den nächsten Wochen, doch vor uns lagen zunächst ein paar Tage mit atemberaubender Natur! Gleich am Mittwoch fuhren wir zum „Perito Moreno“, einem RIESIGEN Gletscher. Die stolzen Maße: 60m hoch, 5 km breit, 35 km lang!!! Ich war sprachlos, denn so einen großen Gletscher hatte ich noch nie in meinem Leben gesehen!! Er strahlte in zartem Blau, leuchtete regelrecht und es war einfach wunderschön! Dieser Gletscher knarzt und knackt dauerhaft und liegt obendrein noch direkt an einem See und immer wieder fallen größere und kleinere Eisbrocken ins Wasser und machen ordentlich Lärm und veranstalten ein tolles Spektakel! J Die Zacken, Schluchten, Eisschichten – all das kann man stundenlang von einer nahen Halbinsel aus sicherer Entfernung anschauen, ohne dass es langweilig wird!! Wir verbrachten 4 Stunden damit, dort rumzulaufen, das Eis aus jeder erdenklichen Perspektive zu fotographieren und auf größere Abbrüche zu warten. Ein klasse Nachmittag!! J Die Natur hier in Patagonien fasziniert mich von Tag zu Tag mehr, mir gefällts hier richtig gut!! Diese Mischung von Ebenen und Bergen, endlosen Weiten und Seen, Sonne und starkem Wind – das alles ist wirklich einzigartig und absolut faszinierend!!

In El Calafate gibt es leider außer dem Gletscher wenig zu sehen, also starteten wir direkt am nächsten Tag in das nahe El Chaltén, ein sehr kleiner, verschlafener Ort mitten in den Bergen und das Mekka für Wanderer, Abenteurer und natur-affine Reisende. Von hier aus kann man unter anderem den „Cerro Torre“ (3102m) und den „Fitz Roy“ (3405m) sehen und viele Wanderungen machen! Lustigerweise trafen wir hier in der Gegend unglaublich viele Deutsche, Schweitzer und Österreicher, mehr als in anderen Teilen Argentiniens bisher... J

Unser erster Tag hier war leider etwas bewölkt und regnerisch, also gingen wir erst ins Nationalparkzentrum und machten dann trotzdem zwei kleinere Touren, die jeweils 2-3 Stunden dauerten. Die erste ging zu einem Aussichtspunkt, wo man einen herrlichen Blick hatte über einen riesigen See, eine Ebene soweit das Auge reicht und seitlich die Berge mit vielen Gesteinsschichten, an denen ein Geologe seine wahre Freude gehabt hätte. Von uns hat leider keiner Ahnung davon, also genossen wir nur die Aussicht! J Unsere zweite Tour an dem Tag ging zu einem Wasserfall, der sehr malerisch in einem kleinen Tal lag! Nur leider war es sooooo windig, dass man sich gegen den Wind anlehnen konnte, ohne dass man umfiel. Die Strecke war also doppelt so anstrengend zu laufen und wir waren fix und fertig! Gottseidank nahm uns für das letzte Stück entlang der Straße ein junges Paar aus Buenos Aires in ihrem Auto mit und brachte uns bis zu unserem Hostel! Voll freundlich!! Abends kochten wir uns im Hostel Nudeln und zum Nachtisch: Schokopudding!! *juhu*

Freitag und Samstag machten wir dann zwei größere Wandertouren mit deutlich mehr Wetterglück. Die erste Wanderung führte uns zum Lago (=See) Torre, der am Fuß des „Cerro Torre“ liegt. In ihn mündet der Gletscher Grande, der sich das gesamte Bergmassiv entlang zieht – ein faszinierender Anblick, der See mit dem Gletscher und dem Felsenmassiv dahinter! Die Wanderung dauerte insgesamt 9 Stunden und es war eine richtig tolle Tour! Klar, es war anstrengend und ging teilweise ganz gut steil hoch und runter, und abends taten uns die Füße weh. Doch es hat sich gelohnt, die Landschaft dort ist einfach grandios!! Ein Picknick am See krönte unsere Tour, und am höchsten Punkt relaxten wir ein Weilchen in der Sonne, denn trotz morgendlichen Nieselregens hatten sich mit jedem Schritt, den wir uns dem Gipfel näherten, die Wolken verzogen, bis sich das ganze Bergmassiv wolkenfrei in seiner vollen Schönheit präsentierte! J Wahre Wetterhexen sind wir, so viel Glück wie wir haben!! *hihi*

Am Samstag machten wir dann die Tour zum Fitz Roy. Wieder hatten wir strahlenden Sonnenschein, nur leider umzogen den Gipfel den ganzen Tag einige Wolken. Das tat der Schönheit der Landschaft jedoch keinen Abbruch! Wir marschierten wieder fröhlich durch die Gegend und genossen die immer wechselnde Aussicht, die sich von den verschiedenen Aussichtspunkten bot! Aufgrund von müden Beinen und leichten Knieproblemen meinerseits entschieden wir uns jedoch gegen das letzte Steilstück, in dem man 400 Höhenmeter auf rund 1 ½ km machen muss... und der Weg zu einem alternativen Viewpoint war leider zu schlecht ausgeschildert, weshalb wir uns irgendwann in einem Moor ohne Weg wiederfanden und umdrehten... Satz mit „X“? – War wohl niX! *grins* Das tat meiner guten Laune jedoch keinen Abbruch, denn schöne Landschaft hat man auf der ganzen Tour um sich herum, egal ob man bis zum letzten Aussichtspunkt geht oder nicht! *basta* Nach rund 8 Stunden waren wir wieder im Ort, genehmigten uns ein Bier, spielten ein wenig Karten in der Sonne und warteten auf den Bus zurück nach El Calafate. Morgen gehts nämlich weiter nach Chile!! J

Die beiden beschriebenen Wanderungen kann man übrigens auch kombinieren und da eine Zwei-Tages-Tour draus machen, wobei man in den Bergen zeltet. Es gibt auch andere Wanderwege, die mehrere Tage in Anspruch nehmen und die sicher super sind. Doch dafür braucht man Camping Equipment (Zelten auf den Campingplätzen ist im Nationalpark kostenlos!) und das haben wir leider nicht dabei. Auf die Gipfel kommt man allerdings eh nur mit krasser Gletscher- und Kletter-Ausrüstung, die wurden auch noch nicht so oft bestiegen... Wir waren also happy mit unseren Tagestouren und einem gemütlichen Bett und einer warmen Dusche am Abend! J

Lustiger Fakt zum Schluss: im Bus zurück von El Chaltén nach El Calafate ist es verboten die Schuhe auszuziehen – kein Wunder, wenn nur Wanderer, die teilweise tagelang unterwegs waren da drin sitzen!! J

PS: Musste wieder mal zwei Blogs auf einmal online stellen, da wir in El Chaltén natürlich kein Internet hatten, erst jetzt wieder in El Calafate. Morgen gehts nach Puerto Natales, Chile!

Feuerland & Ushuaia – das „Ende der Welt“

Unsere Reise nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, gestaltete sich tatsächlich als eine wahre Odyssee, die uns das wirkliche Gefühl gab, ans Ende der Welt zu fahren! Wir blieben eine Nacht in Rio Gallegos um dann morgens in den nächsten Bus nach Ushuaia zu steigen. Nach 1 ½ Stunden Fahrt blieb der Bus zum ersten Mal stehen. Hunderte von Autos, einige LKWs und Busse warteten an der chilenischen Grenze... wir reihten uns also ein und ließen unser Gepäck brav nach Obst, Gemüse und Fleisch durchsuchen – da sind die irgendwie recht panisch beim Zoll in Chile. Unsere Äpfel und Pfirsiche hatten wir noch schnell in uns hineingestopft!! :-) Nach rund 3 Stunden ging es dann endlich weiter. Doch wiederum fuhren wir nur rund eine Stunde bis zum nächsten Stopp. Diesmal standen wir für knapp 2 Stunden an der Magallanstraße. Es war soooo windig, dass die Fähren nicht fahren konnten und wir abwarten mussten, bis der Wind weniger wurde. Endlich war es dann soweit und dann ging doch alles sehr fix. Die scheinen das dort gewöhnt zu sein. An Bord durften wir auch aussteigen für die halbe Stunde, die die Überfahrt dauert. Wir sahen einen Delfin im Wasser hüpfen, doch ansonsten war das eher eine sehr schaukelige Angelegenheit... :-) Es ging weiter auf Schotterpisten durch den chilenischen Teil von Feuerland (Tierra del Fuego). Die Landschaft wurde zwar nach und nach etwas hügeliger, doch die Vegetation war unverändert: viel Graslandschaft, gelegentlich Büsche, keine Bäume – und immer ein starker Wind. Man sah einige Schafe und Kühe, doch sonst weit und breit NICHTS! Aber das kannten wir ja schon von den vorherigen Busfahrten... *grins* Nach ein paar Stunden kam der nächste Stopp an der nächsten Grenze, wieder zurück rein nach Argentinien – wieder Warten!

Es wurde so langsam dunkel und es ließ sich abschätzen, dass wir rund 4 Stunden Verspätung haben könnten... Unsere Ankunft in Ushuaia sollte also spät werden. Ich setzte mich nach vorne in die erste Reihe, da man dort Aussicht hat und ein Platz frei war und unterhielt mich für den Rest der Fahrt, die immer noch rund 5 Stunden dauerte, blendend mit der Canadierin, die neben mir saß. :-) Nachts um halb 2 (statt um 21 Uhr) kamen wir endlich an. Wir marschierten schnurstracks zu unserem Hostel, das wir in weiser Voraussicht reserviert hatten. Nur leider war der Hostelmanager nicht ganz so freundlich und meinte, wer so spät ankäme solle nicht erwarten, dass die Betten weiterhin frei seien, er hätte sie nun anderweitig vergeben, wir sollten schauen, wo wir bleiben, er sei ausgebucht. Na toll... so ein Depp!! Wir schimpften vor uns hin und gingen weiter. Ich bewunderte noch den grandiosen Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens, als wir vorm nächstbesten Hostel standen: „Cruz del Sur“!! Und prompt bekamen wir dort noch mitten in der Nacht ein Zimmer! :-) Wir freuten uns, dass unsere Odyssee hier endete und gingen erleichtert schlafen!

Am nächsten Morgen erwartete uns ein bisschen Nieselregen und nass-kaltes Wetter. Doch wir ließen uns nicht entmutigen und machten uns trotzdem auf eine Wandertour zur „Laguna Esmeralda“.Wir wurden belohnt: das Wetter wurde immer besser, der Himmel klarte auf und irgendwann marschierten wir unter strahlend blauem Himmel den Berg hinauf! Die Aussicht war fantastisch: der See strahlte in türkis-grün, oben drüber sah man den Gletscher am Berg und unten drunter lagen das Moor und die Wälder in der Ebene. TRAUMHAFT!!! :-) Wir gingen auch noch ein Stück weiter rauf Richtung Gletscher, doch da wurde es irgendwann zu steil und die Felsen zu rutschig. Insgesamt waren wir an diesem Tag rund 6 Stunden wandern, ein guter Auftakt für weitere Touren in dieser Gegend!! Und bereits jetzt bin ich dem Hendrik sehr dankbar dafür, dass er mich überredet hat, doch meine Wanderschuhe mitzunehmen... :-)

Am zweiten Tag in Ushuaia hatte Kim Geburtstag, was wir natürlich mit Kuchen und Kerze zum Frühstück erst mal feierten! Leider schneite und regnete es draußen, weshalb wir ein wenig abwarteten... Doch dann klarte es auf und wir holten wir uns erstmal beim Postamt den Stempel in unsere Pässe. Die sind nämlich offiziell befugt einen „Ende der Welt“-Stempel in Pässe zu stempeln! :-) Im Touristen-Office gab es dann noch mehr davon, die dürfen das anscheinend auch. Wir schlenderten ein wenig durch die Stadt, die eine kunterbunte Mischung aus Backpackern mit kleinem Budget, Antarktis-Kreuzfahrern und Natur-Freaks beherbergt, und warteten darauf, dass es aufklarte. Und tatsächlich, gegen Mittag schien die Sonne! Wir starteten also Richtung Gletscher „Glaciar Martial“, der direkt auf dem Berg hinter der Stadt ist. Die Seilbahn sparten wir uns und gingen lieber zu Fuß rauf! Da hatten wir auch mehr davon, da die Seilbahn einem nur knapp 1/3 des Weges erspart. Das Steilstück muss man dann schon noch selber gehen! *grins* Also marschierten wir fröhlich den Berg hinauf, fasziniert von der Aussicht, die man hatte, je höher man rauf kam! Irgendwann konnten wir die ganze Bucht sehen: wie Ushuaia sich an die Berghänge schmiegt, im Hafen die Container-, Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffe, und im Hintergrund schneebedeckte Berge. Die Luft war ganz klar und der Aufstieg hatte sich gelohnt, denn der Blick war wirklich grandios!! Beim Abstieg gönnten wir uns in einer sehr urigen, gemütlichen, argentinischen Berghütte eine heiße Schokolade – eine perfekte Wanderung, ganz nach meinem Geschmack! :-)

Abends machten wir noch einen hübschen Spaziergang am Meer entlang, der Sonnenuntergang (um kurz nach 10) war zwar nicht so speziell, aber trotzdem war das ein schöner Abschluss von zwei tollenTagen am „Ende der Welt“. Am nächsten Tag sollte es nämlich schon wieder losgehen Richtung Norden... schade, mir hat Feuerland sehr gut gefallen und ich wär gern länger geblieben!! Aber leider ists recht teuer da unten und wir müssen ja im März in Bolivien sein, damit Kim ihren Heimflug kriegt und Liane ihre Klausur schreiben kann. Also: on the road again!!

Samstag, 4. Februar 2012

Patagonien I: Puerto Madryn und die Pensinsula Valdés

Leider funktionierte das Internet nicht in Puetro Madryn, die ganze Stadt ist vom Telefonnetz abgeschlossen. Also muss ich beide Blogs (Buenos Aires und Puerto Madryn) zur gleichen Zeit posten, vom Ende der Welt... :-) Naja fast, ich sitze gerade in Rio Gallegos, die letzte größere Stadt bevor es morgen früh runter nach Feuerland und somit nach Ushuaia ans "Ende der Welt" geht.

Wir fuhren letzten Samstag mit dem Nachtbus nach Puerto Madryn, mitten in Patagonien. Um uns herum war auf der Busfahrt weit und breit NICHTS. Nur flache Landschaft, trockenes Feld, keine Bäume, nur Büsche. Hin und wieder sah man Pferde, Kühe oder Schafe. Doch sonst ist da einfach weit und breits nix. Mich erinnerten diese endlosen Weiten an Namibia – nur ein wenig grüner war es. :-) Doch mich überkam das gleiche Gefühl von Freiheit und Erfurcht vor so viel grenzenloser Natur wie ich es aus Afrika kenne!! Nach rund 20 Stunden Busfahrt mit recht bequemen Sitzen und Essens- und Getränke-Service kamen wir also am Sonntag in diesem kleinen Küstenort an. Wir fanden direkt ein Hostel namens „Dont worry, be happy“. Leider wurden wir nach und nach immer unzufriedener in diesem Haus... die Leute waren mehr als seltsam und auch sehr unfreundlich, es war alles andere als sauber und das Internet funktionierte nicht - erst nur nicht im Hostel, dann in der ganzen Stadt. *lol* Nachdem wir das alles mal anmerkten (jaaaa, mein Spanisch wird besser!!) bekamen wir einen Rabatt von 1 Euro pro Person pro Nacht... immerhin. Doch in guter Erinnerung behalte ich das trotzdem nicht unbedingt...

Gleich am ersten Tag lernten wir Michi und Andy kennen, zwei nette Jungs aus München, die auch durch Südamerika reisen. Wir taten uns zusammen und mieteten ein Auto für zwei Tage damit wir unabhängig die Gegend hier erkunden konnten. Am Montag fuhren wir nach Punta Tombo, eine riesige Pinguinkolonie, angeblich die größte außerhalb der Antarktis. Dort leben rund 1 Million Magellan Pinguine und ziehen ihre Jungen auf, bevor sie ihre Weiterreise antreten in andere Gegenden. Wir hatten Glück, es war genau die richtige Zeit um da sein und wir sahen Unmengen von großen und kleinen Pinguinen!! Soooo cool!! :-)

Am zweiten Tag mit dem Auto fuhren wir auf die Pensinsula Valdés, ein Nationalpark der wie ein natürlicher Zoo wirkt. Die Halbinsel ist ca. so groß wie Mallorca, also fuhren wir recht weite Strecken über die Schotterpisten um von einem Look-Out zum nächsten zu kommen. Die Landschaft blieb eintönig, doch auf der Strecke konnten wir so einiges an Tieren beobachten: wir sahen unzählige Guanakos (wilde Lamas), zwei Gürteltiere (selten zu sehen, da nachtaktiv!!), einige Nandús (große Laufvögel, ähnlich wie Emus oder Strauße), Maras (Hasen), irgendwelche kleinen Nagertierchen (weiß leider nicht mehr wie die heißen) und Magellan-Füchse mit Jungen. Am Meer konnten wir dann eine große Kolonie von Seelöwen bestaunen und den Kämpfen zwischen den riesigen Seelöwenbullen zuschauen, die sich um ihre Frauen prügeln. Die Harems-Besitzer können noch nicht mal ins Wasser gehen, weil sie Angst haben, dass dann ein jüngerer Bulle kommt und die Damen in der Zwischenzeit begattet!! *grins* Es gab auch wieder Pinguine zu sehen, sowie See-Elefanten. Da waren allerdings nur die Jungtiere anwesend, die Alten sind grad in der Antarktis beim Fressen. Wie gesagt, die Halbinsel ist ein natürlicher Zoo mit vielen Habitaten für die verschiedensten Tierarten, die sich auch nicht in die Queere kommen. Mir hats total gut gefallen, es war herrlich so viel Natur bestaunen zu können. Am Ende des Tages waren wir dann noch bei einem hübschen Strand mit vielen versteinerten Muscheln und ließen den Tag gemütlich ausklingen.

Das absolute Highlight unserer Tage in Puerto Madryn kam jedoch am Mittwoch! Wir gingen mit Seelöwen Tauchen!! :-) Der Trip kostete ein Wahnsinns-Geld, doch diesen Kindheitstraum wollte ich mir erfüllen – Kim (schnorchelnderweise) und Liane waren auch mit am Start! Mit guter Tauchausrüstung und netten Guides starteten wir nach Punta Loma, eine kleine Seelöwen-Kolonie südlich von P. Madryn. Es herrschen dort strikte Regeln, wie viele Menschen am Tag und wie viele gleichzeitig dort sein dürfen. Wir waren also nur mit einer kleinen Gruppe von 9 Leuten, davon nur Liane und ich als Taucher, im Wasser. Die Seelöwen waren extrem verspielt und neugierig, sie kamen angeschwommen und ganz nah an uns heran. Die knabberten nach einer Weile erst an unseren Flossen, dann an unseren Armen und Händen und an der Kopfhaube!!! Wir schwommen mit ihnen herum, drehten uns und konnten sie so richtig streicheln. Sie waren wie Hunde im Wasser... :-) :-) Dies war einfach ein einzigartiges Erlebnis, ich kann es kaum in Worte fassen, wir absolut faszinierend das war. Ich war einfach soooo glücklich im Wasser – und auch noch Stunden danach!! Leider ging meine Unterwasserkamera dabei drauf, da sie irgendwo undicht war... naja, dumm gelaufen. Doch ihr Untergang bei dieser Aktion nach fast 3 Jahren Reisen war glorreich! :-)

So, und heute am Donnerstag den 2.2.2012 sitzen wir also ohne Internet hier rum, weil die ganze Stadt lahm liegt. Das an sich ist ja gar nicht schlimm, aber es funktionieren weder Bankautomaten noch die Schalter am Busbahnhof. Also konnten die unsere Reservierung für die Fahrt nach Ushuaia nicht abrufen... wir sitzen also auf dem Trockenen. Haben jetzt mit unserem (fast) letztem Bargeld einen Nachtbus nach Rio Gallegos gebucht, kommen dort morgen Mittag an und hoffen, dass wir dann weiterkommen irgendwohin, wo es toll ist! Es bleibt spannend!! :-)

PS: Wie gesagt, das wurde schon vor ein paar Tagen geschrieben. Wir sind jetzt in Rio Gallegos und haben schon unseren Bus nach Ushuaia für morgen (Samstag, 4.2.) gebucht! Dann gibts wieder news!! :-)

Erste Eindrücke in Argentinien: Buenos Aires

Der Abschied aus Californien war schwer, denn ich hatte die zwei Wochen mit meinen amerikanischen Freunden sehr genossen und mich gut entspannt!! Aber ich hoffe, dass ich sie bald wieder sehe!! In den letzten Tagen mit Bri in Los Angeles hat sie mir unglaublich viele Geschichten über ihre Reise durch Südamerika erzählt, mir einige gute Tipps gegeben und mich herrlich auf meinen Trip eingestimmt!

So flog ich also am 24. Januar nach Buenos Aires mit einem Zwischenstopp in Lima. Der Flug dauerte deutlich länger als ich dachte (15 Stunden!!), es ist echt ein ganz schönes Stück von Nordamerika nach Südamerika! :-) Ich wartete am Flughafen auf Kim, Liane’s alte Mitbewohnerin aus Göttingen, die für 2 Monate mit auf unserem Trip dabei sein wird. Gemeinsam starteten wir in die Innenstadt!

Mein erster Eindruck von Buenos Aires und somit von Südamerika war absolut genial! Eine lebhafte Stadt, voller Energie und positiver Atmosphäre! Die Leute sind freundlich und hilfsbereit, das Wetter war herrlich, angenehm warm und nicht zu schwül. Liane (sie war schon seit 2 Wochen hier für einen Spanisch-Sprachkurs) begrüßte uns freudig im „Hostel del Sol“ im Stadtteil „El Telmo“, wo es viele Antiquitätenläden, hübsche Häuser und nette Bars gibt. Lianes Kurs ging noch bis Freitag, also erkundeten Kim und ich zunächst an den Vormittagen gemeinsam die Stadt. Wir schauten uns am ersten Tag das City Center mit dem Obelisken an, gingen zum „Plaza de Mayo“ mit dem rosa Regierungsgebäude (von dem Balkon hat Evita Peron viele Reden gehalten und gewunken! :-)) und holten Liane von der Schule ab. Dann besuchten wir gemeinsam das Evita Museum, sehr nett gemacht, allerdings wird sie als absolute Nationalheldin gefeiert und nur ihre glorreichen Taten für das Volk dargestellt... Schattenseiten? Davon keine Rede! Aber ich habe dort viel über Argentiniens Geschichte gelernt! Wir bummelten noch durch den Botanischen Garten, am Zoo entlang und relaxten ein wenig im Rosengarten. Alles hier ist so westlich und sehr modern – doch alles hat einen leicht anderen Flair, da es mit einer guten Portion argentinischem Temperaments versehen ist. Einfach klasse, mir gefällts hier!!

Die folgenden Tage marschierten wir durch alle Stadtviertel und erkundeten alles, was es so zu sehen gibt! Natürlich, neben Ubahn und Bus für längere Strecken, hauptsächlich zu Fuß... und die Füße taten uns dementsprechend abends verdammt weh!! :-) Der Friedhof im Stadtteil „Ricoleta“ beeindruckte mich besonders! Tote wohnen hier in Häusern!! Es stehen dort ein Grab-Häuschen neben dem nächsten, eines pompöser als das nächste. Man kann durch die Fenster und Türen reinschauen und die Särge und Urnen anschauen von all den Menschen die dort bestattet wurden. Während wir dort waren fanden 2 Beerdigungen statt. Einige Gräber wurden auch geplündert, da sind die Scheiben eingeschlagen und es sieht echt böse aus... Evita liegt hier übrigens auch im Grab ihrer Familie, dort liegen haufenweise frische Blumen – die Argentinier lieben sie noch immer! Doch es ist irgendwie schon seltsam sich zu überlegen, wir arm manche Menschen in Südamerika sind, während andere es sich noch nach ihrem Tod leisten können, in einem 2-stöckigen Haus zu liegen...

Auch interessant war das Arbeiterviertel „La Boca“. Dort sind alle Häuser kunterbunt angemalt, es ist sehr trubelig und extrem überlaufen von vielen Touristen. Für die finden in jedem (überteuerten) Restaurant auf der Straße Tango-Shows statt, man wird fast in die Lokale reingezogen von den Kellnern. Das alles war eher nervig als wirklich schön... doch wenn man von der Hauptstraße weggeht, zeigt sich ein anderes Bild. Zuerst gibt es immer noch hübsche Häuser mit bunten Malereien an den Wänden. Doch dann so langsam wirkt alles runtergekommener, dreckiger, leerer... ein echtes Arbeiterviertel eben. Schon heftig, wie das Leben hinter den Fassaden aussieht, die für Touristen manchmal aufgebaut werden!

An unserem letzten Abend (Freitag, 27.1.) in Buenos Aires gingen wir natürlich auch noch ein bisschen feiern. Ein Amerikaner, der mit Liane den Spanischkurs zusammen gemacht hat, hatte uns alle zu seinem Geburtstag eingeladen! Wir fuhren mit der Ubahn hin und uns erwartete ein rauschendes Fest auf einer Dachterasse mit vielen jungen Leuten aus der ganzen Welt, wo wir fröhlich bis nachts um 3 blieben! Wir feierten mit Holländern, Südafrikanern, Amerikanern, Argentiniern, Engländern, Deutschen, und vielen mehr!! Wir hatten einen sehr sehr witzigen Abend!! Hauptsprache war natürlich Englisch...

Mein Spanisch wird erfreulicherweise von Tag zu Tag besser, vieles von damals aus der Schule kommt so langsam wieder, doch es mangelt mir wirklich an Vokabular und auch an sitzender Grammatik. Ich komm gut klar, kann vieles erfragen und auch einfache Sachen erzählen, Fragen beantworten etc. Doch die Argentinier nuscheln auch so schrecklich, da versteht man kaum was. Vielleicht werd ich später auf der Reise noch einen Sprachkurs machen, da hab ich echt Lust drauf! Möchte mich am Ende der Reise gerne auf einem etwas höheren Niveau als jetzt unterhalten können, das wäre echt prima! :-)

Fazit für Buenos Aires: Eine absolut sehenswerte Weltstadt!!