Samstag, 14. April 2012

Ein Trip in die Pampas - Tropen pur!

Es ist mal wieder viel passiert seit dem letzten Blog-Eintrag, und ich hab wenig geschrieben... daher kommt jetzt mal wieder ein längerer Blog mit vielen Updates und Stories! Ich sitze inzwischen in Cusco (Peru) in einem netten Hostel und schreibe über unsere letzten Tagen in Bolivien.

Die Gruppe mit der wir die dreitägige Pampas Tour in Rurrenabaque machten, war einfach klasse: Liane und ich, Annica (eine der beiden Schwedinnen, mit denen wir jetzt schon eine ganze Weile unterwegs waren) und ein Pärchen aus England, Georgina und Jim, die total nett waren. Sie hatte die letzten 2 Jahre in Nairobi gearbeitet, er hatte sie mehrfach besucht und auch einige Zeit dort gelebt und gearbeitet, und so hatten wir dauerhaft Gesprächsmaterial über Ostafrika!! Einfach toll, wie solche Erfahrungen sofort verbinden und man sich gleich sympatisch ist! Unser Guide, Marcello, war echt spitze! Er konnte gut Englisch, erklärte uns viel über die Natur und die Tiere und war sehr rücksichtsvoll im Umgang mit denselben. Das Essen war auch klasse, die ganze Tour war sehr empfehlenswert, alles in allem eine eine gute Agency („Dolphin Tours“). Strom hatten wir nur von 19 bis 21 Uhr, danach war Bettruhe. Und warmes Wasser gabs auch nicht, aber das brauchte man auch nicht, da es sehr warm und extrem schwül war.

Leider regnete es am ersten Tag in Strömen, und wir fuhren 2 Stunden mit dem Boot durch wahre Wasserfälle, die der Himmel von sich gab, um zu unserer Lodge inmitten der Pampas zu kommen. Pampas, das ist der Begriff für tropische Feuchtgebiete, die in der Regenzeit komplett überflutet sind und in der Trockenzeit von vielen Flüssen und Bächen durchzogen werden, incl. einiger Seen, die sich bilden. Da aktuell Ende der Regenzeit ist, war noch alles überflutet, incl. dem Gebiet um unsere Lodge herum, weshalb diese auf Stelzen im Wasser steht. Auf der Fahrt zur Lodge wussten wir vor lauter Regen gar nicht mehr wo oben und unten war! Um uns abzulenken und uns bei Laune zu halten, sowie um die Gruppendynamik zu stärken, sangen wir die komplette Fahrt: Disney-Lieder, Seemannslieder, Songs die etwas mit Wasser zu tun haben, mehrsprachige Kanons, etc. Lustig wars! J Wir waren bis auf die Unterwäsche durchnässt, als wir ankamen. Unserer Rucksäcke waren Gottseidank in einer Folie eingewickelt trocken geblieben... Also konnten wir uns trockene Sachen anziehen und erst mal einen heißen Tee trinken. Direkt wurden wir vom 3m langen Haus-Kaiman (Kaiman = südamerikanischer Aligator/Krokodil) „Pedro“ begrüßt, der um die Lodge herum sein Territorium hat und immer fröhlich dort rumschwimmt und sich brav fotographieren lässt. J

Abends gingen wir auf eine weitere Bootstour, diesmal ohne Regen, aber mit Taschenlampen. Wir sollten die Augen von Kaimanen entdecken, die im Taschenlampenschein rot leuchten. Echt gruselig sieht das aus, wenn mehrere rote Augenpaare aus dem Dickicht leuchten und man mit dem Boot direkt darauf zu fährt. Wir fanden einige kleine Baby-Kaimane, einen richtig großen und ein paar mittelgroße. Ich war ziemlich gut drin, sie aus dem fahrenden Boot zu entdecken, hatte auch richtig Spaß dran! J Wie in Afrika auf der Pirsch, nur eben anderen Tiere und nachts! J

Am nächsten Morgen starteten wir mit dem Boot, um Tiere zu beobachten und Anakondas und andere Schlangen zu finden. Während der Bootsfahrt sahen wir verschiedene Affenarten (u.a. Brüllaffen, Kapuzineräffchen), Nasenbären, Tucane, Schildkröten, viele tropisch-bunte Vögel, besonders viele Greifvögel, und so weiter. Wir legten bei einer kleinen Insel an und als erstes fanden wir frischen Capivara-Kot und Spuren – das sind die größten Nager der Welt, haben die Größe eines mittelgroßen Schweins und sehen aus wie überdimensionale Meerschweinchen-Biber-Kreuzungen mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen (zu deutsch: Wasserschwein). Später am Tag entdeckten wir sogar eins, sahen es aber nur ganz kurz, die sind momentan schwer zu finden. Auf der Insel gingen wir auf Schlagen-Jagd – d.h. Marcello suchte und wir liefen hinterher! J Als erstes fanden wir eine Klapperschlange unter einem Baumstamm zusammengerollt. Die südamerikanischen Klapperschlangen haben keine Klapper am Schwanz, aber sonst sehen sie recht ähnlich aus wie die Nordamerikanische. Wir ließen sie in Ruhe weiterschlafen! J Eine weitere Entdeckung war ein Frosch, der von einer kleinen blauen Schlange gefressen wurde und quiekte. Und dann fanden wir noch eine dicke Kröte sowie eine „kleine“ Tarantel, ein Mords-Viech! Die war echt spannend, und Marcello beglückwünschte uns zu diesem seltenen Fund! J Alles in allem ein sehr erfolgreicher Ausflug, wenn auch ohne Anakonda.

Wir fuhren gerade weg, als 2 Boote mit rund 30 lärmenden Israelis ankamen... gutes Timing, würde ich sagen! J Wir beobachteten weiter Tiere vom Boot aus und tuckerten gemütlich durch die Gegend, von einem Fluss durch viele Seitenarme in den nächsten – fließende Übergänge sind das hier im Amazonas-Becken. Der Amazonas selbst ist von dort übrigens weit weg. Plötzlich sahen wir einen rosa Flussdelfin – ein absolutes Highlight! Doch unser Guide versprach uns, dass wir noch mehr sehen würden und auch mit ihnen schwimmen können. Tatsächlich entdeckten wir kurze Zeit später noch mehr der Süßwasserdelfine und gingen alle nach und nach ins Wasser um mit ihnen zu schwimmen und sie womöglich auch zu streicheln, falls sie freiwillig herkommen. Wo die Delfine im Wasser sind, ist es sicher zu schwimmen, da dort keine Kaimane und keine Piranhas hinkommen, da die Delfine natürliche Feinde von ihnen sind – so sprach unser Guide. Nur leider sagte uns keiner, dass die Delfine selber auch beißen. Von spielerischem, neugierigen Knabbern war die Rede, aber nicht von kräftigem Zubeißen und Ziehen – und genau das passierte Liane. Zuerst waren die Tiere ganz lieb und zutraulich, doch dann tauchten sie ab und bissen sie in den Fuß! Sie schrie und hatte echt Angst, die Delfine waren wirklich grob, und Annica und ich schwammen auf sie zu um die Delfine von ihr abzulenken, während die anderen mit dem Boot kamen, um uns alle wieder reinzuholen. Echt ein Schock... wir gingen alle nochmal ins Wasser, um die Angst vor den rosa Delfinen zu überwinden, doch so richtig Lust mit denen nochmal in Kontakt zu kommen hatten wir nicht.

Zurück im Boot aßen wir erst mal ein paar Kekse und entspannten uns wieder, als wir plötzlich eine Schlange aufs Boot zu schwimmen sahen. Erstaunt fragten wir Marcello, ob die giftig sei, denn wir seien doch vor 10 Minuten hier noch geschwommen und es sei doch sicher hier. Er meinte in aller Seelenruhe: jaja, die ist giftig, aber die Delfine fressen die normalerweise. Und wo waren die Delfine jetzt? Natürlich grad woanders... Naja, auch egal, ist ja nochmal alles gut gegangen und irgendwo war es auch lustig! Rosa Flussdelfine – das klingt so romantisch... doch dann entpuppen sie sich als fiese Viecher!! *grins* Abends, als wir von unserer Bar aus den Sonnenuntergang beobachteten, sprang nochmal einer aus dem Wasser – sehr malerisch, aber damit konnten sie es auch nicht gutmachen, dass wir sie jetzt doof finden! J

Am dritten Tag starteten wir sehr früh, um den Sonnenaufgang zu sehen. Wir waren das einzige Boot draußen und die Ruhe war einfach unbeschreiblich!! Die Stimmung war atemberaubend schön, um uns herum waren soooo viele Vögel und Affen und alles mögliche andere Getier. Und der Sonnenaufgang strahlte in den schönsten Farben und spiegelte sich im ruhigen Wasser! Traumhaft! Nach einem ausgiebigen Frühstück stand dann Piranha-Angeln auf dem Programm. J Als Köder diente ein schönes Stück Rindfleisch, denn das mögen die kleinen Fische sehr gern! Mit ganz primitiven Angeln und Haken zogen wir los. Unser Guide fing gleich in den ersten 5 Minuten einen. Ich folgte einige Minuten später und hatte auch einen an der Angel – stolz wie Oskar! J Doch Piranhas sind sehr geschickt, sie fraßen immer um den Haken herum die Köder von der Angel! Es sollte bis zum allerletzten Köderstückchen dauern, bis Jim auch noch einen rauszog. 3 Piranhas, das ist eine etwas magere Ausbeute. Aber immerhin! J Und vor allem Spaß hats gemacht! Wir aßen noch in unserer Lodge zu Mittag und dann fuhren wir wieder mitm Boot 2 Stunden zurück zum Ausgangspunkt, wo der Jeep wartete der uns nach Rurrenabaque zurück brachte, diesmal ohne Regen und mit strahlendster Sonne! J

Alles in allem waren die Tage in den Tropen echt klasse und wirklich einzigartig. Doch ich muss ehrlich zugeben, mir hats auch gereicht. Da gibt es viel zu viele kleine Tiere, die einen beißen und fressen wollen – Moskitos, Zecken, Blutegel, irgendwelche Fliegen, die ihre Eier gerne in menschlichen Füßen ablegen und anderes infektiöses Getier! Da sind Delfine, Kaimane und Piranhas echt noch harmlos. J Insofern war ich glücklich, als wir wieder in den Bus stiegen und nach La Paz fuhren, das mitten in den Anden auf stolzen 3600m liegt und wo ein angenehmes Klima herrscht. Berge, Kälte und Trockenheit – das ist mir allemal lieber als tropische Schwüle! J Doch mehr zu La Paz und Ostern am Titicaca See im nächsten Blog Eintrag!

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