Donnerstag, 26. April 2012

Ein paar Fotos vom Titicaca See... :-)

Copacabana, Bolivien

Auf dem Berg bei Copacabana, Aussicht auf den Titicaca See

Die Isla del Sol, der Legende nach die Geburtsstätte der Inkas

Puno, Peru

Ostersonntag in Peru

Uros, die Floating Islands bei Puno

Sillustani

Alte Schädel... Außerirdische?! *hehehehe*

Im Land der Inkas


Ostersonntag in Puno (Peru) am Titicaca See war lustig. Wir (das waren Liane, Rachel und ich) fuhren in ein kleines Dorf, das bekannt ist für seinen „Tempel der Fruchtbarkeit“ – eine alte Inka-Ruine mit vielen großen und kleinen „Stein-Phalli“, direkt neben der Kirche des Dorfes gelegen. Sehr witzig! J Auf dem Marktplatz tanzten die Menschen in traditionellen Klamotten, spielten Musik und verbrannten zwei Strohpuppen. Wozu die Verbrennung? Das konnten wir leider bis jetzt nicht herausfinden. Aber die fröhliche Atmosphäre und das schöne Wetter waren echt super! Wir aßen dann auf dem Marktplatz ein traditionelles Ostermenü und ich holte mir prompt eine unangenehme Lebensmittelvergiftung, wahrscheinlich vom Fisch, die eine 5tägige Magenverstimmung mit sich brachte. Naja, es gibt Schlimmeres und ich bin ja in einem Land mit normalen Toiletten unterwegs! *grins* Trotzdem nervig, vor allem so kurz nach der anderen Infektion... aber jetzt gehts mir wieder gut und ich bin wohlauf und gesund! Abends machten wir dann noch eine Bootstour zu den "Floating Islands" namens "Uros", die ganz aus Schilf gebaut sind. Ganz nett, kulturell interessant, aber leider mega-touristisch und eine einzige Show.

In Puno trennten sich Lianes und meine Wege, da wir unterschiedliche Pläne für die kommenden Wochen hatten; Rachel und ich wollten es etwas ruhiger angehen und uns an manchen Orten etwas mehr Zeit lassen. Ich möchte meinen letzten Monat hier in Südamerika in aller Ruhe genießen und mich nicht stressen. Also verabschiedeten wir uns, waren uns aber sicher, dass wir uns immer wieder über den Weg laufen würden. Und das ist seitdem schon öfters passiert und immer wieder eine lustige Überraschung! J Rachel und ich blieben noch einen Tag länger am Titicaca See und besuchten einige Pre-Inka Ruinen („Sillustani“): große Türme, die als Gräber dienten und Mumien in Embryonalstellung beinhalteten. Faszinierend! 

Für die Fahrt nach Cusco hatten wir einen Touristen-Bus gebucht, um auf dem Weg die eine oder andere Stätte zu besichtigen. Der Tag war total relaxt (und das Mittagessen ein Traum!!), wir sahen alte Ruinen eines Sonnen-Tempels, sowie zwei Museen und eine Kirche, die als „Sixtina“ Südamerikas bekannt ist aufgrund ihrer tollen Malereien. Echt schön! Und die Landschaft während der Fahrt war einfach bezaubernd! In einem der Museen waren deformierte Schädel mit ausladendem Hinterkopf ausgestellt, was in einigen Kulturen vor hunderten von Jahren hier Brauch war. Ein Amerikaner postulierte jedoch, er sei ein „World Expert“ auf diesem Gebiet und dies seien keine menschlichen Schädel, sondern Außerirdische, die die Inka Tempel gebaut hätten und evtl immer noch unter uns seien... er erklärte ein wenig seine Theorie und sobald er weg war, brachen alle Umstehenden in Gelächter aus! J

In Cusco angekommen, war ich erst mal echt beeindruckt, wie schön diese Stadt ist! Alte Kolonialgebäude, riesige Kirchen, große Plätze und rundrum grüne Hügel mit alten Inka-Ruinen drauf! Wahnsinn! J Wir checkten erst mal in ein Hostel ein (und trafen Liane dort wieder!) und sahen uns in der Stadt um. Ich war leicht angeschlagen wegen der Magen-Sache, also ließen wir es erst mal ruhig angehen. Am ersten Tag (Mittwoch, 11. April) machten wir eine „Free Walking Tour“ mit, das gleiche Konzept, das wir bereits in Santiago de Chile kennengelernt hatten. Wir lernten die Stadt aus der Perspektive eines einheimischen Studenten kennen und bekamen einige wertvolle Tipps. Außerdem brachte er uns zu einem Restaurant wo wir einen Kochkurs bekamen und unter Anleitung unser eigenes traditionelles peruanisches Essen zubereiteten und einige Spezialitäten probieren durften! Sehr lecker!! J


In den Tagen in Cusco besuchten wir natürlich auch die Sehenswürdigkeiten der Stadt, unter anderem den „Tempel der Sonne“ (wurde leider von den Spaniern in der Kolonialzeit in eine große Kirche umfunktioniert und größtenteils zerstört), die große Kathedrale (mit dem berühmten Bild vom letzten Abendmahl, wo Jesus mit seinen Jüngern Meerschweinchen isst) und einen Turm mit einer Ausstellung über den letzten großen Inka-König. Das Wetter war die ganze Zeit traumhaft und ich genoss die Tage im schönen Cusco sehr. Rachel und ich bummelten durch die Straßen und über Märkte, schrieben einige Postkarten (mal sehen, wie lang die brauchen und ob sie überhaupt ankommen!) und schliefen auch mal gemütlich aus! J

An einem Tag trafen wir Filip wieder, einen Schweden, den ich in Potosi in der Silbermine kennengelernt hatte. Er arbeitet als Tour-Guide in Peru (für Gruppen mit älteren Menschen aus Schweden) und hatte einen Tag frei und bot an, uns einige Geheimtipps in der Gegend und im „Sacred Valley“ zu zeigen. Wir mieteten uns gemeinsam ein Taxi für den Tag und fuhren erst mal zu einem Park, in dem Lamas, Alpakas, Guanakos und Vikunas leben, so dass man endlich mal die Unterschiede zwischen diesen Tierarten sehen kann. Wir besuchten auch ein „Animal Refugio“, eine Auffangstation für Tiere. Die hatten auch einige Condore, die wir sogar anfassen durften. Es ist in Peru eine alte Tradition, dass man Condore auf die Rücken von Stieren bindet und die beiden „kämpfen“ lässt... das steht symbolisch für den Kampf der einheimischen „Quechuas“ gegen die spanischen „Conquistadores“, geht jedoch leider für die Tiere meist weniger schön aus...


Danach besuchten wir Pisac, eine bekannte alte Inka-Ruine im Sacred Valley, die hoch oben auf einem Berg thront. Wir kletterten fröhlich dort herum und die Aussicht war atemberaubend schön!! Filip erklärte uns viel und war total hilfsbereit. Als „Dankeschön“ luden Rachel und ich ihn zum Mittagessen ein, doch er meinte, er hätte so viel Spaß mit uns, er täte das total gern! J Wir schauten uns im Laufe des Nachmittags noch zwei weitere Inka-Ruinen an, die landwirtschaftlichen Experimenten („Moray“) sowie der Gewinnung von Salz („Maras“) dienten. Sehr spannend und aufschlussreich – diese Inkas hatten echt was drauf! J Am Ende des Tages waren wir glücklich und zufrieden wieder in Cusco, gingen noch alle gemeinsam Abendessen und es war echt einer der coolsten, interessantesten und nettesten Tage meines Trips durch Südamerika!! J


Natürlich besuchten wir von Cusco aus auch „Machu Picchu“ – eines der sieben neuen Weltwunder. Wir wollten unbedingt eine der beliebten Wanderungen dorthin machen und buchten – nach einigem Vergleichen von Angeboten, sowie Empfehlungen anderer Reisender – den 4tägigen „Inka Jungle Trek“. Dieser Trek beinhaltet Mountainbiken, viel Wandern und (optional) Rafting und Ziplining. Wir starteten die Wanderung am Samstag, den 14. April und kamen am Dienstag, den 17. April in Machu Picchu an – Tag 100 meiner Südamerika-Reise!!! J Doch mehr Details über die Wanderung schreib ich im nächsten Blogeintrag, denn das war einfach ein einmaliges Erlebnis! 

Samstag, 14. April 2012

La Paz und Ostern am Titicaca See - Abschied von Bolivien

Die Busfahrt von Rurrenabaque nach La Paz war mal wieder stolze 22 Stunden lang und die Straße eine einzige Hoppelpiste. Doch wir überlebten es und waren froh, als wir endlich angekommen waren! J In einem sehr netten und lustigen Hostel („Adventure Brew“) checkten wir ein und fühlten uns direkt wohl. Als erstes stand jedoch ein Arztbesuch auf dem Programm, da Liane und ich uns beide irgendeine Magen-Darm-Infektion eingefangen hatten. Die Ärztin sprach super Englisch, war sehr nett und verschrieb uns ein Medikament, das uns wieder auf die Höhe bringen sollte. 4 Tage später ging es uns auch wieder gut! J In der Zwischenzeit relaxten wir, schliefen viel, bummelten durch die Stadt, shoppten unglaublich viel (ich hab z.B. einen ganz tollen Alpaka-Pulli gekauft!) und schauten uns die Sehenswürdigkeiten (Kirchen und so) der Stadt an. Im Coca-Museum lernten wir viel über die Wirkung der Coca-Pflanze, Coca-Kultur in Bolivien (rund 90% der Menschen hier kauen regelmäßig Coca-Blätter) und den bedauerlichen Missbrauch der Pflanze zur Herstellung von Kokain. Außerdem trafen wir Rachel (die Schottin, mit der ich schon in Tupiza war) und Mauree (die Canadierin, mit der wir in Feuerland/Ushuaia wandern waren) wieder. Schon cool, wie sich die Wege von Reisenden wieder kreuzen!

Ein absolutes Highlight in La Paz war der Besuch einer „Cholita-Wrestling“ Veranstaltung. Wrestling, d.h. Showkampf, ist sehr beliebt in Bolivien, vor allem wenn Frauen kämpfen. Frauen gelten hier als stark und sind sehr angesehen, wenn sie Stärke demonstrieren. Im Wrestling kämpfen sie in ihren traditionellen Kleidern mit ihren ewig langen Zöpfen und machen die Jungs platt – oder auch sich gegenseitig. Das alles ist unglaublich schlechter Showkampf, doch es ist sehr sehr lustig!! J Das Publikum bestand zu ¾ aus Einheimischen und nur ¼ waren Touristen. Alle fieberten mit, buhten den Schiedsrichter aus, warfen mit Popcorn und so weiter! Auf so einer witzigen Veranstaltung war ich echt noch nie!! *grins* J

Ein weiteres Highlight in La Paz war ein unglaublich leckeres Steak in einem australischen Steak House. Doch das sei nur am Rande erwähnt! J Wirklich cool war unser Mountainbike Trip auf der gefährlichsten Straße der Welt, bekannt als die „Death Road“. Wir wurden prima ausgestattet mit sehr guten Fahrrädern, Helmen und Protektoren. Die Straße war bis vor 5 Jahren eine der Hauptverkehrsstraßen Boliviens und geht Richtung Norden nach Coroico. Inzwischen gibt es eine neuere Straße, die geteert und breiter ist. Doch die alte Straße ist eine reine Schotterpiste, an manchen Stellen nur 3m breit, und schlängelt sich halsbrecherisch an Steilwänden entlang, wo es gut und gerne ein paar hundert Meter in die Tiefe geht. Die Straße ist gesäumt von Kreuzen und man sieht gelegentlich ein altes Auto oder einen Bus unten in der Tiefe liegen. Mit dem Mountainbike ist das allerdings alles halb so wild, denn inzwischen ist die Straße für den normalen Verkehr gesperrt. Wir konnten so schnell fahren, wie wir wollten, keiner drängelte und unsere Guides erklärten uns immer wieder die kommenden Abschnitte. Die Strecke führte uns unter Wasserfällen hindurch, über kleine Bäche und durch die Wolkendecke. Von über 4800m fuhren wir über 60km Downhill auf rund 1600m. Echt genial!! Anfangs hatte ich noch ganz gut Respekt vor der Straße, doch mit der Zeit wurde ich sicherer auf dem Rad, traute mir mehr zu und hatte extrem viel Spaß! Am Ende erwartete uns ein leckeres Buffett sowie ein Swimming Pool! J Ein super Tag!

Am Donnerstag den 5. April fuhren wir weiter nach Copacabana am Titicaca See. Das ist ein Walfahrtsort für viele Bolivianer und zu Ostern pilgern Tausende dorthin. Wir buchten uns in einem günstigen Hotel ein, alle anderen Unterkünfte waren ausgebucht. Der See ist echt traumhaft schön, er ist riesig groß und einfach faszinierend! Es wirkt fast wie ein Meer, aber liegt auf 3900m Höhe!! Das Wetter war super, die Stimmung in der Stadt einzigartig! Überall am Ufer und auf den Plätzen hatten die Menschen ihre Zelte aufgeschlagen; Straßenverkäufer, Musiker, etc. waren zugegen! Scharen pilgerten auf den Berg hinauf, der ein bekannter Kreuzgang ist. Auch ich ging hinauf, Liane und Rachel hatten keine Lust. Die Aussicht war einfach atemberaubend und die Atmosphäre dort oben unbeschreiblich: so viele betende Pilger, dazwischen Verkäufer für alles Mögliche und ganze Familien, die das Osterwochenende am Titicaca See verbringen wollten. Einige kauften dort oben kleine Miniatur-Autos und –Häuser, die sie dann segnen ließen (mit Bier, Weihrauch und Tischfeuerwerk). Das soll Glück und Geld bringen für das kommende Jahr! Vor allem Autosegnungen sind hier sehr beliebt: wenn man ein neues Auto gekauft hat, dann wird das mit Blumen geschmückt und vor der Kirche gesegnet! J

Abends fand eine große Kar-Freitags-Prozession statt: vorweg wurde eine schwarz gekleidete Marien-Statue getragen, hinterher ein brennendes Kreuz und darauf folgte ein gläserner Sarg mit einer Jesus Statue, getragen von Menschen mit weißen spitzen Kapuzen und weißen langen Gewändern. Alles war sehr gespenstisch und gleichzeitig sehr feierlich! Es folgte eine Menge Menschen mit Kerzen, die auf ihrem Marsch durch die Stadt gemeinsam den Kreuzgang beteten. Wir gingen ein gutes Stück mit, hatten uns auch Kerzen besorgt und ich genoss die feierliche Atmosphäre. Im Anschluss gabs leckere Forelle!! *mmmmhhh*

Am Samstag besuchten Rachel und ich die „Isla del Sol“, eine für die Inkas sehr bedeutsame Insel, da hier der Legende nach die beiden ersten Inkas dem Wasser des Titicaca Sees entstiegen sind. Auf der Fahrt dorthin stürmte es leider, und unsere beiden verantwortlichen „Bootsmänner“, ca. 10 und 15 Jahre alt, waren wenig vertrauenserweckend. Doch sie brachten uns sicher ans Ziel... auf der Insel selber war der Boden mit Hagelkörnern bedeckt! Doch als wir ankamen, kam die Sonne raus und es wurde doch noch ein schöner Tag. Wir trafen eine nette Französin und gemeinsam wanderten wir vom Nordende bis zum Südende der Insel, besuchten einige historische Inka-Ruinen, wuschen unsere Hände im heiligen alten Inka-Brunnen, der niemals versiegt, und waren ganz begeistert von der schönen Landschaft! Echt ein toller Ausflug! J Die Bootsfahrt zurück war auch traumhaft, da nun die Sonne schien und wir an Deck sitzen konnten! Leider war unser Boot etwas langsam, weshalb wir nur mit Müh und Not den Bus erreichten, mit dem wir weiter nach Puno fahren würden, das auf der peruanischen Seite des Titicaca Sees liegt. Der Grenzübergang war problemlos und wir trafen in Puno Liane wieder, die schon 1 Tag hier gewesen war, da sie die Isla del Sol schon kannte. Aber mehr über die Osterfeierlichkeiten in Peru, sowie über weitere Inka-Ruinen und unsere tollen Tagen in Cusco schreib ich in ein paar Tagen, wenn wir von unserem Inka Jungle Trek zu Machu Picchu zurück sind! J

Ein Trip in die Pampas - Tropen pur!

Es ist mal wieder viel passiert seit dem letzten Blog-Eintrag, und ich hab wenig geschrieben... daher kommt jetzt mal wieder ein längerer Blog mit vielen Updates und Stories! Ich sitze inzwischen in Cusco (Peru) in einem netten Hostel und schreibe über unsere letzten Tagen in Bolivien.

Die Gruppe mit der wir die dreitägige Pampas Tour in Rurrenabaque machten, war einfach klasse: Liane und ich, Annica (eine der beiden Schwedinnen, mit denen wir jetzt schon eine ganze Weile unterwegs waren) und ein Pärchen aus England, Georgina und Jim, die total nett waren. Sie hatte die letzten 2 Jahre in Nairobi gearbeitet, er hatte sie mehrfach besucht und auch einige Zeit dort gelebt und gearbeitet, und so hatten wir dauerhaft Gesprächsmaterial über Ostafrika!! Einfach toll, wie solche Erfahrungen sofort verbinden und man sich gleich sympatisch ist! Unser Guide, Marcello, war echt spitze! Er konnte gut Englisch, erklärte uns viel über die Natur und die Tiere und war sehr rücksichtsvoll im Umgang mit denselben. Das Essen war auch klasse, die ganze Tour war sehr empfehlenswert, alles in allem eine eine gute Agency („Dolphin Tours“). Strom hatten wir nur von 19 bis 21 Uhr, danach war Bettruhe. Und warmes Wasser gabs auch nicht, aber das brauchte man auch nicht, da es sehr warm und extrem schwül war.

Leider regnete es am ersten Tag in Strömen, und wir fuhren 2 Stunden mit dem Boot durch wahre Wasserfälle, die der Himmel von sich gab, um zu unserer Lodge inmitten der Pampas zu kommen. Pampas, das ist der Begriff für tropische Feuchtgebiete, die in der Regenzeit komplett überflutet sind und in der Trockenzeit von vielen Flüssen und Bächen durchzogen werden, incl. einiger Seen, die sich bilden. Da aktuell Ende der Regenzeit ist, war noch alles überflutet, incl. dem Gebiet um unsere Lodge herum, weshalb diese auf Stelzen im Wasser steht. Auf der Fahrt zur Lodge wussten wir vor lauter Regen gar nicht mehr wo oben und unten war! Um uns abzulenken und uns bei Laune zu halten, sowie um die Gruppendynamik zu stärken, sangen wir die komplette Fahrt: Disney-Lieder, Seemannslieder, Songs die etwas mit Wasser zu tun haben, mehrsprachige Kanons, etc. Lustig wars! J Wir waren bis auf die Unterwäsche durchnässt, als wir ankamen. Unserer Rucksäcke waren Gottseidank in einer Folie eingewickelt trocken geblieben... Also konnten wir uns trockene Sachen anziehen und erst mal einen heißen Tee trinken. Direkt wurden wir vom 3m langen Haus-Kaiman (Kaiman = südamerikanischer Aligator/Krokodil) „Pedro“ begrüßt, der um die Lodge herum sein Territorium hat und immer fröhlich dort rumschwimmt und sich brav fotographieren lässt. J

Abends gingen wir auf eine weitere Bootstour, diesmal ohne Regen, aber mit Taschenlampen. Wir sollten die Augen von Kaimanen entdecken, die im Taschenlampenschein rot leuchten. Echt gruselig sieht das aus, wenn mehrere rote Augenpaare aus dem Dickicht leuchten und man mit dem Boot direkt darauf zu fährt. Wir fanden einige kleine Baby-Kaimane, einen richtig großen und ein paar mittelgroße. Ich war ziemlich gut drin, sie aus dem fahrenden Boot zu entdecken, hatte auch richtig Spaß dran! J Wie in Afrika auf der Pirsch, nur eben anderen Tiere und nachts! J

Am nächsten Morgen starteten wir mit dem Boot, um Tiere zu beobachten und Anakondas und andere Schlangen zu finden. Während der Bootsfahrt sahen wir verschiedene Affenarten (u.a. Brüllaffen, Kapuzineräffchen), Nasenbären, Tucane, Schildkröten, viele tropisch-bunte Vögel, besonders viele Greifvögel, und so weiter. Wir legten bei einer kleinen Insel an und als erstes fanden wir frischen Capivara-Kot und Spuren – das sind die größten Nager der Welt, haben die Größe eines mittelgroßen Schweins und sehen aus wie überdimensionale Meerschweinchen-Biber-Kreuzungen mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen (zu deutsch: Wasserschwein). Später am Tag entdeckten wir sogar eins, sahen es aber nur ganz kurz, die sind momentan schwer zu finden. Auf der Insel gingen wir auf Schlagen-Jagd – d.h. Marcello suchte und wir liefen hinterher! J Als erstes fanden wir eine Klapperschlange unter einem Baumstamm zusammengerollt. Die südamerikanischen Klapperschlangen haben keine Klapper am Schwanz, aber sonst sehen sie recht ähnlich aus wie die Nordamerikanische. Wir ließen sie in Ruhe weiterschlafen! J Eine weitere Entdeckung war ein Frosch, der von einer kleinen blauen Schlange gefressen wurde und quiekte. Und dann fanden wir noch eine dicke Kröte sowie eine „kleine“ Tarantel, ein Mords-Viech! Die war echt spannend, und Marcello beglückwünschte uns zu diesem seltenen Fund! J Alles in allem ein sehr erfolgreicher Ausflug, wenn auch ohne Anakonda.

Wir fuhren gerade weg, als 2 Boote mit rund 30 lärmenden Israelis ankamen... gutes Timing, würde ich sagen! J Wir beobachteten weiter Tiere vom Boot aus und tuckerten gemütlich durch die Gegend, von einem Fluss durch viele Seitenarme in den nächsten – fließende Übergänge sind das hier im Amazonas-Becken. Der Amazonas selbst ist von dort übrigens weit weg. Plötzlich sahen wir einen rosa Flussdelfin – ein absolutes Highlight! Doch unser Guide versprach uns, dass wir noch mehr sehen würden und auch mit ihnen schwimmen können. Tatsächlich entdeckten wir kurze Zeit später noch mehr der Süßwasserdelfine und gingen alle nach und nach ins Wasser um mit ihnen zu schwimmen und sie womöglich auch zu streicheln, falls sie freiwillig herkommen. Wo die Delfine im Wasser sind, ist es sicher zu schwimmen, da dort keine Kaimane und keine Piranhas hinkommen, da die Delfine natürliche Feinde von ihnen sind – so sprach unser Guide. Nur leider sagte uns keiner, dass die Delfine selber auch beißen. Von spielerischem, neugierigen Knabbern war die Rede, aber nicht von kräftigem Zubeißen und Ziehen – und genau das passierte Liane. Zuerst waren die Tiere ganz lieb und zutraulich, doch dann tauchten sie ab und bissen sie in den Fuß! Sie schrie und hatte echt Angst, die Delfine waren wirklich grob, und Annica und ich schwammen auf sie zu um die Delfine von ihr abzulenken, während die anderen mit dem Boot kamen, um uns alle wieder reinzuholen. Echt ein Schock... wir gingen alle nochmal ins Wasser, um die Angst vor den rosa Delfinen zu überwinden, doch so richtig Lust mit denen nochmal in Kontakt zu kommen hatten wir nicht.

Zurück im Boot aßen wir erst mal ein paar Kekse und entspannten uns wieder, als wir plötzlich eine Schlange aufs Boot zu schwimmen sahen. Erstaunt fragten wir Marcello, ob die giftig sei, denn wir seien doch vor 10 Minuten hier noch geschwommen und es sei doch sicher hier. Er meinte in aller Seelenruhe: jaja, die ist giftig, aber die Delfine fressen die normalerweise. Und wo waren die Delfine jetzt? Natürlich grad woanders... Naja, auch egal, ist ja nochmal alles gut gegangen und irgendwo war es auch lustig! Rosa Flussdelfine – das klingt so romantisch... doch dann entpuppen sie sich als fiese Viecher!! *grins* Abends, als wir von unserer Bar aus den Sonnenuntergang beobachteten, sprang nochmal einer aus dem Wasser – sehr malerisch, aber damit konnten sie es auch nicht gutmachen, dass wir sie jetzt doof finden! J

Am dritten Tag starteten wir sehr früh, um den Sonnenaufgang zu sehen. Wir waren das einzige Boot draußen und die Ruhe war einfach unbeschreiblich!! Die Stimmung war atemberaubend schön, um uns herum waren soooo viele Vögel und Affen und alles mögliche andere Getier. Und der Sonnenaufgang strahlte in den schönsten Farben und spiegelte sich im ruhigen Wasser! Traumhaft! Nach einem ausgiebigen Frühstück stand dann Piranha-Angeln auf dem Programm. J Als Köder diente ein schönes Stück Rindfleisch, denn das mögen die kleinen Fische sehr gern! Mit ganz primitiven Angeln und Haken zogen wir los. Unser Guide fing gleich in den ersten 5 Minuten einen. Ich folgte einige Minuten später und hatte auch einen an der Angel – stolz wie Oskar! J Doch Piranhas sind sehr geschickt, sie fraßen immer um den Haken herum die Köder von der Angel! Es sollte bis zum allerletzten Köderstückchen dauern, bis Jim auch noch einen rauszog. 3 Piranhas, das ist eine etwas magere Ausbeute. Aber immerhin! J Und vor allem Spaß hats gemacht! Wir aßen noch in unserer Lodge zu Mittag und dann fuhren wir wieder mitm Boot 2 Stunden zurück zum Ausgangspunkt, wo der Jeep wartete der uns nach Rurrenabaque zurück brachte, diesmal ohne Regen und mit strahlendster Sonne! J

Alles in allem waren die Tage in den Tropen echt klasse und wirklich einzigartig. Doch ich muss ehrlich zugeben, mir hats auch gereicht. Da gibt es viel zu viele kleine Tiere, die einen beißen und fressen wollen – Moskitos, Zecken, Blutegel, irgendwelche Fliegen, die ihre Eier gerne in menschlichen Füßen ablegen und anderes infektiöses Getier! Da sind Delfine, Kaimane und Piranhas echt noch harmlos. J Insofern war ich glücklich, als wir wieder in den Bus stiegen und nach La Paz fuhren, das mitten in den Anden auf stolzen 3600m liegt und wo ein angenehmes Klima herrscht. Berge, Kälte und Trockenheit – das ist mir allemal lieber als tropische Schwüle! J Doch mehr zu La Paz und Ostern am Titicaca See im nächsten Blog Eintrag!