Donnerstag, 3. Mai 2012

Inka Jungle Trek und Machu Picchu

Wir trafen in unserem Hostel in Cusco Amanda oder auch „AJ“ genannt, eine total liebenswerte Australierin aus Melbourne. Gemeinsam mit ihr zogen Rachel und ich los um den beliebten 4-tägigen „Inka Jungle Trek“ nach Machu Picchu zu buchen. Mit etwas Verhandlungsgeschick („In einer anderen Agentur haben wir das gleiche Angebot für US$170 bekommen...“ etc. *grins*) bekamen wir einen superguten Deal und ich bekam nochmal US$20 Rabatt für meinen Studentenausweis, der noch gültig ist. J Und so gings am Samstag den 14.4.2012 los!


Die Gruppe bestand aus 3 argentinischen Jungs, alles junge Staatsanwälte auf Perureise, 1 alleinreisender älterer Argentinier, 1 Schwede, 1 Neuseeländer, 1 Franzose, und wir drei Mädels. Unser Tourguide, René, war sehr lustig und total nett. Er schien sehr erfahren und umsichtig, aber gleichzeitig immer für einen Scherz aufgelegt und abends regelmäßig für ein Feierabendbier zu haben! Er nannte uns vom ersten Moment an seine „Rosa Meerschweinchen“... ein super Gruppenname, der allseits für Gelächter sorgte!! J Die Truppe war ein echter Glücksgriff, wir verstanden uns alle super, hatten ein ähnliches Wandertempo und wuchsen innerhalb kürzester Zeit zu einem guten Team zusammen!

Unsere erste Etappe führte uns mal wieder auf über 4000m – allerdings mit einem Minivan. Die Fahrt dauerte den ganzen Vormittag, da wir durch das ganze Sacred Valley fuhren und dann hoch in die Berge über einen malerischen Pass. Unterwegs sahen wir viele einsame Dörfer, Ruinen und etliche (teils unterernährte) Kinder und Hunde am Straßenrand. Unser Fahrer verteilte Brote und Semmeln – gleichermaßen an Kinder wie an Hunde. J Auf dem höchsten Punkt bestiegen wir unsere Mountainbikes und dann gings erst mal DOWNHILL die Passstraße entlang!! Genial!! Mit der Erfahrung von der Death Road aus Bolivien legte ich mich ordentlich in die Kurven und hatte echt Spaß an den hohen Geschwindigkeiten! Allerdings war 95% der Straße geteert, insofern war es weniger Gehoppel als auf der Death Road! J Highlights waren die rund 10 Flüsse, die wir überqueren mussten, d.h. wir fuhren mitten durch! Das bescherte uns natürlich patschnasse Klamotten, aber wir waren gewarnt worden. *grins* Und als es irgendwann in Strömen zu regnen begann, war’s dann eh egal. Doch der Regen tat dem Spaß keinen Abbruch und wir cruisten fröhlich weiter den Berg runter.

Nass bis auf die Unterwäsche stiegen wir nach rund 2 ½ Stunden wieder in unseren Van um nach St. Maria zu fahren. Dort sollten wir an diesem Nachmittag eine kleine Rafting Tour machen. Doch leider war die Straße gesperrt aufgrund eines Erdrutsches und wir steckten rund eine Stunde fest, bevor wir durchgewunken wurden. Also kamen wir etwas spät in dem Ort an und außerdem war der Fluss zu hoch um Raften zu gehen. Das Geld, das wir bereits bezahlt hatten, bekamen wir anstandslos zurück gezahlt, und den Nachmittag verbrachten wir alternativ mit trocken werden, Fußball spielen und ratschen. Das Essen auf dem Trip war insgesamt sehr gut, nur manchmal ein bisschen wenig. Doch auf Nachfrage bekamen wir immer etwas mehr. J Den Abend verbrachten wir in einer Kneipe und ich spielte gegen einen der argentinischen Jungs Kicker. Wir spielten das Championsleage Halbfinale und Finale aus, und ich (=Bayern München) gewann! Ein gutes Omen! J Dann spielten wir noch ein paar Länderspiele und ich (=Deutschland) gewann auch die EM! J Hehe, ob das am Alkoholkonsum des Argentiniers oder an meinen Kickerfähigkeiten lag, möchte ich an dieser Stelle offen lassen... *grins*
Am zweiten Tag gings morgens früh um 6 Uhr los. Dies sollte unser langer Wandertag werden. Anfangs gings am Fluss entlang und der Weg war „Inka-flach“ (Definition: ein leichtes aber stetiges Auf und Ab des Weges). Dann kam ein steiler Aufstieg in Serpentinen der Berg hinauf – puh, das war schweißtreibend! Zur „Motivation“ bemalte uns René mit natürlichen Farben (Amazonenbemalung!! Siehe Bilder!) und überzeugte uns, dass das gutes Antimoskitomittel sowie natürlicher Sonnenschutz sei. Wir sahen alle soooo lustig aus – im Gegensatz zu den anderen Gruppen vielleicht etwas lächerlich! *grins* Als Rache bemalten wir sein Gesicht wie ein Clown! J Er trieb uns an, da er nicht wollte, dass wir in der Mittagssonne den Steilhang weiter rauf müssen. Und so waren wir um 10 Uhr bereits oben angekommen. Wir waren deutlich schneller als andere Gruppen, die auf dem gleichen Trail unterwegs waren und hatten daher immer ein wenig mehr Zeit an den Aussichtspunkten und beim Essen. J Die Landschaft war atemberaubend, ein ewig langes Tal mit einem malerisch mäandernden Fluss und hohen, teils schneebedeckten Gipfeln in der Ferne. Wir sahen auch coole Vögel und interessante Pflanzen, René zeigte und erklärte uns vieles. Es ging weiter durch dichte Vegetation mit riesigen Blumen und zwischendurch kamen wir immer wieder an Häusern vorbei, wo wir kalte Getränke kaufen und uns ein bisschen ausruhen konnten. Mittags hatten wir über eine Stunde Zeit, machten ein gemütlichen Nickerchen in den Hängematten und ich hatte das Gefühl, so glücklich zu sein, wie ein Mensch nur sein kann!! J
Am Nachmittag gings „Inka-Flach“ weiter bis wir zum Fluss kamen. Dort war leider der Weg meist nicht mehr vorhanden, da etliche Erdrutsche stattgefunden hatten. Bei einem meinte René mal „oh, der war letztes Mal noch nicht hier...“. Sehr vertrauenserweckend zu wissen, dass das anscheinend jederzeit passieren kann. Doch die Sonne strahlte die ganze Zeit, es war ein Tag zum Götterzeugen (wie meine Mutter so gerne sagt! J)! Wir kletterten also über die Felsen und fanden unseren eigenen Weg. Wir balancierten über Baumstämme über den Fluss und schaukelten über Hängebrücken. Und zu guter Letzt überquerten wir den Fluss nochmal in einer kleinen, handbetriebenen Gondel. Am Ende des Tages warteten heiße Quellen auf uns – großartig! J Wir genossen eine Stunde lang das warme Wasser direkt neben dem Fluss und das Bier hatten wir uns auch verdient! Danach gings allerdings nochmal eine Stunde den Berg rauf nach St. Teresa, wo wir unsere zweite Nacht verbrachten. Ein paar der Jungs gingen nochmal was trinken, aber wir Mädels waren müde und fielen glücklich und erschöpft ins Bett. Rund 10 Stunden Wandern (plus Unterbrechungen) waren doch anstrengend, auch wenn dieser Tag so schön war, wie ein Tag nur sein kann!
Tag 3: Es ging wieder früh los, allerdings nicht mit Wandern, sondern mit Ziplinen! Ich, AJ, der Schwede und der Kiwi fuhren mit vielen anderen Menschen rauf auf den Berg hinter St. Teresa, wo eine Agentur sechs Kabel über das Tal gespannt hat und man – mit Aussicht Richtung Machu Picchu – das Tal entlang zipt. Eine tolle Erfahrung mit toller Aussicht! Wir „Rosa Meerschweinchen“ waren mal wieder die Spitze der Gruppe und rasten fröhlich quietschend über die Schlucht! Die Ziplines waren nicht so lang wie die, die ich letztes Jahr in Laos erlebt habe, aber sie waren schnell und die Landschaft einfach einzigartig! Spaß macht das immer wieder! J 
Der Rest unserer Gruppe wanderte unterdessen am Fluss entlang weiter. Zum Mittagessen trafen wir uns alle wieder, da wir mit einem Minibus zu dem Treffpunkt gebracht wurden. Die Forelle mittags konnte ich leider nicht essen, meine (überstandene!!) Lebensmittelvergiftung war mir noch zu gut im Gedächtnis... ich bekam dafür Spiegeleier, das war mir lieber! J Den Nachmittag wanderten wir die Bahnschienen entlang, die sich durchs Tal am Fluss entlang ziehen. Ein gemütlicher Weg ohne Anstrengung mit hübscher Landschaft. Irgendwann deutete René nach oben und dort sahen wir Machu Picchu auf dem Gipfel! Dort sollten wir also morgen sein! J
Die Nacht verbrachten wir in Aguas Calientes. Dort angekommen brachte René uns Mädels in eine andere Unterkunft als die Jungs. Wir fragten uns erst mal was das sollte, und er meinte, wir hätten über einen anderen Anbieter gebucht, also seien wir anders untergebracht. Na gut... doch das erwies sich als Glücksfall, da wir in einem total hübschen Hotel waren mit eigenem Bad, heißem Wasser (ja, das ist leider keine Selbstverständlichkeit) und sehr bequemen Betten! J Wir besuchten wieder die Termalquellen im Ort und trafen dort Filip wieder, den netten Schweden, der mit seiner aktuellen Gruppe auch am nächsten Tag Machu Picchu besuchte und deswegen vor Ort war. Wir erzählten begeistert von unserem Trek und er ging auch noch mit unserer Gruppe Abendessen. Das war allemal spannender für ihn als mit seinen alten Schweden... 
Der nächste Morgen begann um 4 Uhr für uns... *uff* Wir hatten beschlossen, dass wir den Berg hinauf gehen wollten statt den (teuren) Bus zu nehmen. Wenn wir schon nach Machu Picchu gehen, dann auch komplett! Leider erwies sich der Berg als absolute Herausforderung so früh am Morgen ohne Frühstück und ohne Sicht – Rachel und ich schnauften und schwitzten ordentlich!! Da es die ganze Nacht geregnet hatte und immer noch nieselte, waren die (unregelmäßigen und viel zu hohen) Stufen auch noch nass und rutschig... was haben sich die Inkas denn bei diesen Stufen gedacht?? Die waren doch recht klein, die mussten da wohl zum Teil auf allen Vieren rauf! Unglaublich! *grins* Doch nach langem Fluchen kamen wir um kurz nach 6 Uhr endlich oben an! Uns erwartete... Nebel. Wir sahen erst mal... nix. Doch das war egal, Hauptsache angekommen. In dem Nebel sah alles mystisch und gespenstisch aus, die Ruinen wirkten total surreal und aus einer anderen Welt! Wir bekamen eine 2stündige Tour und lernten so einiges über die Geschichte der Stadt, den Tempel der Sonne, verschiedene wichtige Steine und so weiter... ich war leider zu müde und hörte kaum zu. Aber man kann ja gottseidank alles nachlesen! J Fasziniert schaute ich mich in der Ruinenstadt um, bestaunte die Konstruktionen und freute mich über die dort grasenden Lamas.
Für 10 Uhr hatten wir drei Mädels die beliebten Sondertickets ergattert um Huayna Picchu zu erklimmen (pro Tag dürfen da nur 400 Menschen rauf). Das ist der Berg hinter Machu Picchu, den man auf so vielen Fotos sieht. Und von oben hat man einen tollen Blick auf die gesamte Ruinenstadt und erkennt deren Form: ein fliegender Condor. Ich sah eher einen Schmetterling darin... J Der Berg war anstrengend, aber seine Mühe wert! Oben angekommen riss tatsächlich die dichte Wolkendecke auf und wir hatten einen wunderbaren Blick auf die weltberühmten Ruinen!! Schon beeindruckend! Wir saßen über eine Stunde oben auf den Felsen, machten Picknick und genossen die herrliche Aussicht. Doch wenn man so drüber nachdenkt, dann sind es nur Steine auf einem Berg. Historisch bedeutsame Steine mit faszinierender Geschichte dahinter! Aber es gibt viele Stätten auf der Welt, die wohl ähnlich beeindruckend sind wie Machu Picchu. Warum nun genau diese Ruine in die „7 Neuen Weltwunder“ gewählt wurde, während beispielsweise Angkor Wat in Kambodscha nicht darunter ist, ist mir unverständlich.
Gegen 14 Uhr begann es wieder zu regnen... wir bummelten noch ein wenig durch die Ruinen, fanden den Rest unserer Gruppe wieder und schauten uns nochmal alles in Ruhe an! Dann beschlossen wir mit dem Bus runter nach Aguas Calientes zu fahren – das war allemal bequemer als im Regen zu Fuß die Stufen wieder runter zu gehen! Und wir waren der Meinung, jetzt seien wir genug gewandert! *grins* Unser Zug nach Ollantaytambo ging erst recht spät abends um 21:30 Uhr, also hatten wir richtig viel Zeit in Aguas Calientes. Dort fanden wir eine himmlische Bäckerei, wo wir etliche süße Teilchen und eine traumhafte heiße Schokolade verzehrten! Danach gingen wir direkt Pizzaessen – man gönnt sich ja sonst nichts... *hihi*

Rachel, AJ und ich blieben in Ollantaytambo übernacht, während der Rest der Gruppe zurück nach Cusco fuhr. Wir wollten jedoch am nächsten Tag noch weitere Ruinen besuchen. Doch dazu das nächste Mal mehr! 

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