Samstag, 17. Juli 2010

Leben auf dem Land in Tansania

Das ist das erste Mal seit ueber 2 Wochen, dass ich wieder im Internet bin… Die letzten Wochen war ich in Gijedabung, einem kleinen Dorf im Bezirk von Mamire, in der Naehe von Babati Town. Bin zusammen mit Georgia (volunteer aus Canada) bei einem der Grundschullehrer untergebracht. Er ist Ende zwanzig und wohnt zusammen mit seiner Freundin (sie ist auch Lehrerin) und seinem juengeren Bruder, der in die Schule dort geht. Strom und fliessend Wasser gibts nicht, Handy wird per Solarzelle aufgeladen. Wir werden bekocht, kriegen jeden Tag einen Eimer mit warmen Wasser zum Waschen und spielen in unserer Freizeit Karten und 4gewinnt. Bayerische Kartenspiele auf Swahili erklaeren ist ganz schoen schwierig… aber klappt!! :-) Duschen tut man, indem man das Wasser mit einer Wasserflaschen ueber sich schoepft, sich einseift, gegen Moskitos kaempft und dann wieder Wasser aus dem Eimer ueber sich schoepft.  Essen tun wir nur einheimisches Essen: anfangs gabs viel Maisbrei und getrockneten Fisch, inzwischen mehr Reis und Kartoffel und Obst. Sehr gerne wird auch Eintopf gekocht aus Getreide und Erbsen. Mein Magen rebelliert regelmaessig, doch man gewoehnt sich an alles, das koennt ihr mir glauben! Und: der Hunger treibts rein!  Von den Toiletten will ich gar nicht anfangen… lol!!

Unser SIC teaching Team im Dorf ist super!! Wir sind 4 volunteers und 2 teaching partner, kommen insgesamt aus 5 verschiedenen Laendern (USA, Canada, England, Deutschland, Tansania) und verstehen uns super. Wir arbeiten sehr effizient, die Planungen unserer Vortraege sowie die Aufklaerungsarbeit selbst laufen sehr reibungslos. Alle bringen viel Wissen ein und jeder hat seine besonderen Staerken. Mein Psycho-Wissen ist von grossem Vorteil, da wir nicht nur Wissen uber HIV verbreiten wollen, sondern den Menschen auch beibringen, wie sie ihr neues Wissen in die Praxis umsetzen koennen. Life skills, wie beispielsweise richtige Entscheidungen treffen, gute Kommunikation, Umgang mit Stigmatisierung etc. stehen auf der Tagesordnung. Wir unterrichten in der Grundschule (Klasse 4-7), unterrichten auch die Lehrer und Eltern. Haben auch Treffen mit den Hebammen, den Mamas, dem “Landrat” incl. “Buergermeister”, den Fussballteams, den christlichen Gemeinden, und so weiter! Alle freuen sich, dass wir da sind, und hoeren aufmerksam zu wenn wir ueber die Uebertragung des Viruses und ueber Praeventionsmoeglichkeiten reden. Der Dorfvorstand unterstuetzt uns wo er kann und hat einen Narren an uns gefressen! :-)

Kommenden Dienstag haben wir den ersten grossen Testing Day, wo wir so viele Leute wie moeglich dazu bewegen wollen, sich testen zu lassen auf HIV. Die Arbeit ist so abwechlungsreich und man muss sehr kreativ sein, da man haeufig auf unerwartete Dinge stoesst. Puenktlichkeit und Zeit sind sehr relative, die Treffen starten im Normalfall mindestens eine Stunde nach dem vereinbarten Zeitpunkt. Wir werden gerne von den Leuten auf Swahili und Massai Sprache zugelabert - verstehen jedoch kein Wort. Die Kinder lieben uns, spielen Fussball und Volleyball mit uns und streicheln mit Begeisterung unsere Haare.

Stellt euch einfach das laendlichste Afrika vor, das es gibt – DA bin ich gelandet!  Und ich liebe es!! :-) Das Leben hier ist so schoen, die Leute so gastfreundlich, froehlich und unterstuetzend, und das Land einfach wunderschoen! I love Africa!! :-)

Uebernaechste Woche haben wir 8 Tage frei und ich fahr nach Uganda fur 5 Tage, um dort am Nil raften zu gehen! :-) Freu mich schon drauf!! Und vielleicht hab ich auch wieder Internet, um mehr von meinen Abenteuern zu erzaehlen! Ich schiesse auch fleissig Fotos, die ich gerne herzeigen werde, wenn ich im September wieder in Deutschland bin!

Freitag, 2. Juli 2010

News aus Babati

Hier kommt mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Ich bin nach wie vor in Babati, inzwischen seit rund 10 Tagen, wo wir unsere Orientierungsphase haben. In der ersten Woche haben wir Unmengen gelernt ueber HIV und AIDS, ueber Land und Leute in Tansania, ueber Zellbiologie und antiretrovirale Medikamente und vieles mehr. Ausserdem haben wir jeden Tag 2 Stunden Swahili-Unterricht – sehr intensiv, aber auch lustig, da wir viele Lieder lernen, tanzen und singen!  Die Gruppe waechst immer mehr zusammen, es bilden sich jedoch auch immer mehr Sub-Gruppen. Am Samstag erfahren wir, wer mit wem in ein Dorf kommt und die naechsten 6 Wochen zusammen verbringen wird. Spannend, besonders da wir nur 6 Leute pro Gruppe sein werden und aktuell 27 Volunteers und 14 Teaching Partner sind.

Das Leben hier ist sehr spannend und wirklich unbeschreiblich. Toiletten gibts keine, nur Loecher im Boden. Toilettenpapier benutzen die Enheimischen auch nicht, dafuer gibts die linke Hand. Die rechte wird zum Essen und Gruessen benutzt.  Gegessen werden hauptsaechlich Bohnen, Mais, Reis, Kartoffeln, verdammt zaehes Fleisch, ein spinataehnliches Gemuese und Chapati, so ne Art Pfannkuchen-Brot. Die Verdauung muss sich auf die Ernaehrung erst einstellen, aber so langsam wirds… hihi! Um 7 wirds spaetestens dunkel, und die Moskitos beissen wie bloed in der Daemmerung. Eine der volunteers hat sich bereits Malaria eingefangen. Ich schluck brav meine Prophylaxe und schmier mich mit Anti-Mueckenzeugs ein. Waesche waschen ist auch ein besonderes Vergnuegen: man nehme einen Eimer, fuelle ihn mit kaltem Wasser und Seife, schmeisse alle Klamotten rein und dann wird geschrubt… lol! Die Tansanier lachen uns Auslaender jedoch aus, weil wir uns scheinbar so daemlich anstellen.

Die Kinder auf der Strasse laufen uns hinterher und wollen uns anfassen, vor allem die Haare. Alle gruessen uns freundlich und wollen mit uns reden, aber zu viel Konversation reicht das Swahili noch nicht… doch ich arbeite dran. In den Doerfern warden die Leute kaum Englisch koennen, dann sind wir auf unsere paar Brocken Swahili angewiesen und auch auf die Uebersetzungskuenste unserer teaching partner. Das wird spannend! Am Sonntag ziehen wir um in unsere Familie aufm Dorf, ohne elektrischen Strom, ohne fliessend Wasser. Und am Montag gehts los mit teaching! Ich freu mich drauf!

Zur Info: Internet hab ich hier nur sehr unregelmaessig, wahrscheinlich nur 2 oder 3 mal in den naechsten 6 Wochen. ICh hab allerdings ein Telefon, auf dem ich SMS und Anrufe empfangen kann. Die Nummer ist +255 762 569 215. Freu mich ueber news von daheim!