Wir trafen in unserem Hostel in Cusco Amanda oder auch „AJ“
genannt, eine total liebenswerte Australierin aus Melbourne. Gemeinsam mit ihr
zogen Rachel und ich los um den beliebten 4-tägigen „Inka Jungle Trek“ nach
Machu Picchu zu buchen. Mit etwas Verhandlungsgeschick („In einer anderen
Agentur haben wir das gleiche Angebot für US$170 bekommen...“ etc. *grins*)
bekamen wir einen superguten Deal und ich bekam nochmal US$20 Rabatt für meinen
Studentenausweis, der noch gültig ist. J
Und so gings am Samstag den 14.4.2012 los!
Die Gruppe bestand aus 3 argentinischen Jungs, alles junge
Staatsanwälte auf Perureise, 1 alleinreisender älterer Argentinier, 1 Schwede,
1 Neuseeländer, 1 Franzose, und wir drei Mädels. Unser Tourguide, René, war
sehr lustig und total nett. Er schien sehr erfahren und umsichtig, aber
gleichzeitig immer für einen Scherz aufgelegt und abends regelmäßig für ein
Feierabendbier zu haben! Er nannte uns vom ersten Moment an seine „Rosa
Meerschweinchen“... ein super Gruppenname, der allseits für Gelächter sorgte!! J Die Truppe war ein
echter Glücksgriff, wir verstanden uns alle super, hatten ein ähnliches
Wandertempo und wuchsen innerhalb kürzester Zeit zu einem guten Team zusammen!
Unsere erste Etappe führte uns mal wieder auf über 4000m –
allerdings mit einem Minivan. Die Fahrt dauerte den ganzen Vormittag, da wir
durch das ganze Sacred Valley fuhren und dann hoch in die Berge über einen
malerischen Pass. Unterwegs sahen wir viele einsame Dörfer, Ruinen und etliche (teils
unterernährte) Kinder und Hunde am Straßenrand. Unser Fahrer verteilte Brote
und Semmeln – gleichermaßen an Kinder wie an Hunde. J Auf dem höchsten Punkt
bestiegen wir unsere Mountainbikes und dann gings erst mal DOWNHILL die
Passstraße entlang!! Genial!! Mit der Erfahrung von der Death Road aus Bolivien
legte ich mich ordentlich in die Kurven und hatte echt Spaß an den hohen Geschwindigkeiten!
Allerdings war 95% der Straße geteert, insofern war es weniger Gehoppel als auf
der Death Road! J Highlights
waren die rund 10 Flüsse, die wir überqueren mussten, d.h. wir fuhren mitten
durch! Das bescherte uns natürlich patschnasse Klamotten, aber wir waren
gewarnt worden. *grins* Und als es irgendwann in Strömen zu regnen begann, war’s
dann eh egal. Doch der Regen tat dem Spaß keinen Abbruch und wir cruisten
fröhlich weiter den Berg runter.
Nass bis auf die Unterwäsche stiegen wir nach rund 2 ½ Stunden
wieder in unseren Van um nach St. Maria zu fahren. Dort sollten wir an diesem
Nachmittag eine kleine Rafting Tour machen. Doch leider war die Straße gesperrt
aufgrund eines Erdrutsches und wir steckten rund eine Stunde fest, bevor wir
durchgewunken wurden. Also kamen wir etwas spät in dem Ort an und außerdem war
der Fluss zu hoch um Raften zu gehen. Das Geld, das wir bereits bezahlt hatten,
bekamen wir anstandslos zurück gezahlt, und den Nachmittag verbrachten wir
alternativ mit trocken werden, Fußball spielen und ratschen. Das Essen auf dem
Trip war insgesamt sehr gut, nur manchmal ein bisschen wenig. Doch auf
Nachfrage bekamen wir immer etwas mehr. J
Den Abend verbrachten wir in einer Kneipe und ich spielte gegen einen der
argentinischen Jungs Kicker. Wir spielten das Championsleage Halbfinale und
Finale aus, und ich (=Bayern München) gewann! Ein gutes Omen! J Dann spielten wir noch
ein paar Länderspiele und ich (=Deutschland) gewann auch die EM! J Hehe, ob das am
Alkoholkonsum des Argentiniers oder an meinen Kickerfähigkeiten lag, möchte ich
an dieser Stelle offen lassen... *grins*
Am zweiten Tag gings morgens früh um 6 Uhr los. Dies sollte
unser langer Wandertag werden. Anfangs gings am Fluss entlang und der Weg war „Inka-flach“
(Definition: ein leichtes aber stetiges Auf und Ab des Weges). Dann kam ein steiler
Aufstieg in Serpentinen der Berg hinauf – puh, das war schweißtreibend! Zur „Motivation“
bemalte uns René mit natürlichen Farben (Amazonenbemalung!! Siehe Bilder!) und
überzeugte uns, dass das gutes Antimoskitomittel sowie natürlicher Sonnenschutz
sei. Wir sahen alle soooo lustig aus – im Gegensatz zu den anderen Gruppen vielleicht
etwas lächerlich! *grins* Als Rache bemalten wir sein Gesicht wie ein Clown! J Er trieb uns an, da er
nicht wollte, dass wir in der Mittagssonne den Steilhang weiter rauf müssen.
Und so waren wir um 10 Uhr bereits oben angekommen. Wir waren deutlich schneller
als andere Gruppen, die auf dem gleichen Trail unterwegs waren und hatten daher
immer ein wenig mehr Zeit an den Aussichtspunkten und beim Essen. J Die Landschaft war
atemberaubend, ein ewig langes Tal mit einem malerisch mäandernden Fluss und
hohen, teils schneebedeckten Gipfeln in der Ferne. Wir sahen auch coole Vögel und
interessante Pflanzen, René zeigte und erklärte uns vieles. Es ging weiter
durch dichte Vegetation mit riesigen Blumen und zwischendurch kamen wir immer
wieder an Häusern vorbei, wo wir kalte Getränke kaufen und uns ein bisschen
ausruhen konnten. Mittags hatten wir über eine Stunde Zeit, machten ein
gemütlichen Nickerchen in den Hängematten und ich hatte das Gefühl, so
glücklich zu sein, wie ein Mensch nur sein kann!! J
Am Nachmittag gings „Inka-Flach“ weiter bis wir zum Fluss
kamen. Dort war leider der Weg meist nicht mehr vorhanden, da etliche
Erdrutsche stattgefunden hatten. Bei einem meinte René mal „oh, der war letztes
Mal noch nicht hier...“. Sehr vertrauenserweckend zu wissen, dass das
anscheinend jederzeit passieren kann. Doch die Sonne strahlte die ganze Zeit,
es war ein Tag zum Götterzeugen (wie meine Mutter so gerne sagt! J)! Wir kletterten also
über die Felsen und fanden unseren eigenen Weg. Wir balancierten über Baumstämme
über den Fluss und schaukelten über Hängebrücken. Und zu guter Letzt
überquerten wir den Fluss nochmal in einer kleinen, handbetriebenen Gondel. Am
Ende des Tages warteten heiße Quellen auf uns – großartig! J Wir genossen eine
Stunde lang das warme Wasser direkt neben dem Fluss und das Bier hatten wir uns
auch verdient! Danach gings allerdings nochmal eine Stunde den Berg rauf nach
St. Teresa, wo wir unsere zweite Nacht verbrachten. Ein paar der Jungs gingen nochmal
was trinken, aber wir Mädels waren müde und fielen glücklich und erschöpft ins
Bett. Rund 10 Stunden Wandern (plus Unterbrechungen) waren doch anstrengend,
auch wenn dieser Tag so schön war, wie ein Tag nur sein kann!
Tag 3: Es ging wieder früh los, allerdings nicht mit
Wandern, sondern mit Ziplinen! Ich, AJ, der Schwede und der Kiwi fuhren mit
vielen anderen Menschen rauf auf den Berg hinter St. Teresa, wo eine Agentur
sechs Kabel über das Tal gespannt hat und man – mit Aussicht Richtung Machu
Picchu – das Tal entlang zipt. Eine tolle Erfahrung mit toller Aussicht! Wir „Rosa
Meerschweinchen“ waren mal wieder die Spitze der Gruppe und rasten fröhlich
quietschend über die Schlucht! Die Ziplines waren nicht so lang wie die, die
ich letztes Jahr in Laos erlebt habe, aber sie waren schnell und die Landschaft
einfach einzigartig! Spaß macht das immer wieder! J
Der Rest unserer Gruppe
wanderte unterdessen am Fluss entlang weiter. Zum Mittagessen trafen wir uns
alle wieder, da wir mit einem Minibus zu dem Treffpunkt gebracht wurden. Die
Forelle mittags konnte ich leider nicht essen, meine (überstandene!!) Lebensmittelvergiftung
war mir noch zu gut im Gedächtnis... ich bekam dafür Spiegeleier, das war mir
lieber! J Den
Nachmittag wanderten wir die Bahnschienen entlang, die sich durchs Tal am Fluss
entlang ziehen. Ein gemütlicher Weg ohne Anstrengung mit hübscher Landschaft. Irgendwann
deutete René nach oben und dort sahen wir Machu Picchu auf dem Gipfel! Dort
sollten wir also morgen sein! J
Die Nacht verbrachten wir in Aguas Calientes. Dort
angekommen brachte René uns Mädels in eine andere Unterkunft als die Jungs. Wir
fragten uns erst mal was das sollte, und er meinte, wir hätten über einen
anderen Anbieter gebucht, also seien wir anders untergebracht. Na gut... doch
das erwies sich als Glücksfall, da wir in einem total hübschen Hotel waren mit
eigenem Bad, heißem Wasser (ja, das ist leider keine Selbstverständlichkeit)
und sehr bequemen Betten! J
Wir besuchten wieder die Termalquellen im Ort und trafen dort Filip wieder, den
netten Schweden, der mit seiner aktuellen Gruppe auch am nächsten Tag Machu
Picchu besuchte und deswegen vor Ort war. Wir erzählten begeistert von unserem
Trek und er ging auch noch mit unserer Gruppe Abendessen. Das war allemal
spannender für ihn als mit seinen alten Schweden...
Der nächste Morgen begann um 4 Uhr für uns... *uff* Wir
hatten beschlossen, dass wir den Berg hinauf gehen wollten statt den (teuren)
Bus zu nehmen. Wenn wir schon nach Machu Picchu gehen, dann auch komplett! Leider
erwies sich der Berg als absolute Herausforderung so früh am Morgen ohne
Frühstück und ohne Sicht – Rachel und ich schnauften und schwitzten ordentlich!!
Da es die ganze Nacht geregnet hatte und immer noch nieselte, waren die
(unregelmäßigen und viel zu hohen) Stufen auch noch nass und rutschig... was
haben sich die Inkas denn bei diesen Stufen gedacht?? Die waren doch recht
klein, die mussten da wohl zum Teil auf allen Vieren rauf! Unglaublich! *grins*
Doch nach langem Fluchen kamen wir um kurz nach 6 Uhr endlich oben an! Uns
erwartete... Nebel. Wir sahen erst mal... nix. Doch das war egal, Hauptsache
angekommen. In dem Nebel sah alles mystisch und gespenstisch aus, die Ruinen
wirkten total surreal und aus einer anderen Welt! Wir bekamen eine 2stündige
Tour und lernten so einiges über die Geschichte der Stadt, den Tempel der Sonne, verschiedene
wichtige Steine und so weiter... ich war leider zu müde und hörte kaum zu. Aber
man kann ja gottseidank alles nachlesen! J
Fasziniert schaute ich mich in der Ruinenstadt um, bestaunte die Konstruktionen
und freute mich über die dort grasenden Lamas.
Für 10 Uhr hatten wir drei Mädels die beliebten Sondertickets
ergattert um Huayna Picchu zu erklimmen (pro Tag dürfen da nur 400 Menschen rauf).
Das ist der Berg hinter Machu Picchu, den man auf so vielen Fotos sieht. Und
von oben hat man einen tollen Blick auf die gesamte Ruinenstadt und erkennt
deren Form: ein fliegender Condor. Ich sah eher einen Schmetterling darin... J Der Berg war anstrengend,
aber seine Mühe wert! Oben angekommen riss tatsächlich die dichte Wolkendecke
auf und wir hatten einen wunderbaren Blick auf die weltberühmten Ruinen!! Schon
beeindruckend! Wir saßen über eine Stunde oben auf den Felsen, machten Picknick
und genossen die herrliche Aussicht. Doch wenn man so drüber nachdenkt, dann
sind es nur Steine auf einem Berg. Historisch bedeutsame Steine mit
faszinierender Geschichte dahinter! Aber es gibt viele Stätten auf der Welt,
die wohl ähnlich beeindruckend sind wie Machu Picchu. Warum nun genau diese
Ruine in die „7 Neuen Weltwunder“ gewählt wurde, während beispielsweise Angkor
Wat in Kambodscha nicht darunter ist, ist mir unverständlich.
Gegen 14 Uhr begann es wieder zu regnen... wir bummelten
noch ein wenig durch die Ruinen, fanden den Rest unserer Gruppe wieder und
schauten uns nochmal alles in Ruhe an! Dann beschlossen wir mit dem Bus runter
nach Aguas Calientes zu fahren – das war allemal bequemer als im Regen zu Fuß
die Stufen wieder runter zu gehen! Und wir waren der Meinung, jetzt seien wir
genug gewandert! *grins* Unser Zug nach Ollantaytambo ging erst recht spät
abends um 21:30 Uhr, also hatten wir richtig viel Zeit in Aguas Calientes. Dort
fanden wir eine himmlische Bäckerei, wo wir etliche süße Teilchen und eine
traumhafte heiße Schokolade verzehrten! Danach gingen wir direkt Pizzaessen –
man gönnt sich ja sonst nichts... *hihi*
Rachel, AJ und ich blieben in Ollantaytambo übernacht,
während der Rest der Gruppe zurück nach Cusco fuhr. Wir wollten jedoch am
nächsten Tag noch weitere Ruinen besuchen. Doch dazu das nächste Mal mehr!
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