Es war höchste Zeit, endlich an die Küste zu kommen und ein
wenig zu entspannen, nach so vielen kulturellen Eindrücken und körperlicher
Betätigung! J Wir
starteten damit in Ica, bzw. in Huacachina, einer herrlichen Oase inmitten von
Sanddünen, die auf dem Weg von Nasca ans Meer liegt. In einem total netten
Hostel (Desert Nights) quartierten Rachel und ich uns für 2 Nächte ein. Die
Sonnenuntergänge vom „Gipfel“ der Sanddüne waren hinreißend und wir saßen gemütlich
mit unserem Sundowner im Sand und freuten uns unseres Lebens!! J Ich war auch ganz
begeistert, dass in jeder einzelnen Bar um die Oase rum die Champions League
Spiele gezeigt wurden. Ausschlafen, Essen, Sonnen, Fußball schauen, Sundowner
auf der Düne... gut, oder? J
Für den Nachmittag des FCB Spiels hatte ich jedoch um 16 Uhr eine Tour gebucht
mit dem Sandbuggie über die Dünen zu fetzen und Sandboarden zu gehen. Ich war
fest davon überzeugt, dass das Spiel bis dahin aus sein müsste. Doch kurz vor
Ende der Verlängerung wurde ich vom Fernseher weg geholt... *argh* Geschlagene
2 ½ Stunden versuchte unser Guide mich davon zu überzeugen, dass Bayern
verloren hatte! *lol* Doch ich glaubte ihm nicht – und behielt recht! *juhu* Der
Ausflug in die Wüste war cool, das Sandboarden (auf dem Bauch liegend auf einem
Snowboard die steile Seite der Düne runtersausen) war zwar einigermaßen
halsbrecherisch, aber saulustig!! J
Und unser Fahrer war klasse mit dem Sandbuggie und wir flogen nur so über die
Dünen!! J
Unser weiterer Weg führte uns nach Pacaras, nahe Pisco, an
der Südküste Perus. Dort machten wir eine Tour zu „Poor Man’s Galapagos“,
einige Inseln, die für ihren Tierreichtum bekannt sind. Die Bootstour war etwas
enttäuschend, denn der Name der Insel ist etwas übertrieben, ich hatte mir mehr
erhofft... Wir sahen zwar Delfine, Seelöwen und unendlich viele Vögel,
unvorstellbar viele sogar, aber es waren sehr viele Boote mit sehr vielen
Menschen unterwegs, wir hatten lärmende Israelis an Bord, die Erklärungen des Guides
waren dürftig, und nach gut 2 Stunden war der Spaß vorbei. Naja, war auch nicht
so schlimm, war nicht so teuer gewesen! ;-)
Eine wahre Bus-Odyssee brachte Rachel und mich von Paracas
über Pisco nach Lima und von dort ohne längeren Aufenthalt direkt weiter mit
dem Nachtbus nach Huaraz! Ja, wir wollten eigentlich ans Meer, aber Huaraz
musste mit auf unserer Route liegen und war einen Abstecher in die Berge wert!!
Dieser Ort liegt inmitten von den malerischsten und schönsten Bergen, die man
sich nur vorstellen kann. Der hübsche Berg, den man von „Paramount Pictures“
kennt, ist von der Stadt aus gut sichtbar. Und rundrum sieht man riesige,
schneebedeckte Gletscher, schroffe Felsen und traumhafte Täler! Das Wetter war
toll und wir machten eine wunderbare lange Wanderung zur „Laguna 69“ – beworben
als der schönste Bergsee der Welt. Und dieses Versprechen konnte die Lagune
auch halten: tiefblau, so eine Farbe hab ich noch nie gesehen, direkt unter
einem Gletscher auf 3800m Höhe! Ich war hingerissen und völlig begeistert von
der Schönheit der Landschaft! Und was mich am meisten freute: selbst nach 4
Monaten Reisen durch Südamerika und dem Besuch von vielen bezaubernden Orten,
bin ich immer noch begeisterungsfähig und lasse mich gerne beeindrucken! J Ein weiterer Pluspunkt
an diesem Tag: wir waren mit 2 total netten Israelis unterwegs, mit denen wir
uns super unterhielten und die sehr hilfsbereit und freundlich waren!
Nach dieser Wanderung beschloss mein Körper jedoch endgültig
zu signalisieren, dass er müde sei und eine Pause will. Und Rachel wollte
ohnehin endlich an den Strand und in die Sonne, um braungebrannt nach Hause zu
kommen! J Also
fuhren wir wie geplant nach Trujillo an der nördlichen Küste von Peru und von
dort direkt nach Huanchaco, ein kleiner Ort direkt am Meer. Wir checkten in
einem netten Hostel ein, das direkt am Strand lag. Für die kommenden 2 Tage gab
es erst mal nix anderes außer Hängematte, Strand, Lesen und gutes Essen
(Seafood!!). Das tat gut! J
Wir lernten ein paar nette Leute im Hostel kennen, aber außer einigen Surfern
und aufdringlichen Einheimischen war im Ort wenig los. Aus unserer geplanten
Party-Nacht wurde also leider nix. Doch das machte nix, wir waren ganz
entspannt und genossen die Sonnenuntergänge am Strand und die Ruhe! Morgens
wachte ich mit Meeresrauschen und Vogelgezwitscher in den Ohren auf – was
wünscht man sich mehr? J
Von Huanchaco aus besuchten Rachel und ich gemeinsam mit
Zan, einer total lieben Canadierin (mit der ich später noch einige Tage
unterwegs war) und Kim, einer sehr alternativen New Yorkerin, zwei großartige
Ausgrabungsstätten: „Chan Chan“ und den „Tempel des Mondes“. Beide Stätten sind
von Pre-Inka Kulturen und mehr als 1000 Jahre alt. In Chan Chan hatten wir
einen total netten älteren Herren als Guide, der uns viel erklärte und die alte
Stadt mit Leben erfüllte. Er spielte an der geheiligten Oase in den Ruinen
Flöte für uns, um uns die Atmosphäre des Ortes näher zu bringen – wirklich
magisch! Die Ruinen sind voller alter Gravuren von Fischen, Pelikanen und
Ähnliches, außerdem fand man viele Keramik-Arbeiten. So kann man vieles der
alten Kultur rekonstruieren, obwohl sie aufgrund der kriegerischen Inkas
untergegangen ist und dann aufgrund der Spanier alle Spuren verloren gingen.
Der Tempel des Mondes auf der anderen Seite von Trujillo
liegt etwas abseits von der Küste. Direkt daneben ist der Tempel der Sonne, der
aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist, da dies eine aktuelle
Ausgrabungsstätte ist. Von ausländischen Geldern finanziert ist dies momentan
einer der größten Ausgrabungsorte Perus mit vielen Archäologen aus aller Welt
in Kooperation mit den Peruanern. Die Tour war spannend und der Tempel absolut
einzigartig!! Ich war völlig überrascht und fand diesen Ort fast faszinierender
als Machu Picchu... J
5 Tempel liegen hier übereinander – jedesmal wenn eine Generation beschloss,
einen neuen zu bauen, wurde der alte mit Opfergaben bestückt und versiegelt. Deshalb
wurden richtig viele intakte Vasen und andere Keramik gefunden, sowie
Schmuckstücke und Gräber, die man in einem nahegelegenen Museum bestaunen kann.
Es wurden damals auch Menschenopfer dargebracht: junge Männer zwischen 18 und
35 kämpften gegeneinander und der Sieger wurde dann geopfert – das war eine
Ehre! Über 80 Skelette wurden bisher gefunden! Der Tempel ist übersät mit
Malereien in den originalen Farben – ganze Wände sind voll mit Bildern von
Tieren, Göttern, kulturellen Zeremonien, etc.! Und eine gesamte 7stufige Außenwand,
die bestimmt über 20 Meter hoch ist und die freigelegt wurde, ist kunterbunt
bemalt!! WOW!! J
Nach 5 Tagen in Huanchaco nahte der Abschied von Rachel. Sie
flog am 5. Mai von Lima nach Schottland, und so verabschiedeten wir uns am 3.
Mai in Trujillo! Ich war wirklich traurig, denn in Rachel hatte ich eine total nette,
unkomplizierte und lustige Reisebegleitung gefunden, die für jeden Spaß zu
haben war, mit der ich jedoch auch auf langen Busfahrten und Wanderungen
tiefgründige Gespräche führen konnte! Es waren tolle Wochen mit ihr, die ich
sehr genossen habe! Ich freue mich, so eine liebe Freundin hier in Südamerika
gefunden zu haben und bin mir sicher, dass ich sie irgendwann in nicht allzu
ferner Zukunft besuchen werde!! J
Europa ist ja Gottseidank kleiner als dieser Kontinent hier! J Gemeinsam mit Zan stieg
ich in den Nachtbus gen Norden nach Máncora, eine Party- Beach-Town voller
Surfer und Backpacker, während Rachel nach Lima fuhr.
In Máncora waren der Strand weiß, das Meer warm und die
Leute aufgeschlossen und nett. Unser Hostel (Kokopelli) war eine Oase der
Fröhlichkeit und hatte sogar einen Pool! J
Zan und ich bekamen gleich Frühstück an dem Morgen, an dem wir ankamen und
fühlten uns direkt wohl! Das Internet im Hostel war super, also konnte ich auch
mit zuhause Skypen! Schnell fand sich eine nette Gruppe von Leuten zusammen,
mit denen wir die kommenden 2 Tage verbrachten: 3 Engländer, 2 Kiwis, Zan und
ich! Baden, sonnen, ratschen, Surfern zuschauen – so sah mein perfekter
Strand-Tag aus! J Abends
war leider Stromausfall in der ganzen Stadt – wir gingen in ein peruanisches
Thai-Lokal (sehr lecker!) und danach feierten wir am Strand, da alle Bars
aufgrund des Stromausfalls geschlossen hatten! J
Surfen ging ich nicht, auch wenn die 2 Jungs aus Neuseeland
mir anboten, es mir zu zeigen und mit mir zu üben. Seit ich damals in
Australien den Unfall hatte, ist mir dieser Sport nicht mehr so geheuer...
*grins* Stattdessen gingen Zan und ich am Strand reiten – natürlich ganz
kitschig: im Bikini im Sonnenuntergang!! Und dann am nächsten Vormittag gingen
wir gleich nochmal, weil es so schön war, denn wir wollten etwas weiter den
Strand runter. Nur leider rieb der Sattel recht stark an meinem Bein, was ich
lange nicht so richtig bemerkte, und natürlich hatte ich keine lange Hose an...
das Resultat: eine recht große Wunde, vergleichbar mit einer Brandwunde, die
die letzten 10 Tage immer wieder zu nässen anfing... baden war damit gestrichen
und Sandstrand auch. Mit Hilfe von Krissi’s großartigem Erste-Hilfe-Koffer, den
ich zu Weihnachten von ihr bekommen hatte, versorgte ich sorgfältig jeden Tag
die Wunde und inzwischen sieht sie schon viel besser aus! Aber eine Narbe wird
wohl als Souvenir vom romantischen Ritt am Strand von Máncora bleiben! J
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