Mittwoch, 16. Mai 2012

Stippvisite nach Ecuador – zur Mitte der Welt und zurück!


Ich hatte ja schon die ganze Zeit während meiner Reise den Plan gehabt, einen Spanisch Kurs zu machen, doch nie hatte ich die Zeit gefunden oder die Muße gehabt. Nun, in meinen letzten 2 Wochen in Südamerika wollte ich es endlich angehen! Auf Empfehlung einer netten Deutschen, die ich in Huanchaco getroffen hatte, buchte ich eine Woche Intensivkurs in Quito, Ecuador. Ich wollte unbedingt hinauf zum Äquator – ich war am Anfang meiner Reise am „Ende der Welt“ in Ushuaia gewesen und wollte nun bis zur „Mitte der Welt“ kommen, bevor ich wieder nach Hause flog! Mit einem Nachtbus, der mehr oder minder bequem war, fuhr ich in Begleitung von Boyd, einem der beiden Neuseeländer, 16 Stunden von Máncora rauf nach Quito. Ich fühlte mich deutlich sicherer einen großen Mann dabei zu haben bei der Grenze zwischen Peru und Ecuador, da dieser Grenzübergang als zwielichtig bekannt ist. Doch alles war ruhig, die Beamten waren nett und keiner wollte uns was klauen. *puh*

In Quito regnete es, weshalb der erste Tag hauptsächlich drinnen verbracht wurde. Ich bummelte nur ein bisschen durch die Altstadt und suchte meine Sprachschule, sonst blieb ich allerdings im Hostel und schlief, da das im Bus kaum möglich gewesen war. Montagmorgen schlug ich dann bei der Sprachschule auf und wurde direkt freundlich von Freddy, dem Besitzer, begrüßt! Nach der offiziellen Anmeldung und allen Formalitäten lernte ich meine private Lehrerin kennen: Teresa! Mitte 50, Mutter zweier Töchter und eine absolut bodenständige, freundliche, aufgeschlossene und positive Person! J Wir verstanden uns auf Anhieb und unterhielten uns bereits am ersten Tag auf Spanisch über Psychologie, kulturelle Unterschiede der Depression, Alkoholismus in verschiedenen Ländern und vieles mehr. Sie korrigierte mich, brachte mir viele neue Wörter bei und jeden Tag paukten wir einige Lektionen Grammatik durch, bis die 4 Vergangenheiten, 2 Zukunftsformen, das Konditional und der Subjuntivo wieder einigermaßen saßen! Ich machte brav meine Hausaufgaben und hängte mich echt rein, denn ich wollte wieder auf ein (mich persönlich) zufriedenstellendes Level meiner Spanischkenntnisse kommen. Am letzten Tag des Unterrichts lobte mich Teresa für meinen Fleiß und mein gutes Niveau, und bestärkte mich darin, weiter Spanisch zu lernen, vor allem spanische Bücher zu lesen. Schlussendlich lud sie mich ein, nach Ecuador zurück zu kommen und in ihrem Projekt mit misshandelten Frauen alkoholkranker Männer zu arbeiten. Dafür muss ich aber noch besser Spanisch lernen! J Aber das gibt mir auf jeden Fall einen Ansporn... und ich wollte hier ja ohnehin in einem Projekt arbeiten, was sich leider nicht ergeben hat! Es wird sich zeigen, was die Zukunft bringt...

An den Nachmittagen besuchte ich alle Sehenswürdigkeiten der Altstadt von Quito (Centro Historico) und fuhr natürlich auch zum Äquator, der rund 25km nördlich der Stadt liegt. Das kleine Museum namens „Inti ñan“, das hinter dem offiziellen Museum liegt, war mir von vielen Seiten empfohlen worden. Hier verläuft der offizielle Äquator, der per GPS ausgemessen wurde. Man kann einige Tricks bestaunen, die z.B. zeigen, dass links und rechts vom Äquator das Wasser andersrum abfließt. Für meine „herausragende Leistung“ auf dem Äquator ein rohes Ei auf einem Nagel zu balancieren, bekam ich sogar ein Zertifikat! *lach* J Leider hatte ich jedoch meinen Reisepass vergessen, denn in dem Museum kann man sich (wie schon am Ende der Welt und in Machu Picchu) einen Stempel holen, dass man hier gewesen ist. Schade, hätte diesen Stempel echt gern gehabt! L Naja, ist ja eigentlich auch nix anderes als Farbe auf Papier! ;-)

Quito liegt inmitten von 22 Vulkanen – einige davon sogar noch aktiv! Die Aussicht vom Hügel der Altstadt ist echt toll! In der Altstadt von Quito sind unglaublich viele alte Kirchen aus der Kolonialzeit. Am besten gefiel mir die große gotische Basilika, auf deren Türme man steigen kann und von dort einen grandiosen Blick über die ganze Stadt hat! J Andere Kirchen sind voller Gold und antiker Bilder. Faszinierend ist jedoch überall der Einfluss von einheimischen Bräuchen auf die Kunst in den Kirchen. Auf Gemälden isst Jesus beim letzten Abendmahl ein Meerschweinchen (Festtagsessen!), in manchen Kirchen sieht man Fresken mit exotischen Früchten und Vögeln. Und die Wasserspeier an der Basilika sind Tiere aus dem Urwald! Die einheimischen Künstler haben sich auch den einen oder anderen Scherz mit ihren Kolonialherren erlaubt, z.B. indem sie an alten Herrenhäusern in der Stadt die Balkone mit Engeln verzierten – und einer davon hat einen riesigen Penis! J Die Stadt ist echt toll, voller alter Kultur und Geschichte und schöner Gebäude. Leider ist sie recht unsicher; abends nahm ich immer ein Taxi, da es nach Einbruch der Dunkelheit auf den Straßen nicht mehr sicher ist herumzulaufen.

Ich wohnte für die Zeit der Sprachschule in einer Familie... naja, das dachte ich zumindest. *grins* Ich wohnte bei einem Junggesellen, Mitte 30, Schauspieler und Künstler. Wir führten lange Gespräche über Musik und Theater, Filme und Kultur, Reisen und Geschichte. Leider verstand ich immer nur die Hälfte, da er so schnell sprach und auch auf Aufforderung es nicht schaffte, langsamer mit mir zu reden. *grins* Doch er war sehr nett und gastfreundlich, wir kochten immer gemeinsam, das Essen war super und ich konnte mein Spanisch üben. Außerdem hatte ich meine eigene kleine Wohnung mit separatem Eingang und Schlaf-, Wohn-, Arbeitszimmer und Bad. Perfekt!! J Die Woche in Quito war wirklich klasse, rundrum gelungen!

Am Freitag machte ich mich wieder auf den Weg nach Süden. Baños, 4 Stunden südlich von Quito war mein Ziel. Der Ort liegt mitten in den Bergen, direkt am Fuße eines aktiven Vulkans, den man Nachts sogar manchmal grummeln hört. Aktuell ist er jedoch recht ruhig, normalerweise kann man ihn sogar Lava spucken sehen. Schade, dass ich das verpasst hab... J Doch Baños ist ein toller Ort voller Charme und mit vielen Outdoor Optionen – und das auch noch supergünstig. Hier konnte ich noch all das machen, was ich schon während meiner ganzen Reise machen wollte und was sich nie ergeben hatte. Ich traf bereits im Bus eine Gruppe lustiger Mädels aus Chicago, die in Quito ihr Auslandssemester verbringen und ein Mädelswochenende machten! Gemeinsam gingen wir am Samstagvormittag Raften, ein echt guter Fluss mit tollen Stromschnellen und viel Action und Spaß!! Abends gingen wir feiern, in eine Bar und dann Karaoke singen! *lach* Samstagabend kam AJ in Baños an, die nette Australierin, die mit Rachel und mir den Inka Jungle Trek nach Machu Picchu gemacht hatte. Wir hatten uns verabredet als wir bemerkten, dass unsere Wege sich wieder kreuzen, und freuten uns riesig über das Wiedersehen!! Am Sonntag gingen wir gemeinsam „Canyoning“, also „Schlucht-Wandern“ (das ist das deutsche Wort dafür! *grins*). Als Erklärung: wir wanderten eine Schlucht entlang durch einen kleinen Fluss und seilten uns über mehrere Wasserfälle ab. Der höchste war 45m hoch!!! Soooooo toll!! J Ich war total begeistert und freute mich, dass ich das noch machen konnte, in meiner letzten Woche in Südamerika! Ich hoffe nur, dass alle Fotos auf der CD sind, die wir bekommen haben... vom Raften hab ich leider keine, denn meine Unterwasserkamera ist ja leider bereits am Anfang der Reise in Argentinien beim Tauchen kaputt gegangen...

Baños ist auch bekannt für seine vielen Wellness Angebote und Spas. Da hier alles echt bezahlbar ist, wollte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. J Ich beschloss, mir ein rundrum-glücklich-Paket zu gönnen: Massage, Reflexzonen-Massage, Maniküre, Pediküre und Gesichtsbehandlung – all das für 35,- US-Dollar!! J Über 2 Stunden genoss ich eine Behandlung vom Feinsten und ging anschließend mit polierten Nägeln und Gesicht fröhlich mit AJ Abendessen. Danach fuhren wir noch auf eine 2stündige Nacht-Tour auf einen Aussichtspunkt über der Stadt, von wo aus man normalerweise den Vulkan sehen kann. Der sagte weder Muh noch Mäh, aber die Nacht war sternklar und die Aussicht über Baños trotzdem schön!

Montagmorgen – es war mal wieder Stromausfall in der Stadt, das scheint in ganz Südamerika ständig zu passieren, vor allem überall wo ich hinkomme – startete ich meine letzte Etappe: den ganzen Weg runter nach Lima. Und, man höre und staune, ich bin immer noch unterwegs! Ich sitze gerade im Bus; für die letzten 16 Stunden habe ich mir einen Luxusbus von „Oltursa“ gegönnt, und dieser Bus hat neben Essen und Getränken sogar Steckdosen und Internet. Genial!! Das ist aber nach den letzten Bussen auch gut so, denn von Baños fuhr ich nach Ambato und von dort nach Machala in einem normalen Bus voller Ecuadorianer, die eine andere Vorstellung von persönlichen Grenzen haben als unsereiner... Wir kamen zu spät in Machala an, weshalb ich nicht mehr weiter fahren konnte nach Peru. Also blieb ich dort übernacht, um nicht in der Dunkelheit an die Grenze zu kommen, ohne vernünftige Buscompany. Am nächsten Morgen (Dienstag) fuhr ich dann weiter mit CIFA von Machala nach Tumbes. Dort kam ich mittags an und beschloss weiter nach Máncora zu fahren um dort den Nachmittag zu verbringen, bevor ich den Nachtbus nach Lima nehme. Das klappte alles hervorragend! Ich genoss den Nachmittag am Strand und am Pool des netten Hostels von vor 2 Wochen, und traf sogar einige Bekannte in Máncora wieder! J

Tja, morgen Mittag bin ich dann in Lima... Und dann hab ich noch genau einen Tag, bevor ich nach Hause fliege... unvorstellbar, wie schnell die Zeit verging... 131 Tage war ich dann insgesamt unterwegs! Es ist sooooo viel passiert, ich habe sooooo viel erlebt und unendlich viel gelernt und erfahren! Ich freue mich, dass ich all das sehen konnte, und gesund und munter durch diese tollen Länder reisen durfte! Land und Leute, Sprache, Kultur und Natur, Reisende und Einheimische, Pflanzen- und Tierwelt, und vieles mehr – all das hat mich begeistert und fasziniert! Dies war zwar mein erster Besuch in Südamerika, aber bestimmt nicht mein letzter!! J

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen