Samstag, 14. April 2012

La Paz und Ostern am Titicaca See - Abschied von Bolivien

Die Busfahrt von Rurrenabaque nach La Paz war mal wieder stolze 22 Stunden lang und die Straße eine einzige Hoppelpiste. Doch wir überlebten es und waren froh, als wir endlich angekommen waren! J In einem sehr netten und lustigen Hostel („Adventure Brew“) checkten wir ein und fühlten uns direkt wohl. Als erstes stand jedoch ein Arztbesuch auf dem Programm, da Liane und ich uns beide irgendeine Magen-Darm-Infektion eingefangen hatten. Die Ärztin sprach super Englisch, war sehr nett und verschrieb uns ein Medikament, das uns wieder auf die Höhe bringen sollte. 4 Tage später ging es uns auch wieder gut! J In der Zwischenzeit relaxten wir, schliefen viel, bummelten durch die Stadt, shoppten unglaublich viel (ich hab z.B. einen ganz tollen Alpaka-Pulli gekauft!) und schauten uns die Sehenswürdigkeiten (Kirchen und so) der Stadt an. Im Coca-Museum lernten wir viel über die Wirkung der Coca-Pflanze, Coca-Kultur in Bolivien (rund 90% der Menschen hier kauen regelmäßig Coca-Blätter) und den bedauerlichen Missbrauch der Pflanze zur Herstellung von Kokain. Außerdem trafen wir Rachel (die Schottin, mit der ich schon in Tupiza war) und Mauree (die Canadierin, mit der wir in Feuerland/Ushuaia wandern waren) wieder. Schon cool, wie sich die Wege von Reisenden wieder kreuzen!

Ein absolutes Highlight in La Paz war der Besuch einer „Cholita-Wrestling“ Veranstaltung. Wrestling, d.h. Showkampf, ist sehr beliebt in Bolivien, vor allem wenn Frauen kämpfen. Frauen gelten hier als stark und sind sehr angesehen, wenn sie Stärke demonstrieren. Im Wrestling kämpfen sie in ihren traditionellen Kleidern mit ihren ewig langen Zöpfen und machen die Jungs platt – oder auch sich gegenseitig. Das alles ist unglaublich schlechter Showkampf, doch es ist sehr sehr lustig!! J Das Publikum bestand zu ¾ aus Einheimischen und nur ¼ waren Touristen. Alle fieberten mit, buhten den Schiedsrichter aus, warfen mit Popcorn und so weiter! Auf so einer witzigen Veranstaltung war ich echt noch nie!! *grins* J

Ein weiteres Highlight in La Paz war ein unglaublich leckeres Steak in einem australischen Steak House. Doch das sei nur am Rande erwähnt! J Wirklich cool war unser Mountainbike Trip auf der gefährlichsten Straße der Welt, bekannt als die „Death Road“. Wir wurden prima ausgestattet mit sehr guten Fahrrädern, Helmen und Protektoren. Die Straße war bis vor 5 Jahren eine der Hauptverkehrsstraßen Boliviens und geht Richtung Norden nach Coroico. Inzwischen gibt es eine neuere Straße, die geteert und breiter ist. Doch die alte Straße ist eine reine Schotterpiste, an manchen Stellen nur 3m breit, und schlängelt sich halsbrecherisch an Steilwänden entlang, wo es gut und gerne ein paar hundert Meter in die Tiefe geht. Die Straße ist gesäumt von Kreuzen und man sieht gelegentlich ein altes Auto oder einen Bus unten in der Tiefe liegen. Mit dem Mountainbike ist das allerdings alles halb so wild, denn inzwischen ist die Straße für den normalen Verkehr gesperrt. Wir konnten so schnell fahren, wie wir wollten, keiner drängelte und unsere Guides erklärten uns immer wieder die kommenden Abschnitte. Die Strecke führte uns unter Wasserfällen hindurch, über kleine Bäche und durch die Wolkendecke. Von über 4800m fuhren wir über 60km Downhill auf rund 1600m. Echt genial!! Anfangs hatte ich noch ganz gut Respekt vor der Straße, doch mit der Zeit wurde ich sicherer auf dem Rad, traute mir mehr zu und hatte extrem viel Spaß! Am Ende erwartete uns ein leckeres Buffett sowie ein Swimming Pool! J Ein super Tag!

Am Donnerstag den 5. April fuhren wir weiter nach Copacabana am Titicaca See. Das ist ein Walfahrtsort für viele Bolivianer und zu Ostern pilgern Tausende dorthin. Wir buchten uns in einem günstigen Hotel ein, alle anderen Unterkünfte waren ausgebucht. Der See ist echt traumhaft schön, er ist riesig groß und einfach faszinierend! Es wirkt fast wie ein Meer, aber liegt auf 3900m Höhe!! Das Wetter war super, die Stimmung in der Stadt einzigartig! Überall am Ufer und auf den Plätzen hatten die Menschen ihre Zelte aufgeschlagen; Straßenverkäufer, Musiker, etc. waren zugegen! Scharen pilgerten auf den Berg hinauf, der ein bekannter Kreuzgang ist. Auch ich ging hinauf, Liane und Rachel hatten keine Lust. Die Aussicht war einfach atemberaubend und die Atmosphäre dort oben unbeschreiblich: so viele betende Pilger, dazwischen Verkäufer für alles Mögliche und ganze Familien, die das Osterwochenende am Titicaca See verbringen wollten. Einige kauften dort oben kleine Miniatur-Autos und –Häuser, die sie dann segnen ließen (mit Bier, Weihrauch und Tischfeuerwerk). Das soll Glück und Geld bringen für das kommende Jahr! Vor allem Autosegnungen sind hier sehr beliebt: wenn man ein neues Auto gekauft hat, dann wird das mit Blumen geschmückt und vor der Kirche gesegnet! J

Abends fand eine große Kar-Freitags-Prozession statt: vorweg wurde eine schwarz gekleidete Marien-Statue getragen, hinterher ein brennendes Kreuz und darauf folgte ein gläserner Sarg mit einer Jesus Statue, getragen von Menschen mit weißen spitzen Kapuzen und weißen langen Gewändern. Alles war sehr gespenstisch und gleichzeitig sehr feierlich! Es folgte eine Menge Menschen mit Kerzen, die auf ihrem Marsch durch die Stadt gemeinsam den Kreuzgang beteten. Wir gingen ein gutes Stück mit, hatten uns auch Kerzen besorgt und ich genoss die feierliche Atmosphäre. Im Anschluss gabs leckere Forelle!! *mmmmhhh*

Am Samstag besuchten Rachel und ich die „Isla del Sol“, eine für die Inkas sehr bedeutsame Insel, da hier der Legende nach die beiden ersten Inkas dem Wasser des Titicaca Sees entstiegen sind. Auf der Fahrt dorthin stürmte es leider, und unsere beiden verantwortlichen „Bootsmänner“, ca. 10 und 15 Jahre alt, waren wenig vertrauenserweckend. Doch sie brachten uns sicher ans Ziel... auf der Insel selber war der Boden mit Hagelkörnern bedeckt! Doch als wir ankamen, kam die Sonne raus und es wurde doch noch ein schöner Tag. Wir trafen eine nette Französin und gemeinsam wanderten wir vom Nordende bis zum Südende der Insel, besuchten einige historische Inka-Ruinen, wuschen unsere Hände im heiligen alten Inka-Brunnen, der niemals versiegt, und waren ganz begeistert von der schönen Landschaft! Echt ein toller Ausflug! J Die Bootsfahrt zurück war auch traumhaft, da nun die Sonne schien und wir an Deck sitzen konnten! Leider war unser Boot etwas langsam, weshalb wir nur mit Müh und Not den Bus erreichten, mit dem wir weiter nach Puno fahren würden, das auf der peruanischen Seite des Titicaca Sees liegt. Der Grenzübergang war problemlos und wir trafen in Puno Liane wieder, die schon 1 Tag hier gewesen war, da sie die Isla del Sol schon kannte. Aber mehr über die Osterfeierlichkeiten in Peru, sowie über weitere Inka-Ruinen und unsere tollen Tagen in Cusco schreib ich in ein paar Tagen, wenn wir von unserem Inka Jungle Trek zu Machu Picchu zurück sind! J

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