Ich hatte ja schon die ganze Zeit während meiner Reise den
Plan gehabt, einen Spanisch Kurs zu machen, doch nie hatte ich die Zeit
gefunden oder die Muße gehabt. Nun, in meinen letzten 2 Wochen in Südamerika
wollte ich es endlich angehen! Auf Empfehlung einer netten Deutschen, die ich
in Huanchaco getroffen hatte, buchte ich eine Woche Intensivkurs in Quito,
Ecuador. Ich wollte unbedingt hinauf zum Äquator – ich war am Anfang meiner
Reise am „Ende der Welt“ in Ushuaia gewesen und wollte nun bis zur „Mitte der
Welt“ kommen, bevor ich wieder nach Hause flog! Mit einem Nachtbus, der mehr
oder minder bequem war, fuhr ich in Begleitung von Boyd, einem der beiden
Neuseeländer, 16 Stunden von Máncora rauf nach Quito. Ich fühlte mich deutlich
sicherer einen großen Mann dabei zu haben bei der Grenze zwischen Peru und
Ecuador, da dieser Grenzübergang als zwielichtig bekannt ist. Doch alles war
ruhig, die Beamten waren nett und keiner wollte uns was klauen. *puh*
In Quito regnete es, weshalb der erste Tag hauptsächlich
drinnen verbracht wurde. Ich bummelte nur ein bisschen durch die Altstadt und
suchte meine Sprachschule, sonst blieb ich allerdings im Hostel und schlief, da
das im Bus kaum möglich gewesen war. Montagmorgen schlug ich dann bei der
Sprachschule auf und wurde direkt freundlich von Freddy, dem Besitzer, begrüßt!
Nach der offiziellen Anmeldung und allen Formalitäten lernte ich meine private
Lehrerin kennen: Teresa! Mitte 50, Mutter zweier Töchter und eine absolut
bodenständige, freundliche, aufgeschlossene und positive Person! J Wir verstanden uns auf
Anhieb und unterhielten uns bereits am ersten Tag auf Spanisch über Psychologie,
kulturelle Unterschiede der Depression, Alkoholismus in verschiedenen Ländern
und vieles mehr. Sie korrigierte mich, brachte mir viele neue Wörter bei und
jeden Tag paukten wir einige Lektionen Grammatik durch, bis die 4
Vergangenheiten, 2 Zukunftsformen, das Konditional und der Subjuntivo wieder einigermaßen saßen! Ich machte brav meine Hausaufgaben und hängte mich echt rein, denn ich
wollte wieder auf ein (mich persönlich) zufriedenstellendes Level meiner
Spanischkenntnisse kommen. Am letzten Tag des Unterrichts lobte mich Teresa für
meinen Fleiß und mein gutes Niveau, und bestärkte mich darin, weiter Spanisch
zu lernen, vor allem spanische Bücher zu lesen. Schlussendlich lud sie mich
ein, nach Ecuador zurück zu kommen und in ihrem Projekt mit misshandelten
Frauen alkoholkranker Männer zu arbeiten. Dafür muss ich aber noch besser
Spanisch lernen! J Aber
das gibt mir auf jeden Fall einen Ansporn... und ich wollte hier ja ohnehin in
einem Projekt arbeiten, was sich leider nicht ergeben hat! Es wird sich zeigen,
was die Zukunft bringt...
An den Nachmittagen besuchte ich alle Sehenswürdigkeiten der
Altstadt von Quito (Centro Historico) und fuhr natürlich auch zum Äquator, der
rund 25km nördlich der Stadt liegt. Das kleine Museum namens „Inti ñan“,
das hinter dem offiziellen Museum liegt, war mir von vielen Seiten empfohlen
worden. Hier verläuft der offizielle Äquator, der per GPS ausgemessen wurde. Man
kann einige Tricks bestaunen, die z.B. zeigen, dass links und rechts vom
Äquator das Wasser andersrum abfließt. Für meine „herausragende Leistung“ auf
dem Äquator ein rohes Ei auf einem Nagel zu balancieren, bekam ich sogar ein
Zertifikat! *lach* J
Leider hatte ich jedoch meinen Reisepass vergessen, denn in dem Museum kann man
sich (wie schon am Ende der Welt und in Machu Picchu) einen Stempel holen, dass
man hier gewesen ist. Schade, hätte diesen Stempel echt gern gehabt! L Naja, ist ja
eigentlich auch nix anderes als Farbe auf Papier! ;-)
Quito liegt inmitten von 22 Vulkanen – einige davon sogar
noch aktiv! Die Aussicht vom Hügel der Altstadt ist echt toll! In der Altstadt
von Quito sind unglaublich viele alte Kirchen aus der Kolonialzeit. Am besten
gefiel mir die große gotische Basilika, auf deren Türme man steigen kann und
von dort einen grandiosen Blick über die ganze Stadt hat! J Andere Kirchen sind
voller Gold und antiker Bilder. Faszinierend ist jedoch überall der Einfluss
von einheimischen Bräuchen auf die Kunst in den Kirchen. Auf Gemälden isst
Jesus beim letzten Abendmahl ein Meerschweinchen (Festtagsessen!), in manchen
Kirchen sieht man Fresken mit exotischen Früchten und Vögeln. Und die
Wasserspeier an der Basilika sind Tiere aus dem Urwald! Die einheimischen
Künstler haben sich auch den einen oder anderen Scherz mit ihren Kolonialherren erlaubt,
z.B. indem sie an alten Herrenhäusern in der Stadt die Balkone mit Engeln
verzierten – und einer davon hat einen riesigen Penis! J Die Stadt ist echt toll,
voller alter Kultur und Geschichte und schöner Gebäude. Leider ist sie recht
unsicher; abends nahm ich immer ein Taxi, da es nach Einbruch der Dunkelheit
auf den Straßen nicht mehr sicher ist herumzulaufen.
Ich wohnte für die Zeit der Sprachschule in einer Familie...
naja, das dachte ich zumindest. *grins* Ich wohnte bei einem Junggesellen,
Mitte 30, Schauspieler und Künstler. Wir führten lange Gespräche über Musik und
Theater, Filme und Kultur, Reisen und Geschichte. Leider verstand ich immer nur
die Hälfte, da er so schnell sprach und auch auf Aufforderung es nicht
schaffte, langsamer mit mir zu reden. *grins* Doch er war sehr nett und gastfreundlich,
wir kochten immer gemeinsam, das Essen war super und ich konnte mein Spanisch
üben. Außerdem hatte ich meine eigene kleine Wohnung mit separatem Eingang und Schlaf-,
Wohn-, Arbeitszimmer und Bad. Perfekt!! J
Die Woche in Quito war wirklich klasse, rundrum gelungen!
Am Freitag machte ich mich wieder auf den Weg nach Süden. Baños,
4 Stunden südlich von Quito war mein Ziel. Der Ort liegt mitten in den Bergen,
direkt am Fuße eines aktiven Vulkans, den man Nachts sogar manchmal grummeln
hört. Aktuell ist er jedoch recht ruhig, normalerweise kann man ihn sogar Lava
spucken sehen. Schade, dass ich das verpasst hab... J Doch Baños
ist ein toller Ort voller Charme und mit vielen Outdoor Optionen – und das auch
noch supergünstig. Hier konnte ich noch all das machen, was ich schon während
meiner ganzen Reise machen wollte und was sich nie ergeben hatte. Ich traf
bereits im Bus eine Gruppe lustiger Mädels aus Chicago, die in Quito ihr
Auslandssemester verbringen und ein Mädelswochenende machten! Gemeinsam gingen
wir am Samstagvormittag Raften, ein echt guter Fluss mit tollen Stromschnellen
und viel Action und Spaß!! Abends gingen wir feiern, in eine Bar und dann
Karaoke singen! *lach* Samstagabend kam AJ in Baños an, die nette Australierin,
die mit Rachel und mir den Inka Jungle Trek nach Machu Picchu gemacht hatte. Wir
hatten uns verabredet als wir bemerkten, dass unsere Wege sich wieder kreuzen, und
freuten uns riesig über das Wiedersehen!! Am Sonntag gingen wir gemeinsam
„Canyoning“, also „Schlucht-Wandern“ (das ist das deutsche Wort dafür!
*grins*). Als Erklärung: wir wanderten eine Schlucht entlang durch einen
kleinen Fluss und seilten uns über mehrere Wasserfälle ab. Der höchste war 45m
hoch!!! Soooooo toll!! J
Ich war total begeistert und freute mich, dass ich das noch machen konnte, in
meiner letzten Woche in Südamerika! Ich hoffe nur, dass alle Fotos auf der CD
sind, die wir bekommen haben... vom Raften hab ich leider keine, denn meine
Unterwasserkamera ist ja leider bereits am Anfang der Reise in Argentinien beim
Tauchen kaputt gegangen...
Baños ist auch bekannt für seine vielen Wellness Angebote und
Spas. Da hier alles echt bezahlbar ist, wollte ich mir das natürlich nicht
entgehen lassen. J Ich
beschloss, mir ein rundrum-glücklich-Paket zu gönnen: Massage, Reflexzonen-Massage,
Maniküre, Pediküre und Gesichtsbehandlung – all das für 35,- US-Dollar!! J Über 2 Stunden genoss
ich eine Behandlung vom Feinsten und ging anschließend mit polierten Nägeln und
Gesicht fröhlich mit AJ Abendessen. Danach fuhren wir noch auf eine 2stündige
Nacht-Tour auf einen Aussichtspunkt über der Stadt, von wo aus man
normalerweise den Vulkan sehen kann. Der sagte weder Muh noch Mäh, aber die
Nacht war sternklar und die Aussicht über Baños trotzdem schön!
Montagmorgen – es war mal wieder Stromausfall in der Stadt,
das scheint in ganz Südamerika ständig zu passieren, vor allem überall wo ich
hinkomme – startete ich meine letzte Etappe: den ganzen Weg runter nach Lima. Und,
man höre und staune, ich bin immer noch unterwegs! Ich sitze gerade im Bus; für
die letzten 16 Stunden habe ich mir einen Luxusbus von „Oltursa“ gegönnt, und
dieser Bus hat neben Essen und Getränken sogar Steckdosen und Internet. Genial!!
Das ist aber nach den letzten Bussen auch gut so, denn von Baños
fuhr ich nach Ambato und von dort nach Machala in einem normalen Bus voller
Ecuadorianer, die eine andere Vorstellung von persönlichen Grenzen haben als
unsereiner... Wir kamen zu spät in Machala an, weshalb ich nicht mehr weiter
fahren konnte nach Peru. Also blieb ich dort übernacht, um nicht in der
Dunkelheit an die Grenze zu kommen, ohne vernünftige Buscompany. Am nächsten
Morgen (Dienstag) fuhr ich dann weiter mit CIFA von Machala nach Tumbes. Dort
kam ich mittags an und beschloss weiter nach Máncora zu fahren um dort den
Nachmittag zu verbringen, bevor ich den Nachtbus nach Lima nehme. Das klappte
alles hervorragend! Ich genoss den Nachmittag am Strand und am Pool des netten Hostels
von vor 2 Wochen, und traf sogar einige Bekannte in Máncora wieder! J
Tja, morgen Mittag bin ich dann in Lima... Und dann hab ich
noch genau einen Tag, bevor ich nach Hause fliege... unvorstellbar, wie schnell
die Zeit verging... 131 Tage war ich dann insgesamt unterwegs! Es ist sooooo
viel passiert, ich habe sooooo viel erlebt und unendlich viel gelernt und
erfahren! Ich freue mich, dass ich all das sehen konnte, und gesund und munter
durch diese tollen Länder reisen durfte! Land und Leute, Sprache, Kultur und
Natur, Reisende und Einheimische, Pflanzen- und Tierwelt, und vieles mehr – all
das hat mich begeistert und fasziniert! Dies war zwar mein erster Besuch in
Südamerika, aber bestimmt nicht mein letzter!! J
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