Dienstag, 27. März 2012

Der Himmel auf Erden – und dann direkt in die Hölle!

Wir kamen in Samaipata am Samstag an und dachten uns anfangs, naja, 2 Tage werden schon reichen. Doch von Anfang an spürte ich die Ruhe und die einzigartige Atmosphäre in diesem Ort und fühlte mich auf Anhieb wohl. Wir waren in einem wunderbaren Hostel ("Andorino"), das einem Holländer gehörte und bekamen dort das beste Frühstück der gesamten Reise, mit deutschem Brot (!!!), viel Obst und selbstgemachter Marmelade! Als erstes erkundeten wir die Umgebung! Die Landschaft dort ist hügelig, alles voller Wald und zwischendrin viele kleine Bauernhöfe. Letztere machen leider vieles kaputt, da sie immer wieder Regionen abbrennen um fruchtbares Land zu kriegen und Sachen anpflanzen, die den Boden extrem auslaugen. Mit einer anderen, ökonomischeren Art von Landwirtschaft wäre hier allen gedient, der Natur und den Bauern. Aber der Regierung ist das egal und sonst interessiert es auch niemanden, außer Einwanderern, die um Land und Leute besorgt sind. Einer davon war Olaf, ein Ober-Österreicher, der seit 15 Jahren eine Tour-Agency („Roadrunners“) in Samaipata betreibt. Er hieß uns sehr willkommen, gab uns viele wertvolle Infos, wir bekamen gleich einen Kaffee und Kekse und es zeigt sich mal wieder die gute Connection zwischen Bayern und Österreichern! J Sein Geschäftspartner ist übrigens Hamburger, auch ein netter Typ.

Sehr schnell fanden wir heraus, dass 2 Tage wohl nicht ausreichen würden – und so wurden 6 paradiesische Tage draus! J Den ersten Tag wanderten wir zu „Los Vulcanes“, eine Region mit uralten inaktiven Vulkanen, wo es tolle Natur gibt, schöne Aussicht und heiße Quellen. Wir gingen in einem Canyon schwimmen und freuten uns über Affengebrüll im Regenwald und viele fliegende grüne Papageien. Unser Guide erklärte uns viel über die Heilpflanzen der Region und über die Natur hier im Allgemeinen. Ein toller Tag! Doch der nächste war noch viel besser! Wir machten eine Wanderung in die Region „Bella Vista“ auf einen der höchsten Berge dort, den „Cerro Cathedral“ – gemeinsam mit Österreicher Olaf und seiner deutschen Freundin! Die Sonne schien, die Gesellschaft war nett und die Aussicht war atemberaubend schön: 360 Grad herrlichste Landschaft, so weit das Auge reicht, ohne eine Menschenseele!! J Über uns sahen wir immer wieder Condore und auch mal einen Adler, am Wegesrand entdeckten wir Kakteen und Orchideen und viele andere Pflanzen. Olafs Freundin ist Biologin, das war aufschlussreich und wir konnten viel lernen! Zum Abschluss des Tages gingen wir baden bei einem Fluss, der drei herrliche Wasserfälle bildete unter denen man sich „duschen“ konnte! Sooooo malerisch! J Nach diesem tollen Tag gingen wir noch gemeinsam mit Olaf und Sandra zum Essen in die „Vaca Loca“, die verrückte Kuh, ein Restaurant von einem deutschen Auswanderer. Hier sind Unmengen von Auswanderern, vor allem viele Deutsche und Holländer. Verständlich, wenn man den Himmel auf Erden findet!! J

Am Dienstag gingen wir zum Reiten. Wir wollten einen ganzen Tag ausreiten und hatten beim Refugio (Auffangstation für Tiere in Samaipata, ein echtes Paradies für Mensch und Tier!!) Pferde gemietet. Doch leider konnte unser Guide, Hector (ein argentinischer Volunteer), sich nicht sonderlich gut auf dem Pferd halten. Er war echt nicht sattelfest und hatte obendrein das unruhigste Pferd! Wir haben echt nicht so viel Glück mit unseren Reitguides. Liane und ich beschlossen nach 10 Minuten, dass es für Pferd und Reiter unverantwortlich wäre, wenn wir den ganzen Tag unterwegs sind, da das Pferd echt malträtiert wurde. Da wir ihn nicht vor den Kopf stoßen wollten, weil er sehr nett war, sagten wir ihm, dass wir uns unwohl und nicht sicher fühlen mit unseren Pferden! Eine glatte Lüge, aber es funktionierte! *grins* Er zeigte Verständnis und wir ritten zurück um dann eine kleinere Runde (nur 2-3 Stunden) zu reiten. Die erste Galoppstrecke war auch problemlos, bei der zweiten allerdings haute er seinem Pferd die Hacken in die Flanken, wie in einem Comic, wenn einer losreiten will. Das Pferd fing aus dem Stand zu galoppieren an und er flog in die Luft – wie im Comic!! *hahaha* Er hielt sich und preschte davon. Wir ritten kontrolliert hinterher. Hinter einer Kurve zeigte sich allerdings, dass er anscheinend vom Pferd gefallen war, da er einen aufgeschürften Arm hatte und sein Hut am Weg lag. Er war abgestiegen und tat so, als hätte er nur den Hut verloren und wir versicherten uns, dass es ihm gut geht und taten so, als würden wir ihm glauben, dass nix passiert sei. *grins* Im Refugio hüpften überall kleine Äffchen rum: Spider Monkeys, Brüllaffen und Kapuziner-Äffchen. Alle waren total zutraulich und rannten direkt auf uns zu und stellten sich hin wie kleine Kinder, die auf den Arm wollen. Wir fragten nach, ob sie lieb seien und dann spielten wir mit Hingabe mit den kleinen Tierchen. Soooo süß und soooo lieb! Nur ein kleiner frecher biss Liane und mich in den Finger, obwohl wir nix machten. Allerdings nur ganz leicht, so das es zwickte aber keine Verletzung entstand. Mistviech! ;-)

Nachmittags fuhren wir mit einer belgischen Familie mit zwei süßen kleinen Mädels (3 und 5 Jahre alt) zu „El Fuerte“, eine alte Inka-Stätte in den Bergen hinter Samaipata. Dort waren vor den Inkas auch schon andere Völker und danach die spanischen Eroberer. Ich war total begeistert und echt beeindruckt von der Inka-Kultur. Das war ein guter Einstieg in diesen Teil südamerikanischer Geschichte, ich freu mich auf mehr, was in Peru mit Sicherheit kommen wird! Hatten einen privaten Guide und haben echt viel gelernt! Voll gut!

Unseren letzten Tag im wunderschönen Samaipata verbrachten wir im Nebelwald mit einer geführten Wanderung, auf der wir einiges über den Dschungel, die riesigen Farne (die waren schon Dino-Futter, soooo alt sind die!!) und den „Amboro National Park“ erfahren durften. Es war eine tolle Dschungel-Wanderung, extrem beeindruckend!! Und auch einigermaßen anstrengend, denn wir mussten kreuz und quer über Bäume klettern, den Berg rauf und runter und wieder rauf und runter, sowie auf matschigen Pfaden an kleinen Bächen entlang. Doch es war einfach wunderschön und wir haben viele Schmetterlinge, andere Insekten und tolle andere Dinge gesehen und hatten eine Menge Spaß!! J In unserer Gruppe waren auch 4 nette Jungs aus Israel dabei. Rucksackreisende aus Israel sind hier keine Seltenheit, die treten meist in riesigen Gruppen auf. Nette sind dagegen eher ärmer gesäht, die meisten treten leider sehr respektlos gegenüber anderen Kulturen, Reisenden und der Natur auf. Außerdem bleiben sie gern unter sich, es gibt Tour-Operator, Hostels und Restaurants, die speziell auf Israelis ausgerichtet sind und wo alles auf Hebräisch steht und dort rotten die sich zusammen. Das macht es echt schwierig, sie als nette Mitreisende zu schätzen... Aber die 4 Jungs waren cool und sehr kritisch gegenüber der Politik ihres Landes und ihren Landsmännern gegenüber, und wir haben uns auch super über ihr Land, die Armee etc. unterhalten.

Nach diesen tollen Tagen haben wir dann beschlossen, Olafs Rat zu befolgen und über Trinidad nach Rurrenabaque zu fahren, denn die Strecke sollte sehr malerisch sein und auch weniger frequentiert von Touristen. Wir hatten Lust auf das „wahre Bolivien“ und machten uns auf die Reise. Diese sollte jedoch zum Höllentrip werden... aber lest selbst! Der Nachtbus von Santa Cruz nach Trinidad war super, sehr bequem und pünktlich, echt klasse! Doch in Trinidad schüttete es in Strömen und wir erfuhren, dass Busse die Strecke nach Rurre aktuell gar nicht fahren können. Also sind wir direkt in einen 4x4 Truck umgestiegen und damit losgefahren. Wir durften vorne in der Kabine sitzen, während hinten auf der Ladefläche (mit Dach!) auf Holzbalken noch so rund 10 Leute saßen. Die Straße war ein einziges Schlammloch, ein Bus (warum auch immer der da lang fuhr!!) blieb hängen und wir warteten 7 Stunden... unser Truck versenkte sich auch im Schlamm beim Versuch ein anderes Auto rauszuziehen, der Traktor, der dann kam konnte uns und das Auto easy rausziehen, blieb aber beim Versuch den Bus rauszuziehen selber stecken. Und das alles mitten in der Pampa, links und rechts nur Gras-Wasser-Land, dazwischen lagen Kaimane und viel anderes Getier und gegen Abend kamen TAUSENDE von Moskitos... ich hab fast keine Stiche bekommen, hatte mich rechtzeitig mit Anti-Mückenmittel eingesprüht und lange Sachen an. Aber Liane hat fast 100 Stiche kassiert, voll krass!!! :-( Irgendwann – leider erst in der Dämmerung, als die maximale Anzahl der Mücken aktiv war – kam unser Fahrer auf die Idee mit einem anderen Fahrzeug auf der anderen Seite des Busses Passagiere zu tauschen. Also mussten wir mit unseren Rucksäcken durch den Matsch auf der „Strasse“ entlang, teilweise bis Mitte-Wade im Wasser gehend... sind einge Male fast hingefallen, hatten aber nette Männer, die uns geholfen haben! Ohne die wäre ich echt verloren gewesen und mit mir alle meine Sachen! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wir aussahen!! Das andere Auto war ein Mini-Lastwagen, wo wir alle hinten auf Holz-Sitzbänken untergebracht wurden. Damit kurvten wir nochmal 3 Stunden durch die Nacht bis zu einem Dorf, wo wir in einer Notunterkunft übernachteten, damit wir am nächsten Tag die Fahrt fortführen können. Der Lastwagen brachte uns (und ca. 30 Bolivianer, die teilweise nicht mal Spanisch sprachen, sondern nur irgendeine Stammessprache, weil sie im Dschungel leben) sicher zu einem weiteren Dorf. Dort bekamen wir endlich was Vernünftiges zu essen und stiegen um in ein vernünftiges Auto mit Vierradantrieb, um die letzten 5 Stunden Fahrt bequemer zurück zu legen. So, und dann waren wir nach über 48 Stunden Reise von Samaipata nach Rurrenabaque endlich da, sind in ein nettes Hotel eingecheckt, haben was Gutes gegessen und sind Abends erst mal in ne Bar gegangen und haben einen Long Island getrunken. Mit dabei auf diesem Höllentrip waren noch zwei nette Schwedinnen (die waren auch bereits mit uns in der Mine in Potosí, haben sie voll zufällig in Trinidad getroffen und dann waren sie auch noch im gleichen Truck!!), die hatten nicht mal Essen und Wasser dabei, die haben Liane und ich von unseren Vorräten mitversorgt.

Wir brauchten erst mal zwei Tage um uns von diesem Abenteuer zu erholen... Inzwischen sind sowohl wir als auch unsere Sachen auch wieder einigermaßen sauber (hab 20 Minuten meine Wanderschuhe geputzt, mit denen ich leider knöcheltief im Matsch stecken geblieben war... so dass der Matsch oben reingelaufen ist! *grins*). Hier ists schweineheiß und sehr schwül, mussten uns erst mal akklimatisieren. Tja, und jetzt starten wir morgen eine dreitägige koordinierte, geführte Pampas-Tour, in der Hoffnung, dass es uns dann hier im Amazonas-Becken mit all dem Dschungel, den Tieren und dem Klima besser gefällt, als auf dieser Sch...-Fahrt hierher! J Aber ich bin zuversichtlich und freu mich drauf!!

Sucre und Santa Cruz – Relaxte Tage in den großen Städten Boliviens

Nach Potosí fuhren wir direkt weiter nach Sucre – die „Weiße Stadt“. Sie gilt als eine der schönsten Städte Boliviens und tatsächlich strahlten die Häuser in reinstem Weiß. Überall wurde auch immer wieder gestrichen – die Menschen legen Wert darauf, das Image ihrer Stadt zu pflegen! J Es ist eine geschäftige, lebhafte Stadt mit vielen Menschen, Geschäften, Autos, Bussen, etc.! Zusammen mit dem Besuch der Mine und der Stadt Potosí, welche auch recht trubelig ist (es war übrigens mal eine der reichsten Städte der Welt!!) waren das echt viele Eindrücke auf einen Schlag nach den beschaulichen Tagen in Tupiza.

Kim und Liane überraschten mich jedoch mit einem Blumenstrauß, Schokolade, Sekt und einer Karte: Glückwünsche zum Masterabschluss, denn ich hab ja seit ein paar Wochen meine endgültige Note!! Die beiden hatten eine ganze Weile gewartet und die Sachen gesammelt, und den richtigen Moment abgewartet, doch an diesem Tag (13.3.) verließ uns Kim, weshalb kein Party-Abend veranstaltet wurde, sondern es ein nettes Frühstück gab und wir im Innenhof unseres hübschen Hotels anstießen, das wir uns zur Feier des Tages gönnten. Ich freute mich riesig und war echt zu Tränen gerührt! Die beiden hatten mich wirklich überrascht und ich fand es einfach total süß!! *freu*

Dann stürzten wir uns ins Stadtleben und bummelten gemütlich über die Märkte. Nachmittags fuhren wir raus zu einer Ausgrabungsstätte, bei der über 5000 versteinerte Dinsaurierspuren gefunden wurden von verschiedenen Arten und verschiedenen Tieren! Die Dinos waren an einem See entlang gelaufen und hatten die Spuren hinterlassen, die dann durch tolle geologische Prozesse (die ich nicht wiederholen kann...) verewigt wurden. Selbst als Laie konnte man sehen, dass die Abdrücke unterschiedlich aussahen, nachvollziehen, wo eine Herde entlang gelaufen war, wo ein Fleischfresser einen anderen Dino gejagt hatte etc. Man konnte die Spuren über hunderte Meter verfolgen! Faszinierend!! J Ich fühlte mich in meine Kindheit zurück versetzt und begeisterte mich aufs Neue für die fantastische Welt der Dinosaurier!! J Das Museum war gut gemacht, sie hatten auch lebensgroße Modelle von Dinos aufgestellt, sowie einige Versteinerungen ausgestellt und ein Guide erklärte uns ein paar Sachen. Insgesamt sehr sehenswert, wenn man sich auf eine „Traum-Reise“ in die Welt der Dinos einlassen möchte und kann! J

Kim verließ uns danach und machte sich auf den Weg zurück nach La Paz, von wo aus sie nach Deutschland zurück flog – die Uni geht bald wieder los und ihre Semesterferien damit zu Ende. Liane und ich waren traurig, dass unser nettes Reisetrio damit beendet war! Doch wir lenkten uns kurzfristig ab mit Schokolade und ein bisschen Souvenir-Shopping... ;-) Und auch zu zweit hatten wir in den letzten Tagen viel Spaß!! Doch dazu mehr in den kommenden Blogs. Wir chillten 2 Tage in Sucre, schauten uns die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten an. Wir konnten uns leider nur nicht entscheiden, wo wir hinfahren sollten danach. In das hochgelobte Rurrenabaque, von wo aus man Dschungel-Touren in das Amazonas-Becken machen kann, oder nach Santa Cruz, wo es Nationalparks gibt und man Wanderungen in subtropischen Regenwäldern machen kann. Nach längerem Grübeln kamen wir zu keiner vernünftigen Entscheidung und warfen eine Münze! *grins* Die schickte uns nach Santa Cruz, was wir beide voll gut fanden! J Und diese Entscheidung war super, wie sich später herausstellte!!! :-)

So kamen wir also an Lianes Geburtstag (16. März) in Santa Cruz an und verbrachten einen sehr lustigen Tag in dieser riesigen Stadt. Es ist die größte Stadt und Business-Zentrum Boliviens, fühlt sich aber nicht so an. Es ist übersichtlich und angenehm von der Atmosphäre her. Und vor allem: es gibt an jeder Straßenecke Torten!!! J Die Bolivianer lieben Torten, nein keinen Kuchen, sondern riesige Torten mit viel Creme und Schokolade und Sahne, wunderschön verziert und riesige Stücke! *lol* Selbstverständlich genehmigten wir uns zur Feier des Tages solch eine Leckerei (natürlich mit Geburtstagskerzen und Singen) und waren echt überwältigt, so lecker war das!! J Danach gings weiter in den Zoo, wo wir endlich mal die Tiere Südamerikas sehen konnten. Hier ists ja leider nicht so wie in Afrika, dass man das wild-life so rumrennen sieht, außer Nandus, Lamas und Guanakos und gelegentlich einen Fuchs. Also schauten wir uns mal Ameisenbären, Brillenbären, Jaguare, Pumas, verschiedene Hirsch-artige, Affen, Schlangen, Papageien und Greifvögel aus der Nähe an. War echt spannend, auch wenn manche Käfige zu klein waren... Aber einige Tiere werden auch hier gehalten, weil sie beispielsweise Probleme gemacht haben, wie z.B. ein Jaguar, der etliche Rinder in der Nähe von menschlichen Behausungen gejagt hatte. Er wurde gefangen und etliche Zoos aus aller Welt haben Kaufangebote gemacht, für tausende von Dollars. Doch da man sich nicht einigen konnte, wer dieses Geld einstreicht, sitzt der Jaguar seitdem in Santa Cruz im Zoo. Sehr typische Aktion für Boliviens Politik und Korruption... Tierhaltung und die Behandlung von Tieren, sowie Wilderei ist hier auch so eine Geschichte. Mit ihnen wird oft ähnlich schäbig umgegangen wie mit der Natur und der Landschaft (Müllproblem!!), weshalb es viele „Refugios“ gibt, d.h. Auffangstationen für verwundete, misshandelte oder verwaiste Tiere. Das ist gut, und dort arbeiten auch oft ausländische Volunteers, die ein bisschen was machen wollen außer Rumreisen. J Nach dem Besuch im Zoo gingen wir lecker Abendessen und dann ins Kino („Black Gold“, auf Englisch mit spanischen Untertiteln!). Ein gelungener Geburtstag, wir wir fanden!

Am nächsten Tag fuhren wir nach Samaipata, ein kleiner, verträumter Ort 3 Stunden von Santa Cruz weg. Doch dies verdient einen eigenen Blog-Eintrag!! J

Potosí – ein Besuch in der Mine

Der letze Eintrag ist einige Zeit her, was mir leid tut, aber ich hatte auch länger kein vernünftiges Internet. Daher erzähl ich mal wieder der Reihe nach und mache einige verschiedene Blog-Einträge, um es thematisch abzugrenzen.

Wir fuhren also von Tupiza Richtung Norden nach Potosí, die höchste Großstadt der Welt! Gottseidank hatten wir keine Probleme mit der Höhe, keine von uns dreien hatte Kopfschmerzen oder andere Symptome, nur Liane war erkältet. Im Hostel trafen wir Rachel (die nette Schottin!), sowie Gesine und Joanna wieder, die mit uns die Tour in Tupiza gemacht hatten. So klein ist die Welt! J Wir beschlossen nach einigem kontroversen Hin- und Herüberlegen, eine geführte Tour in eine der (Silber-)minen von Potosí zu machen. Und dieser Ausflug verdient einen gesamten Blog-Eintrag für sich...

Der Berg hinter der Stadt ist inzwischen durchlöchert wie ein Schweizer Käse, es wurden schon über 500 verschiedene Minen dort hineingegraben. Die Mineralien im Berg werden seit Hunderten von Jahren abgebaut und die Spanier haben tonnenweise Silber nach Europa geschafft, welches von Sklaven für die „Eroberer“ abgebaut wurde. Inzwischen sind die Minen private Cooperationen, vor einigen Jahren noch waren sie verstaatlicht. Doch nun – zum ersten Mal in der Geschichte des Berges – arbeiten die Minen-Arbeiter in die eigene Tasche, in kleineren und größeren Gruppen, bis zu max. 500 Leute. Aktuell arbeiten rund 15 – 20 000 Menschen im Berg, darunter auch bis zu 800 Kinder, die sonst nicht in die Schule gehen könnten, weil ihre Familien es nicht finanzieren können. Es starben bisher schätzungsweise über 8 Millionen Menschen in diesem Berg, der den Beinamen trägt „Der Berg, der Menschen frisst“. Es gibt einen Film, der sehr gut das Leben im Berg darstellt, er heißt „The Miner’s Devil“. Sehr empfehlenswert, wenn man mehr darüber erfahren möchte...

Ihr seht, die Geschichte dieser Minen und der Stadt ist einfach nur gruselig und grausam, und ein Besuch der Mine hörte sich nicht besonders verlockend an in meinen Ohren. Doch wir waren der Meinung, dass dies eine sehr lehrreiche und augenöffnende Erfahrung sein würde. Also buchten wir über unser Hostel eine Tour mit gutem Ruf, geführt von einem englisch-sprachigen Guide, der selbst jahrelang in der Mine gearbeitet hatte und nun Touristen die Arbeitswelt seiner Freunde und Kollegen zeigt. Liane war leider krank und konnte nicht mit, also gingen Kim und ich gemeinsam mit drei Schweden, einem Österreicher und einem Deutschen. Wir wurden ausgestattet mit wasserfesten Klamotten, Gummistiefeln, Lampen und Helm. Auf dem Markt kauften wir noch Geschenke für die Minenarbeiter, darunter Saft, Coca-Blätter und Arbeits-Handschuhe. Wir bekamen eine Einführung vom Chef der Cooperation, der uns vieles über das System erklärte. Dann ging es in den Stollen... die Luft wurde immer schlechter, man sah Ablagerungen von giftigen Gasen an den Tunnelwänden, auf dem Boden stand das Wasser teilweise knöcheltief. Je weiter man in den Berg kam, desto knapper wurde der Sauerstoff und desto heißer wurde es. Teilweise mussten wir auf allen Vieren krabbeln, da die Gänge so eng sind. Uns wurde gezeigt, wie Dynamit platziert wird, worauf man achten muss und so weiter. Unser Guide erklärte uns viel und versicherte sich immer wieder, dass es uns allen noch gut ging.

Wir trafen unterwegs einige Arbeiter, Kumpels von unserem Guide, die uns alle total freundlich begrüßten, in ihrem Stollen willkommen hießen und sich freuten, dass wir sie in der Mine besuchten. Sie waren aufgeschlossen, quatschen mit uns über ihr Leben, ihre Arbeit und Familien und waren neugierig, was wir so machen. Die Touristen sind nicht nur eine zusätzliche Einnahemquelle sondern auch eine willkommene Abwechslung und eine Bereicherung ihrer Arbeit im Berg – das erklärten sie uns sehr offen. Wir saßen am Ende der Tour mit einigen Arbeitern in einem größeren Stollen, sie erzählten Geschichten aus dem Berg und über den „Teufel“ der Minenarbeiter („El Tio“) und wir mussten mit ihnen ihren Schnapps trinken – 96-prozentiges ekelhaftes Zeug, das sie zur besseren Verträglichkeit mit Saft mischten. *BÄH* Doch nur mit Alkohol, Unmengen von Coca-Blättern und Zigaretten ertragen sie Tag für Tag die harte Arbeit.

Ich war schockiert, traurig, wütend und hilflos, als ich sah, unter welchen extremen und sau-gefährlichen Bedingungen diese armen Männer in diesem widerlichen Berg arbeiten müssen, damit der Rest der Welt hübschen Silberschmuck tragen kann und aus anderen Mineralien irgendwelche Kabel, Microchips und sonstiger Kram hergestellt werden kann. Es war echt nicht schön zu sehen, dass unser „Luxus“ auf Kosten dieser Menschen geht. Sie werden maximal 50 Jahre alt, die meisten sterben früher an Staublunge oder Vergiftungen durch Gase oder Fehlzündungen von Dynamit etc.. Auch wir hörten einige Explosionen, unter uns zitterte der Boden... ich könnte noch eine ganze Menge mehr schreiben, doch ich bin mir sicher, dass das Bisherige reicht um zu zeigen, dass das mit Sicherheit keine schöne Tour war. Doch meiner Meinung nach ist es wichtig, bei einer Reise nicht nur die schönen Orte eines Landes zu besuchen, sondern auch die anderen Seiten zu betrachten und nicht die Augen davor zu veschließen! Ich hab viel gelernt an dem Tag in der Mine, bin an meine eigenen körperlichen Grenzen gestoßen und denke noch immer viel darüber nach...

Donnerstag, 15. März 2012

Fotos von dem 4x4 Trip nach Uyuni

Optische Täuschungen in der Salzwüste













Die Salar de Uyuni













Friedhof der Züge bei Uyuni: Liane beim Schaukeln













Im Tal der Felsen: der "Condor"














Die Laguna Colorada mit Flamingos und schneebedeckten Bergen im Hintergrund












Der "Steinerne Baum" - und wir!


















Die Laguna Verde - tataaaaa!! :-)














.... mehr Fotos folgen! :-)

Montag, 12. März 2012

Ruhe, Erholung und Schrecken in Tupiza

In Uyuni angekommen beschloss ich nach einigen Überlegungen, nicht noch am selben Abend mit Kim und Liane nach La Paz zu fahren, wo Liane ihre Klausur schreiben musste und Kim gerne noch zum Titicaca See fahren wollte. Ich würde auf meiner weiteren Reise ohnehin noch dorthin kommen und wollte wirklich ein paar Tage Ruhe haben. So trennten sich unsere Wege für einige Tage, und ich fuhr mit Rachel, einer sehr netten, bodenständigen und lustigen Schottin nach Tupiza, ein kleiner Ort im Süden von Bolivien.

Die Fahrt dorthin war bereits ein Abenteuer für sich. In Bolivien ist aktuell Regenzeit, was uns gelegentliche Schauer beschert. Leider waren diese anscheinend in den letzten Tagen etwas stärker, denn nach einer guten Stunde Fahrt über Matschwege (Straße oder Feldweg kann man das nicht mehr nennen...) kamen wir an einen Fluss, der wohl normalerweise etwas kleiner ist, da keine Brücke da war. Es standen bereits einige Busse und Lastwägen dort und keiner konnte rüberfahren... Männer schaufelten am Ufer, um den Weg wieder zu stabilisieren. Ein Bus (nicht unserer!!) versuchte es an einer anderen Stelle, die seichter erschien. Leider war dort der Boden deutlich matschiger und der Bus blieb stecken. Er kam in eine fiese Schieflage und das Gepäckfach lief voll Wasser. Die Leute mussten aussteigen und durchs Wasser ans Ufer gehen. Rachel und ich stiegen aus um frische Luft zu schnappen und uns das Spektakel anzuschauen, so wie viele anderePasagiere aus unserem Bus. Leider verpassten wir den Moment, in dem unser Busfahrer beschloss auch den Fluss zu überqueren – allerdings auf dem Weg, der zwar weit unter Wasser stand, aber zumindest eine feste Grundlage bot. Ohne vorher zu hupen oder die Pasagiere wieder reinzuholen raste er über den Fluss und fuhr auf der anderen Seite weiter. Wir hüpften und riefen, er solle anhalten, wir gehören auch in den Bus. Wir müssen extrem witzig ausgesehen haben! J Gottseidank waren wir nicht die einzigen, die noch am falschen Ufer standen... also zogen wir alle unsere Schuhe aus, krempelten die Hosenbeine hoch und stapften durchs Wasser ans andere Ufer!! Das Wasser ging mir bis zum Oberschenkel, die Strömung war einigermaßen stark und wir hatten auch unsere Wertsachen am Körper, mussten also aufpassen... doch alles ging gut, wir kamen gut bei unserem Bus an, sorgten für einen guten Lacher bei den Bolivianern im Bus (wir waren die einzigen Touristen auf der Strecke) und bekamen eine Decke, damit wir frieren mussten. Nochmal Glück gehabt und mit dem Schrecken davon gekommen!

Die restliche Fahrt verlief weiterhin spektakulär, wir hatten noch eine Panne auf einer Pass-Straße mit steilen Abhängen, doch die konnte unser Busfahrer reparieren. Und wir mussten noch ein paar Flüsse und Bäche mehr überqueren, in denen andere Busse und Autos feststeckten. Doch unser Bus bewältigte jedes Hindernis und brachte uns nahezu pünktlich nach Tupiza!!! Das war echt die krasseste Busfahrt meiner bisherigen Reise durch Südamerika! Sehr dankbar stiegen wir aus und checkten ins „Hotel Mitru“ ein, das beste Hotel im Ort. Es kostete uns ca. 6 Euro pro Nacht, inkl. Frühstück und Internet und Pool! Juhu, Bolivien ist wirklich günstiger als Argentinien und Chile!! J Und hier fand ich in den vergangenen 6 Tagen die Ruhe und Entspannung, die ich brauchte! Ausschlafen, leckeres Frühstück, Lesen, Tagebuch schreiben, Fotos sortieren, Email-Kontakt mit Familie und Freunden, Spaziergänge durch den Ort – das stand auf dem Tagesprogramm. Mit Rachel führte ich viele gute Gespräche, wir quatschten über Gott und die Welt, tauschten uns über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus, und hatten eine Menge Spaß!

Unser zweites großes Abenteuer passierte, als wir eines Morgens beschlossen, auf einen nahegelegenen Berg, sozusagen den Hausberg von Tupiza („Cerro de la Cruz“) zu klettern. Die Wanderung war uns im Hotel empfohlen worden und wir machten uns bei strahlend blauem Himmel guten Mutes auf den Weg. Wir wanderten durch wunderschöne Landschaft, es sieht hier aus wie im Wilden Westen: rote Felsen, schroffe Klippen, überall Kakteen und einsame Häuser. Über uns sahen wir immer wieder Condore kreisen, riesige Vögel!!! Wir trafen Ziegen, Lamas, fußballspielende Kinder – echt eine Idylle! J Der Weg auf den Berg war auch ein Kreuzgang, das ist hier öfters so. Es ging gut steil rauf, doch der Weg war gut ausgebaut. Wir kletterten von 2900m auf rund 3100m, also gar nicht so wild. Oben angekommen machten wir ein paar schöne Bilder, dann sahen wir das rasend schnell herannahende Gewitter!! Zuvor war kein Anzeichen zu sehen gewesen und jetzt hörten wir schon den Donner grollen. Schnell machten wir uns an den Abstieg. Wir waren fast unten, als der Himmel seine Schleusen öffnete. Wir fanden einen Felsvorsprung, unter dem wir Zuflucht suchten. Es regnete so stark, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe!! Dazu kamen riesige Hagelkörner und Donner so laut, dass man nichts anderes mehr hörte! Vor uns stürzte ein Wasserfall über den Felsvorsprung in die Tiefe und der Weg verwandelte sich in einen Bach. Rund eine halbe Stunde standen wir da zusammengekauert, wurden allerdings nur nass vom Spritzwasser (das reichte um uns komplett zu durchnässen) und warteten ab. Irgendwann war das Gewitter vorbei und es strahlte wieder die Sonne. Wir gingen vorsichtig den restlichen Berg runter, wo uns Menschen ungläubig anschauten. Zurück im Hotel gabs erst mal eine heiße Dusche und nen Mittagsschlaf – das war etwas zu aufregend gewesen!! J Wieder mal Glück gehabt und mit dem Schrecken davongekommen!

Vor 3 Tagen kamen dann Kim und Liane wieder aus La Paz, wir holten sie vom Busterminal ab und freuten uns über die Wiedervereinigung unserer Reisetruppe! Gemeinsam mit Rachel, Kim, Liane und 2 weiteren Mädels unternahmen wir einen „Triatlon“: mit Jeep, Pferden und Rädern durch diese herrliche Landschaft hier! Die Gesteinsformationen waren echt beeindruckend und die Täler und Klippen mit den Kakteen einfach wunderschön! Man fühlte sich wirklich wie Butch Cassidy und Sundance Kid, die hier ihr Unwesen getrieben haben, bis sie nach einem Zugüberfall erschossen wurden. Der guide beim Reiten war zwar eine einzige Katastrophe, aber wir hatten ja Liane und Kim als erfahrene Reiter dabei, die souverän die Führung übernahmen und den anderen erklärten, wie man vernünftig auf dem Pferd sitzt. Sehr gut!! J Die Radtour war genial, die Räder super, bekamen auch Helme und Fahrradhandschuhe. Wir wurden mitm Jeep auf 3995m gebracht und hatten dann eine Downhill Strecke mit der tollsten Aussicht!! Die Sonne ging langsam unter und wir rollten fröhlich den Berg hinunter! Alles in allem war das ein genialer Tag mit vielen tollen Erlebnissen!!

Wir gönnten uns noch einen gemütlichen Tag am Pool, ärgerten uns ein wenig über den einzigen ATM im Ort, der seit Tagen keine einzige unserer Karten akzeptierte und tauschten ein paar unserer „Notfall-Euros“ um, damit wir unser Hotel bezahlen konnten. Und heute gehts weiter nach Potosi, die höchste Stadt der Welt auf knapp 4100m!! Mal sehen was uns dort Spannendes erwartet! Fotos folgen bald, wenn ich wieder besseres Internet habe!

Mittwoch, 7. März 2012

Die Hochebenen von Bolivien und die Salar de Uyuni

Wir wurden am 1. März morgens mit dem Minibus abgeholt und zur Grenze gebracht. So verließen wir also Chile endgültig und bekamen unseren letzten chilenischen Stempel in den Pass! Weiter gings zur bolivianischen Grenze, die nicht weit weg ist. San Pedro de Atacama liegt wirklich in einem Dreiländer-Eck: Chile, Argentinien und Bolivien! Alles war easy an der Grenze,wo wir umstiegen in die 4x4‘s. Wir frühstückten alle gemeinsam und lernten die ersten Leute kennen, die mit uns die dreitägige Tour machen würden. Insgesamt waren wir 18 Leute, die auf 3 große Jeeps verteilt wurden; das Gepäck kam aufs Dach. Mit von der Partie waren: wir 3 Mädels, 3 Schweizer (die waren mit uns im Auto), ein sehr nettes französisches Pärchen, eine witzige Schottin, 2 Dänen, 2 Australierinnen, 4 coole Chilenen (alle Psychologen in Ausbildung zum Psycho-Therapeuten!!) und ein Halb-Amerikaner-Halb-Schweitzer. J Eine witzige Truppe, wir verstanden uns alle super und hatten eine Menge Spaß zusammen!! Unser Fahrer, Luis, sprach nur Spanisch, während die anderen beiden Fahrer auch Englisch konnten. Schade... doch er konnte uns trotzdem viel erklären über die Gegend und ich gab mein Bestes dem Rest des Autos seine Erklärungen zu übersetzen. Aber so Manches verstand ich auch nicht... egal, denn schön wars trotzdem! J

Tag 1: Die erste Etappe führte uns zunächst zur Laguna Blanca (ein weißer See) und der Laguna Verde, einem tiefgrünen See auf 4900m! Hier gab es auch viele pinke Flamingos, die einen genialen Farbkontrast zum Rest der Umgebung bildeten! Wunderschön! Leider war es schweinekalt und es regnete! Bei den heißen Quellen war es uns echt zu kalt, weshalb wir nur die Füße reinstreckten. Auf der weiteren Fahrt über die Hochebene fing es sogar zu schneien an – das war echt bizarr, als wir im Schneegestöber bei den dampfenden Schlamm-Geysieren auf 5000m ankamen!! Es stank erbärmlich und war bitterkalt – wir hielten uns also nicht lange hier auf! *grins* Uns dreien ging es dank Coca-Blättern und viel Trinken sehr gut, wir hatten keinerlei Probleme mit der Höhe. Die Schweizerin jedoch hatte schreckliche Kopfschmerzen sowie Gleichgewichtsprobleme, und musste sich um Laufe des Nachmittags zweimal übergeben. Schon heftig! Ich war sehr froh und dankbar, dass uns das erspart blieb, denn die Höhenkrankheit kann echt unangenehm und auch gefährlich sein!

Ein Highlight des ersten Tages war noch die Laguna Colorada, ein großer rosa-farbiger See, wo es wiederum viele Flamingos gab. Die Natur hier ist so wunderschön, unberührt und wild! Da ärgerte es mich umso mehr, dass manche Menschen einfach kein Gespür dafür haben, wie man sich wilden Tieren, wie beispielsweise Flamingos oder Lamas, nähert... Vor lauter Begeisterung schnell darauf zulaufen und am besten noch Freudensschreie ausstoßen ist eher weniger empfehlenswert!! Doch für manche Menschen scheint es schwer begreiflich zu sein, dass dieses Verhalten die Tiere stresst und in ihrem natürlichen Leben beeinträchtigt. Ich bin in dieser Hinsicht wirklich empfindlich, denn ich mag es einfach nicht, wenn Leute respektlos mit der Natur umgehen; dementsprechend konnte ich es mir mal wieder nicht verkneifen, meinen Mund aufzumachen und entsprechende Personen darauf hinzuweisen! War aber gut, denn das Verhalten entsprang tatsächlich der Unwissenheit... ???

Das Essen auf der Tour war eher weniger gut, sowohl in Qualität als auch in Menge... schade, denn der Veranstalter „Cordillera“ war vor allem wegen des etwas besseren Essens und der guten Guides bekannt, weshalb wir auch hier buchten, trotz des etwas höheren Preises im Vergleich zu anderen Anbietern. Doch wir verhungerten nicht. ;-) Die erste Nacht verbrachten wir auf über 4200m – mit tiefem Schlaf kann man auf dieser Höhe nicht rechnen, aber wir waren so müde vom Tag zuvor, dass wir trotzdem gut schlafen konnten! J

Tag 2: Wir mussten früh raus, das Wetter war besser und die Landschaft war weiterhin traumhaft: schneebedeckte Gipfel, weite Ebenen, bizzare Felsen. Diese Gesteinsformationen waren vulkanischen Ursprungs und nur durch den Wind abgeschliffen worden. Unglaublich! Wir kletterten auf den Felsen herum, machten tolle Bilder und hatten viel Spaß! Die „Dalí-Wüste“ und das Tal der Felsen, sowie 4 traumhaft schöne Seen, die alle aus unterirdischen vulkanischen Quellen gespeist werden, waren weitere Tageshighlights! Wir sahen sogar einen der seltenen Wüstenhasen! Es waren so viele Eindrücke, ich konnte schon gar nicht mehr alles in mich aufnehmen und verarbeiten, vor allem da wir in den Tagen zuvor auch so viele tolle Dinge gesehen und unternommen hatten. Bei mir stellte sich so langsam eine Übersättigung von Eindrücken ein, so dass ich alles gar nicht mehr so richtig speichern und ausgiebig bestaunen konnte! Der Gedanke entstand, dass ich dringend eine Pause von der Highlight-Jagd der letzten Wochen brauche – doch dazu mehr im nächsten Blog! Der Abend war nett, trotz des grausamen Essens (so ekelhaftes Fleisch hab ich bisher nur in Tansania gegessen...). J Wir tanzten, tranken das chilenische Nationalgetränk „Pisco“ mit Cola und ich genoss die internationale Gesellschaft!

Tag 3: Nachts hatte es ein starkes Gewitter gegeben, weshalb die Straße nach Uyuni völlig schlammig und rutschig war wie Schmierseife! Unser Fahrer fuhr extrem vorsichtig – sehr umsichtig von ihm, wir waren dafür echt dankbar, denn ein Unfall hier in der Gegend wäre die Hölle! Doch mit der Zeit, als die Straße trocknete, war es nicht mehr Vorsicht sondern pure Trödelei. Wir hatten die beiden anderen Jeeps verloren, die vorgefahren waren und nicht auf uns warteten. Wir besuchten zunächst noch den „Friedhof der Züge“, wo alte Züge rumstehen und verrosten und man lustig herumklettern kann. Sie haben dort auch Schaukeln und Wippen und Kunst aufgebaut – ein cooler Ort! J Auf Nachfrage tischte uns Luis jedoch immer wieder andere Geschichten auf, wann und wo wir die anderen aus unserer Gruppe wieder treffen würden. Doch alles waren erfundene Ausreden, wie wir später am Tag erfuhren, und wir trafen die Gruppe erst am Ende der Tour beim Office in Uyuni wieder, wo wir Nachmittags ankamen. Das war ärgerlich, denn so fehlte unser komplettes Auto beim Gruppenfoto! L

Doch was es an diesem Tag zu sehen gab, überstieg meine bisherige Vorstellungskraft: die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Welt mit über 10 000 Quadratkilometern!! Und das Erstaunlichste daran: aufgrund der vielen Regenfälle der letzten Wochen ist die Wüste nahezu komplett überschwemmt! In der endlos weiten glatten Wasseroberfläche spiegelte sich perfekt der blaue Himmel mit den weißen Wölkchen, so dass man keinerlei Gefühl mehr dafür hatte, wo der Horizont ist! Wir fuhren mit dem Jeep durch das nur maximal knietiefe Wasser, bis wir eine etwas höher gelegene Stelle erreichten. Dort aßen wir zu Mittag und konnten ein paar der berühmten Perspektiven-Fotos in der Salzwüste machen, wo es so aussieht, als stünde ein Mensch beim anderen auf der Hand und Ähnliches. Durch das viele Wasser rundherum war das zwar schwierig und wir sauten unsere Klamotten ziemlich ein, aber dafür war es lustig! J Diese Salzwüste ist so riesig und so faszinierend und so anders als alles was ich bisher gesehen habe, dass sie wirklich jede Dimension sprengt!! Unglaublich!! J

Doch leider wird auch dieses Wunder der Natur vom Menschen an vielen Stellen zerstört, da hier sowohl Salz abgebaut, als auch Litium gewonnen wird, das man unter anderem für Akkus braucht. Ich erschrecke auf dieser Reise wirklich immer wieder über den Raubbau, den der Mensch mit der Natur betreibt. Starker Tourismus zerstört zwar auch an manchen Stellen die Natur, doch das ist nichts verglichen mit dem Raubbau und der Zerstörung durch Minen, dem Abbau von Mineralien, der Abholzung von Wäldern und Ähnliches, was hier in Südamerika sehr präsent ist. Insgesamt ist der Einfluss des Tourismus hier als positiv zu bewerten, da die Natur bewahrt und geschützt wird, weil sie selbst die Attraktion ist und dadurch immer mehr Nationalparks entstehen. Doch die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger Menschen, die speziell Land und Leute in Bolvien ausbeuten, sind aktuell noch stärker als die Interessen des Naturschutzes, was unter anderem zur Armut der Bevölkerung beträgt. Ein Beispiel hierfür ist eine Mine, an der wir vorbei fuhren, wo im Tagebau viele verschiedene Mineralien, z.B. Bauxit, abgebaut werden. Die einfachen Arbeiter kommen aus den umliegenden Dörfern, die Techniker und Spezialisten hingegen hauptsächlich aus Chile, USA und Japan, während die Firma einem reichen Chinesen gehört, der alles exportiert! Um die Mine auszuweiten wurde vor einigen Jahren ein gesamtes Dorf (San Christobal) versetzt und einige tausend Menschen umgesiedelt... man kann sich vorstellen, wie die Gegend dort aussieht, oder? Diese Gegensätze von einzigartiger, wunderschöner Natur einerseits, und Vermüllung und Zerstörung derselben durch den Menschen andererseits, erschrecken mich. Ich muss Einiges erst mal verarbeiten, wofür ich ein paar Tage Ruhe brauche. Doch darüber mehr im nächsten Blog! J

San Pedro de Atacama – Abenteuer in der Wüste

San Pedro de Atacama liegt bereits auf stolzen 2440m. Also gingen wir es am ersten Tag ruhig an, damit wir uns ein bisschen an die Höhe gewöhnen konnten, bevor wir noch höher in die Hochebenen von Bolivien vordringen würden. Wir bummelten ein wenig durch das kleine Örtchen, das mitten in der trockensten Wüste der Welt liegt. Es ist sehr touristisch dort, da man einfach unglaublich viel unternehmen und sehen kann, und wieder mal einer der Orte, wo man viele Deutsche trifft. Echt witzig, wie sich das immer ballt und man an verschiedenen Orten verschiedene Nationalitäten vermehrt antrifft. :-) Wir fanden bald heraus, dass es zu viele Aktivitäten hier gibt, die wir spannend finden und gerne machen würden. Die Touren waren kein Schnäppchen, aber bezahlbar. Also sammelten wir erst mal viele Informationen und hielten dann „Kriegsrat“ um einen „Schlachtplan“ für die nächsten Tage zu entwerfen! :-) Innerhalb kürzester Zeit waren wir uns sehr einig, wo unsere Prioritäten liegen und in welcher Reihenfolge wir was tun würden. Prima!!

Noch am selben Nachmittag (Dienstag, 28.2.2012) gingen wir auf eine 4stündige Reittour ins „Valle de la Muerte“ (= Tal des Todes). Unser Tour-Guide war ein nettes Mädel aus Deutschland aus der Nähe von Göttingen, die gerade ein „Work and Travel“-Jahr in Chile macht. So klein ist die Welt! :-) Die Pferde waren super, keine Schulpferde, die einfach hinterher trotten, sondern richtig vernünftige Pferde. Als wir bei großen Sanddünen ankamen, verfielen wir in einen herrlichen Galopp, es war einfach traumhaft! So stellt man sich den perfekten Ausritt vor: Sanddünen, drum herum rote Felsformationen, schneebedeckte Berge im Hintergrund, strahlender Sonnenschein und nette Gesellschaft! :-) Bei den Sanddünen machten wir einen Stopp, da wir hier eine Stunde Sandboarden mit eingeplant hatten. Der Chef der Company brachte ein paar alte Snowboards und eine Menge Wachs, da man vor jeder Abfahrt die Düne runter das Board wieder neu wachsen muss. Es war unendlich anstrengend mehrfach die Düne raufzulaufen und auch die Abfahrten waren kein Zuckerschlecken! *lol* Vor allem ich als überzeugter Skifahrer war völlig unfähig auf dem Snowboard... *hehe* Ich kugelte bei jedem Versuch eine Kurve zu fahren ein Stück die Düne hinunter, bevor ich wieder auf die Füße kam. Kim und Liane stellten sich deutlich besser an, aber auch sie verbrachten viel Zeit im Sand! Man fragt sich, wie der Sandboard-Guide trotzdem so coole Fotos von uns allen hingekriegt hat! :-) Der Ritt zurück zur Ranch war wiederum ein Traum und wir waren alle drei absolut glücklich und zufrieden, sowie fix und fertig und sandig, als wir wieder im Hostel ankamen. Den Abend verbrachten wir damit, weitere Touren für die kommenden Tage zu buchen und gingen früh ins Bett! :-)

Am Mittwoch war der Vormittag erst mal ganz entspannt, wir skypten alle mit Zuhause, schrieben ein paar Emails etc. Nachmittags ging unsere Sightseeing-Tour los, erst mal zur „Laguna Cejar“, einem Salzsee der angeblich salziger ist als das Tote Meer. Dort darf man auch schwimmen gehen, was wir mit Begeisterung taten! In dem See kann man gar nicht richtig schwimmen, weil man so viel Auftrieb hat!! :-) Man floatet fröhlich umher, muss sich null anstrengen und treibt einfach von selber an der Oberfläche! Ein witziges Gefühl!! :-) Dazu hat man eine atemberaubende Aussicht: schneebedeckte Vulkane (alle inaktiv, außer einem) am gesamten Horizont, die sich im See spiegeln und um den See herum die Wüste! Absolut surreal und faszinierend!! Ich war mal wieder völlig begeistert! :-) Nur unser Tour-Guide war völlig daneben! Ein schmieriger, angefetteter Typ, der extra seinen Laden zugesperrt hatte um mit der Gruppe von 3 deutschen, 2 österreichischen und 4 holländischen Mädels an den See zum Schwimmen zu fahren! Er selbst sprang mit Begeisterung in weißen, halb durchsichtigen Speedo-Unterhosen ins Wasser, als wir alle drin waren und wollte mit uns plantschen. Widerwärtig! Ekelhaft! Ich konnte gar nicht glauben, wie unprofessionell man sich als Guide tatsächlich verhalten kann!!! Wir versuchten ihn weitestgehend zu ignorieren!! Nach dem Schwimmen ging es weiter wieder ins „Valle de la Muerte“, diesmal jedoch zu einem anderen Aussichtspunkt, wo man das ganze Tal überblicken konnte! Voll toll! Doch der Guide hatte sich – wohl aus großem Eigeninteresse – zeitlich zu lange mit uns beim See aufgehalten, weshalb wir megaspät dran waren für den Sonnenuntergang im „Valle de la Luna“ (= Mondtal). Wir hetzten dorthin und kamen gerade noch rechtzeitig für ein paar hübsche Fotos. Es war wirklich wunderschön dort und die Atmosphäre der untergehenden Sonne, die das Tal und die Vulkane in rosanes Licht tauchte, war absolut einzigartig. :-) Leider warf der Volltrottel von Tour-Guide meine Kamera in den Sand, als er ein Fotos machen sollte – ich hatte ihn noch gebeten die Schlaufe ums Handgelenk zu machen, was er nicht tat!! Ich flippte dezent aus, ihr könnt euch nicht vorstellen, wie stinksauer ich auf den Kerl war... Gottseidank war nix kaputt, man konnte den feinen Sand wegblasen und es waren keine sichtbaren Kratzer auf der Linse zu sehen. Da hatte er echt nochmal Glück gehabt, ich hätte ihm den Kragen umgedreht!!!

Wir wurden wieder zurück in die Stadt gebracht, aßen zu Abend und relaxten ein bisschen, denn um 23 Uhr begann unsere nächste Tour des Tages. Wir hatten einen Trip zu einem Observatorium gebucht, wo man mit starken Teleskopen die Sterne anschauen kann. Die Atacama Wüste gilt als einer der besten Plätze der Welt zum Sterne gucken, da der Himmel unendlich klar ist und man fast nie Wolken hat. Durch die hohe Lage sind weniger Sedimente in der Luft und man hat wirklich einen wunderbaren Blick auf die Himmelskörper. Deshalb wird hier aktuell auch das zweitgrößte Teleskop der Welt aufgebaut (das größte steht in der Schweiz) mit internationalen Mitteln und Forschern aus der ganzen Welt! Echt cool!! :-) Ein sehr netter Canadier erzählte uns viel über den Himmel, die Planeten, Sonne, Mond und Sterne sowie darüber, wie sich das Wissen der Menschheit über den Himmel über die Jahrhunderte und Jahrtausende verändert hatte, mit bedeutenden Persönlichkeiten wie beispielsweise Galileo! Er zeigte uns mit seinem megastarken Laser-Pointer verschiedene Sternbilder, die Tierkreiszeichen (der Zwilling war ganz toll zu sehen! :-)), machte deutlich wie wenig er von Astrologie und Horoskopen hielt *grins*, und versuchte zu erklären, wie viel ein Lichtjahr ist und wie weit das alles da draußen weg ist. Durch die Teleskope konnten wir soooo tolle Dinge sehen: Saturn (incl. dreier Monde, des Ringes und des Schattens vom Ring auf dem Planeten selbst!), Sirius (den hellsten Stern am Himmel), Alpha Zentauri (der uns nächstgelegenste Stern), die „Jewel Box“ (verschiedenfarbige Sterne auf einem Haufen), die „Tarantel“ (eine andere Galaxie, die man am Himmel total gut erkennen kann) und vieles mehr! Durch ein Teleskop konnten wir auch ein tolles Foto vom Mond schießen!! :-) Nach all dem Schauen und Erklären und Staunen bekamen wir noch eine heiße Schokolade und konnten Fragen stellen. Meine Begeisterung kannte keine Grenzen und ich sehe den Himmel und die Sterne jetzt mit anderen Augen!! Das war wohl eine der tollsten und interessantesten Touren, die ich in meinem Leben gemacht habe und das auch noch am 29.Februar!!! :-)

Um halb 3 waren wir im Bett, standen aber um 7 Uhr bereits wieder auf, denn unsere Tour nach Bolivien begann! Doch dazu mehr im nächsten Blog!

Donnerstag, 1. März 2012

Santiago de Chile, Mendoza und ganz schön lange Busfahrten

Die letzten Tagen waren stark geprägt von langen Busfahrten und einigen damit verbundenen Widrigkeiten... ich hab jetzt erst mal die Nase voll von ewig weiten Strecken, Pannen, ausgefallenen Klimaanlagen und so weiter... aber der Reihe nach: Der Nachtbus von Pucón nach Santiago war noch angenehm und pünktlich. Wir kamen morgens um 7 in Chile’s Hauptstadt an und buchten direkt den nächsten Bus, der uns über die Anden nach Mendoza bringen sollte. Da wir alle keine Fans von großen Städten sind und hier einfach die Natur deutlich mehr zu bieten hat, widmeten wir Santiago nur einen Tag.Wir fanden ein sehr nettes Hostel im Stadtteil Bellavista, einem bunten, lebhaften Viertel mit vielen Kneipen und jungen Leuten. Dort durften wir sogar noch kostenlos frühstücken, weil wir so früh dran waren, total nett! Die Chilenen sind einfach ein nettes Volk, das fiel uns immer wieder auf während unserer Tour. Und sie sind auch etwas aufgeschlossener und freundlicher im Vergleich zu den Argentiniern, zumindest nach meinen Erfahrungen. Wir verbrachten einen ganz entspannten Vormittag und ich freute mich riesig, mal wieder mit meinen Eltern skypen zu können!! Hatte lange nicht mit zuhause gesprochen und es tat gut, wieder mal Kontakt mit der Heimat zu haben! J Mittags zogen wir dann los in die Stadt. Wir besuchten einen schönen Park mit toller Aussicht über Santiago und bummelten über einen Handwerker-Markt mit hübschen Souvenirs.

Um 15 Uhr begann eine kostenlose „Walking Tour“ durch Santiago mit Felipe, einem richtig witzigen und nettem jungen Tourguide. 4 Stunden schaffte er es, unsere volle Aufmerksamkeit zu halten und ich konnte viel über die spannende Geschichte Chiles, die dunkle politische Vergangenheit sowie die Zeit vor der Kolonialisierung lernen. Felipe äußerte sich auch kritisch über die aktuelle politische Situation und war sehr aufgeschlossen gegenüber kontroversen Diskussionen. Lustigerweise waren ein cooles österreichisches und ein deutsch-französisches Paar, die wir schon auf der Navimag Fähre kennengelernt hatten, auch bei der Tour dabei. Wir freuten uns über dieses zufällige Wiedersehen und beschlossen direkt nach der Tour auf ein kühles Bierchen zu gehen. Felipe kannte das Kneipenviertel gut und führte uns zielstrebig in eine Kneipe, die gutes chilenisches Bier und super Pizza hatten! Aus dem einen kühlen Bierchen wurden mehrere *grins* und Kim und ich waren nachts um 1 dann auch mal im Bett, Liane war schon früher heim gegangen. Alles in allem: ein gelungener und schöner Tag!

Am Donnerstag (23.2.) ging es für uns bereits morgens um 10 Uhr weiter nach Mendoza. Die Landschaft bei der Überquerung der Anden war toll, schroffe Felsen, bizarre Berge und tolle Farben. Doch im Bus war die Luft absolut stickig, denn nach kurzer Zeit fiel bereits die Klimaanlage aus. Draußen war es schweineheiß und die Passstraßen über die Anden taten ihr Übriges, um zum Unwohlsein beizutragen. Das allein war schon nervig, aber noch dazu kroch der Bus im Schneckentempo über die Straße, anscheinend um den Motor nicht zu überhitzen. Zwischendurch blieben wir immer wieder völlig unangekündigt am Straßenrand stehen, keiner sagte uns was los sei, und nach einer halben Stunde oder so fuhren wir weiter. Wir ärgerten uns, denn mit der Busgesellschaft waren wir schon viel gefahren und hatten bisher gute Erfahrungen gemacht. An der Grenze platzte uns dann endgültig der Kragen... 4 ½ Stunden ließ man uns warten, bis wir endlich unsere Pässe zeigen durften, 4 Busse wurden vor unserem abgefertig – warum auch immer?? Naja, genug geärgert, wir kamen mit ziemlicher Verspätung erst Abends um halb 9 in Mendoza an und hatten mal wieder Glück, da wir am Busterminal einen jungen Mann trafen, der sein Hostel „Ruca Potu“ anpries und wir damit einen richtig guten Deal machten. Es hatte sogar einen Pool und wir bekamen ein Dreierzimmer zum Preis vom einem Dorm-Bett. Und der Inhaber des Hostels, der Vater des jungen Mannes vom Terminal , zeigte uns stolz seinen BMW, schwärmte von der Qualität bayrischer / deutscher Autos und hinter der Rezeption hing eine große bayrische Flagge! Juhu!! J

In Mendoza machten wir eine Fahrradtour von Weingut zu Weingut. Die Landschaft war hübsch, überall Weinberge, Olivenhaine und Obstfelder; doch nicht vergleichbar mit beispielsweise Südtirol oder den Weinbergen in Franken. Überall lag Müll rum, es war sehr heiß und ziemlich staubig. Arg viel Wein probierten wir daher nicht, das vertrug sich leider nicht so gut mit der Hitze und dem Radfahren. Highlight war aber auf jeden Fall eine Olivenöl – Schokoladen – Marmeladen – Schnaps – Verköstigung, die wir machten!! J Wir besuchten auch ein Museum, wo wir eine Tour mitmachten und uns der Prozess des Weinmachens erklärt wurde und wir natürlich den Hauswein probieren durften. Außerdem ist hier gerade Weinlese, und es fuhren Lastwägen über Lastwägen randvoll mit roten und grünen Trauben zu den Weingütern! Schon toll!! J Abends buchten wir den nächsten Bus nach Salta und bummelten ein wenig durch die Stadt. Da es unser letzter Abend in Argentinien sein sollte, gingen wir nochmal richtig lecker essen und ich kam tatsächlich noch in den Genuss eines leckeren argentinischen Steaks. J In Mendoza war dieses Wochenende ein riesiges Fest aufgrund der Weinlese und am Freitagabend fand die Wahl zur „Miss Wein“ statt – ein großes Spektakel! Wir ließen uns ein wenig von der Menge treiben, doch irgendwann gingen wir müde und zufrieden nach Hause.

Der kommende Tag brachte uns leider wieder etwas mehr Ärger. Wir waren wieder mit „Andesmar“ unterwegs, der größten Busgesellschaft hier in Argentinien / Chile. Wieder fiel die Klimaanlage aus und nach rund 3 Stunden Fahrt bei einem Stopp an einem Busterminal in einer klitzekleinen Stadt in der Mitte von Nirgendwo verreckte der ganze Motor. Erst versuchten die Busfahrer das zu reparieren; die Klimaanlage brachten sie wieder zum Laufen, was bei 35°C im Schatten sehr begrüßt wurde. Doch der Bus stand weiterhin. Tja, das bedeutete 3-5 Stunden Warten auf einen Ersatzbus. Na toll... Unseren Anschlussbus nach San Pedro de Atacama, den wir in Salta direkt kriegen wollten, konnten wir uns abschminken! Zumindest waren fast alle anderen Fahrgäste ausgestiegen, und wir hatten alle je eine Doppelbank für uns, was das Schlafen erleichterte. Nach 24 Stunden Busfahrt kamen wir mit über 5 Stunden Verspätung in Salta an. Wir versuchten mit der Gesellschaft zu verhandeln und eine Entschädigung für die Verzögerung rauszuhandeln. Ich war sehr stolz auf mich, da ich unsere Situation und unser Anliegen auf Spanisch am Telefon schildern konnte. Das war aber auch der einzige Erfolg in der Sache, denn raus kam dabei nix. Die Antwort: Pech gehabt, sowas kommt vor. Salta ist doch auch schön, bleibt doch dort ein wenig. Haha, sehr witzig... Naja, Humor ist, wenn man trotzdem lacht! ;-) Wir buchten den Bus nach San Pedro de Atacama für den kommenden Morgen, checkten in ein Hostel ein, spielten ein bisschen Billard mit ein paar Israelis und machten noch einen ausgedehnten Spaziergang durch die hübsche Stadt und auf einen Aussichtsberg – Salta ist tatsächlich schön und die Umgebung traumhaft, aber wir wollten uns hier einfach nicht länger aufhalten, da uns andere Highlights erwarten! ;-)

Montagmorgen um 7 ging also unser Bus von Salta nach San Pedro de Atacama – wieder mit „Andesmar“, da keine andere Company die Strecke regelmäßig fährt. Anfängliche Stopps und kleinere Reparaturen ließen uns schon Übles ahnen, doch dann stellte sich die Fahrt als wunderbar heraus: das Essen im Bus war lecker, es gab Tee, Kaffee und Snacks und wir fuhren die schönste Strecke unserer bisherigen Reise!! Wir überquerten wiederum die Anden und erwischten einen klaren, sonnigen Tag. Um uns herum erstreckten sich grüne Berge mit schneeweißen Spitzen, riesige Salzseen und abstrakte Felsformationen auf denen riesige Kakteen wuchsen. Wir sahen kleine Bergdörfer mit Alpaccas, Schafen, Pferden, Kühen und vieles mehr! Die Passstraße wand sich malerisch durch diese Landschaft und wir kamen aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus! Allerdings ging es auch recht hoch hinaus, so dass sich die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit bemerkbar machten (leichte Kopfschmerzen, Übelkeit). Ein Pass ging auf 4170m, bei den anderen Bergen hab ich keine Schilder gesehen, im Nachhinein erfuhren wir jedoch, dass wir rund 6 Stunden auf einer Höhe von über 5000m rumfuhren... Doch die traditionelle Behandlungs-Methode hier in den Anden half uns ein bisschen weiter: das Kauen von Coca-Blättern. J Die Grenzüberquerung zurück nach Chile war diesmal problemlos und weniger zeitaufwändig. Mein Reisepass hat inzwischen rund 4 oder 5 Seiten, die nur mit Stempeln aus Argentinien und Chile vollgestempelt sind. *grins* Doch jetzt haben wir Argentinien endgültig verlassen. Ein paar Tage wollen wir nun noch in Chile verbringen und dann gehts auf nach Bolivien!! J