Montag, 27. Februar 2012

Seen und Vulkane – die Wanderung geht weiter!


Als wir in Puerto Montt von der Fähre gingen, regnete es in Strömen. Ziemlich nervig, denn uns war die Stadt als interessant angepriesen worden. Wir versuchten trotzdem, uns einiges anzusehen, gingen auf den Fischmarkt, wurden auf dem Weg jedoch schon patschnass, und gingen dann ins nächste Einkaufszentrum – da war es wenigstens trocken. Kurzum beschlossen wir, uns hier nicht lange aufzuhalten und nahmen den nächsten Bus nach Puerto Varras, ein kleiner Ort ca. eine halbe Stunde nördlich von Pt. Montt. Diese Gegend ist stark geprägt von den deutschen Einflüssen, da hier vor einigen Jahrzehnten, eingeladen von der chilenischen Regierung, einige tausend Deutsche herkamen um sich anzusiedeln. Man sieht alte Fachwerkhäuser, deutsch aussehende Kirchen, man liest überall deutsche Namen, deutsches Bier (einheimische Mini-Brauereien von eingewanderten Deutschen!) und Kuchen an jeder Straßenecke! Unglaublich... Viele Menschen sprechen auch noch Deutsch.

So langsam hörte auch der Regen auf! Wir streunten abends noch ein wenig durch den süßen Ort und kamen zufällig zu einem öffentlichen Konzert einer wahnsinnig guten Ska-Band! Die rockten so richtig das Publikum und wir ließen uns mitreißen und feierten mit! J Am nächsten Tag war es jedoch immer noch bewölkt und ein Ausflug zu dem nahegelegenen Nationalpark wo der Vulkan Osorno steht, den wir schemenhaft sehen konnten, hätte sicht nicht gelohnt. Also stiegen wir nach einem schönen Spaziergang am See und einem leckeren Mittagessen mit Himbeer-Streußelkuchen in den nächsten Bus (gar nicht so lang, nur 6 Stunden... *grins*) gen Norden nach Pucón. Das ist die „Hauptstadt“ des Seengebietes, wo viele Menschen aus Santiago auch Urlaub machen. Daher ist es dort aktuell brechend voll. Aber wir hatten Glück, bekamen direkt ein Hostel und schauten uns gleich mal um. Hier hatte es auch gestürmt und geregnet, und daher konnten viele Leute nicht auf den (aktiven, ständig rauchenden!!) Vulkan Villarrica rauf, der hier direkt ist. Jetzt begann der Sturm auf die Touren, da das Wetter besser wurde. Wir beschlossen erst noch abzuwarten und fuhren am ersten Tag (Sonntag) erst mal in den Nationalpark Huerquehue. Hatten morgens ein Schweineglück, da wir eigentlich dachten, der Bus fährt um 8:45 Uhr, um 8:30 aus dem Haus gingen, und dann auf unserem Zettel sahen, dass der Bus doch schon um 8:30 Uhr losfährt. An der Hauptstraße angekommen, schafften wir es allerdings den deutlich verspäteten Bus ranzuwinken und mitzufahren – gut, dass hier die Uhren und Menschen ein bisschen anders ticken als in Deutschland!! JJ Die Wanderung war zwar sehr steil und anstrengend, doch auch hübsch, wir sahen viele Seen, ließen unsere Füße vom Steg baumeln und bestaunten die „Lenga“ Wälder – das ist der zweitälteste Baum der Welt, der total langsam wächst und vom Aussterben bedroht ist, da viele Wälder abgeholzt werden. Erschreckend, wie hier mal wieder mit der Natur umgegangen wird um größtmögliche Profite zu erzielen! L

Abends wollten wir dann doch die Tour auf den Vulkan buchen – leider war für den Montag schon alles ausgebucht! Mist, denn das Wetter sollte super werden! Na gut, dann eben Alternativprogramm. Wir buchten die Bergtour für den Dienstag und besuchten am Montag stattdessen die blaue Lagune, die soooo blau ist, ich weiß nicht warum, aber einfach erstaunlich wie BLAU das Wasser dort ist (!!) und die „Ojos de la Caburga“ (sehr pittoreske Wasserfälle). Von dort dachten wir uns, wir gehen ein paar Kilometer weiter zu einem Cultural Center der Mapuche, das sind die einheimischen Indianer. Aus den paar Kilometern wurden ein paar mehr und wir ärgerten uns schon, dass wir nicht an der Hauptstraße den Bus genommen hatten, als ein Auto hielt: darin saßen Mutter und Tochter aus Österreich, die sich verfahren hatten und fragten, ob wir wüssten wo diese Schotterstraße hinführe. Wir wussten es und sie hatten ein Auto – die perfekte Symbiose! J Sie nahmen uns also bis zu unserem Mapuche Dorf mit und wir bedankten uns sehr herzlich! Leider war das Cultural Center recht enttäuschend. Es gab nur eine traditionelle Hütte, keine Menschen, keine Erklärungsschilder, niemand erklärte einem irgendetwas, und die Hauptattraktion war das Asado, ein traditionelles Barbeque, das es an 20 verschiedenen Ständen gab - das war lecker! Trotzdem schade... hatte mich darauf gefreut, etwas über die Pre-Kolonialzeit und das Volk der Mapuche zu lernen. Aber dann halt nicht. Um zurück nach Pucón zu kommen hatten wir wieder Glück, da der Bus – warum auch immer – nicht fuhr. Wir unterhielten uns zufällig mit 2 chilenischen Ingenieuren, einer mit deutschen Vorfahren, die da waren um ihre Brücken-Baustelle zu besichtigen. Sie fuhren zurück in die Stadt und nahmen uns netterweise mit. J Nach einem großen Eis (wir genehmigen uns gern hin und wieder einen halben Liter Eis zu dritt, und das ist soooo lecker hier!) fuhren wir mit dem Bus zu den heißen Quellen „Los Pozones“. Dort waren 6 Steinpools angelegt mit gemütlich warmen, zum Teil sehr heißem Wasser zum Relaxen! Wir entspannten rund 4 Stunden in diesem schönen Thermalbad inmitten eines malerischen Tales und ich freute mich über diesen so unkonventionellen Tag, in den wir einfach so hinein gelebt hatten! J

Am Dienstag starteten wir morgens um halb 7! Bekamen zuerst unsere Ausstattung incl. Steigeisen, Eispickel, Schneeanzug, Helm, Gamaschen und so weiter. Der Vulkan war zum ersten Mal seit Tagen vollkommen wolkenfrei und lag malerisch rauchend vor uns. Uns hatten viele Wanderer davor gewarnt, dass das erste Stück einen total fertig macht und die Option den Skilift zu nehmen sehr empfehlenswert sei. Na gut, so nahmen wir also die Seilbahn für die ersten 400 Höhenmeter. Es blieben immer noch knapp 1000 Höhenmeter, bis wir auf 2800m auf dem Gipfel ankommen sollten. Eine lange Menschenschlange von Wanderern marschierte den schmalen Pfad hinauf. Es war ein wenig nervig, da unsere Gruppe deutlich schneller unterwegs war als viele andere, wir aber nicht überholen konnten. So mussten wir immer wieder stehen bleiben, abwarten... "Stop and Go" den Vulkan rauf? Das ging gottseidank nur die erste halbe Stunde so. Dann konnten wir an einer Stelle viele Leute überholen und konnten mit unserem netten Bergführer in unserem Tempo weiter rauf. J


Man musste immer den Helm aufbehalten, denn es fielen gelegentlich Steine den Berg runter. Den Eispickel nahmen wir anfangs als Wanderstab (hilfreich im steilen Gelände!) und dann – ab der Schnee- / Eisgrenze – als Sicherheitsstütze. Der war unsere Rettung, falls wir ausrutschen und ein Stück runterrutschen sollten. Es passierte aber nix, der Schnee war weich und griffig, da es warm war und wir brauchten noch nicht mal die Steigeisen. Nur für die letzte halbe Stunde schnallten wir die an, weil es da sehr steil wurde und man mit den Dingern einfach deutlich griffiger unterwegs ist. Auf dem Weg nach oben sahen wir immer wieder Lawa-Gestein, häufig so geformt, dass man richtig sehen konnte, dass das mal geflossen ist! Wahnsinn! Der letzte Ausbruch war 1984, ein größerer davor 1979. Seitdem raucht es nur noch, aber ein weiterer Ausbruch ist nicht ausgeschlossen. Die Tour war weniger anstrengend als ursprünglich gedacht und ich war dauerhaft fasziniert von der herrlichen Aussicht über hunderte von Seen, Wälder, Berge, andere rauchende Vulkane und den Ort Pucón. Das letzte Stück war wieder schneefrei, da dort der Rauch rauskommt und es gut warm ist. Es roch nach Schwefel und anderen toxischen Dämpfen, doch der Gipfel war einfach faszinierend: in der Mitte der riesige Krater, vollständig gefüllt mit Rauch (der gottseidank vom Wind von uns weg geweht wurde!) und auf der anderen Seite der steile Abhang mit der Aussicht über die ganze Gegend! Traumhaft und völlig faszinierend, sowas hab ich noch nie gesehen oder erlebt!!! Der Abstieg war einfach und dauerte nur rund 1 ½ Stunden; wir konnten nämlich mit unseren Plastik-Poporutschern, die auch zur Ausrüstung gehörten, einfach die „Rutschbahnen“ runtersliden. Das war vielleicht ein Spaß!! J Der Eispickel diente als Bremse und Notbremse, damit man niemandem reinrutscht! J Unten kamen wir patschnass, aber fröhlich an! Waren recht erschöpft von der Bergtour, durften aber in unserem Hostel nochmal duschen, damit wir in frischen Klamotten in den Nachtbus nach Santiago de Chile einsteigen konnten. Doch von großen Städten, Busfahrten und Anden-Überquerungen schreib ich das nächste Mal mehr! J

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