Dienstag, 27. März 2012

Der Himmel auf Erden – und dann direkt in die Hölle!

Wir kamen in Samaipata am Samstag an und dachten uns anfangs, naja, 2 Tage werden schon reichen. Doch von Anfang an spürte ich die Ruhe und die einzigartige Atmosphäre in diesem Ort und fühlte mich auf Anhieb wohl. Wir waren in einem wunderbaren Hostel ("Andorino"), das einem Holländer gehörte und bekamen dort das beste Frühstück der gesamten Reise, mit deutschem Brot (!!!), viel Obst und selbstgemachter Marmelade! Als erstes erkundeten wir die Umgebung! Die Landschaft dort ist hügelig, alles voller Wald und zwischendrin viele kleine Bauernhöfe. Letztere machen leider vieles kaputt, da sie immer wieder Regionen abbrennen um fruchtbares Land zu kriegen und Sachen anpflanzen, die den Boden extrem auslaugen. Mit einer anderen, ökonomischeren Art von Landwirtschaft wäre hier allen gedient, der Natur und den Bauern. Aber der Regierung ist das egal und sonst interessiert es auch niemanden, außer Einwanderern, die um Land und Leute besorgt sind. Einer davon war Olaf, ein Ober-Österreicher, der seit 15 Jahren eine Tour-Agency („Roadrunners“) in Samaipata betreibt. Er hieß uns sehr willkommen, gab uns viele wertvolle Infos, wir bekamen gleich einen Kaffee und Kekse und es zeigt sich mal wieder die gute Connection zwischen Bayern und Österreichern! J Sein Geschäftspartner ist übrigens Hamburger, auch ein netter Typ.

Sehr schnell fanden wir heraus, dass 2 Tage wohl nicht ausreichen würden – und so wurden 6 paradiesische Tage draus! J Den ersten Tag wanderten wir zu „Los Vulcanes“, eine Region mit uralten inaktiven Vulkanen, wo es tolle Natur gibt, schöne Aussicht und heiße Quellen. Wir gingen in einem Canyon schwimmen und freuten uns über Affengebrüll im Regenwald und viele fliegende grüne Papageien. Unser Guide erklärte uns viel über die Heilpflanzen der Region und über die Natur hier im Allgemeinen. Ein toller Tag! Doch der nächste war noch viel besser! Wir machten eine Wanderung in die Region „Bella Vista“ auf einen der höchsten Berge dort, den „Cerro Cathedral“ – gemeinsam mit Österreicher Olaf und seiner deutschen Freundin! Die Sonne schien, die Gesellschaft war nett und die Aussicht war atemberaubend schön: 360 Grad herrlichste Landschaft, so weit das Auge reicht, ohne eine Menschenseele!! J Über uns sahen wir immer wieder Condore und auch mal einen Adler, am Wegesrand entdeckten wir Kakteen und Orchideen und viele andere Pflanzen. Olafs Freundin ist Biologin, das war aufschlussreich und wir konnten viel lernen! Zum Abschluss des Tages gingen wir baden bei einem Fluss, der drei herrliche Wasserfälle bildete unter denen man sich „duschen“ konnte! Sooooo malerisch! J Nach diesem tollen Tag gingen wir noch gemeinsam mit Olaf und Sandra zum Essen in die „Vaca Loca“, die verrückte Kuh, ein Restaurant von einem deutschen Auswanderer. Hier sind Unmengen von Auswanderern, vor allem viele Deutsche und Holländer. Verständlich, wenn man den Himmel auf Erden findet!! J

Am Dienstag gingen wir zum Reiten. Wir wollten einen ganzen Tag ausreiten und hatten beim Refugio (Auffangstation für Tiere in Samaipata, ein echtes Paradies für Mensch und Tier!!) Pferde gemietet. Doch leider konnte unser Guide, Hector (ein argentinischer Volunteer), sich nicht sonderlich gut auf dem Pferd halten. Er war echt nicht sattelfest und hatte obendrein das unruhigste Pferd! Wir haben echt nicht so viel Glück mit unseren Reitguides. Liane und ich beschlossen nach 10 Minuten, dass es für Pferd und Reiter unverantwortlich wäre, wenn wir den ganzen Tag unterwegs sind, da das Pferd echt malträtiert wurde. Da wir ihn nicht vor den Kopf stoßen wollten, weil er sehr nett war, sagten wir ihm, dass wir uns unwohl und nicht sicher fühlen mit unseren Pferden! Eine glatte Lüge, aber es funktionierte! *grins* Er zeigte Verständnis und wir ritten zurück um dann eine kleinere Runde (nur 2-3 Stunden) zu reiten. Die erste Galoppstrecke war auch problemlos, bei der zweiten allerdings haute er seinem Pferd die Hacken in die Flanken, wie in einem Comic, wenn einer losreiten will. Das Pferd fing aus dem Stand zu galoppieren an und er flog in die Luft – wie im Comic!! *hahaha* Er hielt sich und preschte davon. Wir ritten kontrolliert hinterher. Hinter einer Kurve zeigte sich allerdings, dass er anscheinend vom Pferd gefallen war, da er einen aufgeschürften Arm hatte und sein Hut am Weg lag. Er war abgestiegen und tat so, als hätte er nur den Hut verloren und wir versicherten uns, dass es ihm gut geht und taten so, als würden wir ihm glauben, dass nix passiert sei. *grins* Im Refugio hüpften überall kleine Äffchen rum: Spider Monkeys, Brüllaffen und Kapuziner-Äffchen. Alle waren total zutraulich und rannten direkt auf uns zu und stellten sich hin wie kleine Kinder, die auf den Arm wollen. Wir fragten nach, ob sie lieb seien und dann spielten wir mit Hingabe mit den kleinen Tierchen. Soooo süß und soooo lieb! Nur ein kleiner frecher biss Liane und mich in den Finger, obwohl wir nix machten. Allerdings nur ganz leicht, so das es zwickte aber keine Verletzung entstand. Mistviech! ;-)

Nachmittags fuhren wir mit einer belgischen Familie mit zwei süßen kleinen Mädels (3 und 5 Jahre alt) zu „El Fuerte“, eine alte Inka-Stätte in den Bergen hinter Samaipata. Dort waren vor den Inkas auch schon andere Völker und danach die spanischen Eroberer. Ich war total begeistert und echt beeindruckt von der Inka-Kultur. Das war ein guter Einstieg in diesen Teil südamerikanischer Geschichte, ich freu mich auf mehr, was in Peru mit Sicherheit kommen wird! Hatten einen privaten Guide und haben echt viel gelernt! Voll gut!

Unseren letzten Tag im wunderschönen Samaipata verbrachten wir im Nebelwald mit einer geführten Wanderung, auf der wir einiges über den Dschungel, die riesigen Farne (die waren schon Dino-Futter, soooo alt sind die!!) und den „Amboro National Park“ erfahren durften. Es war eine tolle Dschungel-Wanderung, extrem beeindruckend!! Und auch einigermaßen anstrengend, denn wir mussten kreuz und quer über Bäume klettern, den Berg rauf und runter und wieder rauf und runter, sowie auf matschigen Pfaden an kleinen Bächen entlang. Doch es war einfach wunderschön und wir haben viele Schmetterlinge, andere Insekten und tolle andere Dinge gesehen und hatten eine Menge Spaß!! J In unserer Gruppe waren auch 4 nette Jungs aus Israel dabei. Rucksackreisende aus Israel sind hier keine Seltenheit, die treten meist in riesigen Gruppen auf. Nette sind dagegen eher ärmer gesäht, die meisten treten leider sehr respektlos gegenüber anderen Kulturen, Reisenden und der Natur auf. Außerdem bleiben sie gern unter sich, es gibt Tour-Operator, Hostels und Restaurants, die speziell auf Israelis ausgerichtet sind und wo alles auf Hebräisch steht und dort rotten die sich zusammen. Das macht es echt schwierig, sie als nette Mitreisende zu schätzen... Aber die 4 Jungs waren cool und sehr kritisch gegenüber der Politik ihres Landes und ihren Landsmännern gegenüber, und wir haben uns auch super über ihr Land, die Armee etc. unterhalten.

Nach diesen tollen Tagen haben wir dann beschlossen, Olafs Rat zu befolgen und über Trinidad nach Rurrenabaque zu fahren, denn die Strecke sollte sehr malerisch sein und auch weniger frequentiert von Touristen. Wir hatten Lust auf das „wahre Bolivien“ und machten uns auf die Reise. Diese sollte jedoch zum Höllentrip werden... aber lest selbst! Der Nachtbus von Santa Cruz nach Trinidad war super, sehr bequem und pünktlich, echt klasse! Doch in Trinidad schüttete es in Strömen und wir erfuhren, dass Busse die Strecke nach Rurre aktuell gar nicht fahren können. Also sind wir direkt in einen 4x4 Truck umgestiegen und damit losgefahren. Wir durften vorne in der Kabine sitzen, während hinten auf der Ladefläche (mit Dach!) auf Holzbalken noch so rund 10 Leute saßen. Die Straße war ein einziges Schlammloch, ein Bus (warum auch immer der da lang fuhr!!) blieb hängen und wir warteten 7 Stunden... unser Truck versenkte sich auch im Schlamm beim Versuch ein anderes Auto rauszuziehen, der Traktor, der dann kam konnte uns und das Auto easy rausziehen, blieb aber beim Versuch den Bus rauszuziehen selber stecken. Und das alles mitten in der Pampa, links und rechts nur Gras-Wasser-Land, dazwischen lagen Kaimane und viel anderes Getier und gegen Abend kamen TAUSENDE von Moskitos... ich hab fast keine Stiche bekommen, hatte mich rechtzeitig mit Anti-Mückenmittel eingesprüht und lange Sachen an. Aber Liane hat fast 100 Stiche kassiert, voll krass!!! :-( Irgendwann – leider erst in der Dämmerung, als die maximale Anzahl der Mücken aktiv war – kam unser Fahrer auf die Idee mit einem anderen Fahrzeug auf der anderen Seite des Busses Passagiere zu tauschen. Also mussten wir mit unseren Rucksäcken durch den Matsch auf der „Strasse“ entlang, teilweise bis Mitte-Wade im Wasser gehend... sind einge Male fast hingefallen, hatten aber nette Männer, die uns geholfen haben! Ohne die wäre ich echt verloren gewesen und mit mir alle meine Sachen! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie wir aussahen!! Das andere Auto war ein Mini-Lastwagen, wo wir alle hinten auf Holz-Sitzbänken untergebracht wurden. Damit kurvten wir nochmal 3 Stunden durch die Nacht bis zu einem Dorf, wo wir in einer Notunterkunft übernachteten, damit wir am nächsten Tag die Fahrt fortführen können. Der Lastwagen brachte uns (und ca. 30 Bolivianer, die teilweise nicht mal Spanisch sprachen, sondern nur irgendeine Stammessprache, weil sie im Dschungel leben) sicher zu einem weiteren Dorf. Dort bekamen wir endlich was Vernünftiges zu essen und stiegen um in ein vernünftiges Auto mit Vierradantrieb, um die letzten 5 Stunden Fahrt bequemer zurück zu legen. So, und dann waren wir nach über 48 Stunden Reise von Samaipata nach Rurrenabaque endlich da, sind in ein nettes Hotel eingecheckt, haben was Gutes gegessen und sind Abends erst mal in ne Bar gegangen und haben einen Long Island getrunken. Mit dabei auf diesem Höllentrip waren noch zwei nette Schwedinnen (die waren auch bereits mit uns in der Mine in Potosí, haben sie voll zufällig in Trinidad getroffen und dann waren sie auch noch im gleichen Truck!!), die hatten nicht mal Essen und Wasser dabei, die haben Liane und ich von unseren Vorräten mitversorgt.

Wir brauchten erst mal zwei Tage um uns von diesem Abenteuer zu erholen... Inzwischen sind sowohl wir als auch unsere Sachen auch wieder einigermaßen sauber (hab 20 Minuten meine Wanderschuhe geputzt, mit denen ich leider knöcheltief im Matsch stecken geblieben war... so dass der Matsch oben reingelaufen ist! *grins*). Hier ists schweineheiß und sehr schwül, mussten uns erst mal akklimatisieren. Tja, und jetzt starten wir morgen eine dreitägige koordinierte, geführte Pampas-Tour, in der Hoffnung, dass es uns dann hier im Amazonas-Becken mit all dem Dschungel, den Tieren und dem Klima besser gefällt, als auf dieser Sch...-Fahrt hierher! J Aber ich bin zuversichtlich und freu mich drauf!!

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