Montag Abend ging es an Bord der Navimag Fähre „Evangelista“. Dies ist ein Fährschiff, das vor rund 10 Jahren durch einen dreistöckigen Aufbau oben an Deck für Passagiere nutzbar gemacht wurde. Der Gedanke dahinter ist super: man fährt ohnehin mit der Fracht durch so schöne Landschaft, warum also nicht auch ein paar Leute mitnehmen und denen die Chance geben, dies alles zu sehen? Über Nacht, nachdem alle Passagiere an Bord gegangen waren, wurde die Fracht geladen. Interessanterweise waren vor allem Kühe und Pferde geladen, was man gelegentlich, wenn man hinten auf dem Schiff stand auch riechen sowie unten in den Kabinen manchmal hören konnte. *grins* An Bord waren rund 230 Gäste aus aller Welt (knapp 10% Deutsche!!) sowie rund 50 Besatzungsmitglieder. Das Safety Briefing ging bereits Montag Abend über die Bühne sowie erste Infos über die Route, die wir fahren würden. Alles wurde 2-sprachig auf Spanisch und Englisch vermittelt – einer der Crew konnte jedoch auch fließend Deutsch und Französisch und machte seine Lautsprecher-Durchsagen gerne viersprachig! J Unsere Kajüte war sehr gemütlich: zwei Stockbetten (bequem!), alle mit Vorhängen versehen für mehr Privatsphäre. Außerdem hatte jeder seinen abschließbaren Schrank, wo problemlos unsere Rucksäcke reinpassten. Für die 4 Nächte an Bord packten wir sogar unsere Klamotten aus!! J Bad und Toilette waren perfekt sauber, die Betten wurden jeden Tag gemacht und es war alles super gepflegt und gut in Schuss! Nur Fenster im Zimmer hatten wir keins, das hätte das doppelte gekostet... *haha*
Der Dienstag startete früh morgens um halb 7 mit dem ersten Highlight: wir fuhren durch eine nur 82m breite Passage hindurch, mit Felswänden und wunderschönen grünen Inseln rundrum! Es war jedoch schweinekalt, 5°C!! Trotzdem waren fast alle Pasagiere an Deck gekommen, dick in Jacken und Mützen eingepackt, und machten fleißig Fotos. Es war echt genial und ein einzigartiges Erlebnis, diese Landschaft aus der Perspektive vom Meer aus zu sehen!! Ich war total beeindruckt von der Atmosphäre dieser Fjorde und Kanäle, die sich wie ein Labyrinth die ganze süd-chilenische Küste hinaufziehen. Alle wurden vor tausenden von Jahren von Gletschern gegraben und am Ende von manchen Fjorden ist noch heute ein Gletscher – auf Meereshöhe! Das Kuriose daran ist, dass diese Gegend auf dem gleichen Breitengrad liegt wie beispielsweise Hamburg auf der Nordhalbkugel. Faszinierend!! Liegt jedoch daran, dass es aufgrund der hohen Berge hier unglaublich viel regnet, 8m pro Quadratmeter pro Jahr, es jedoch recht kalt ist und deshalb schneit und der akkumulierte Schnee formt sich um zu Eis und bildet wachsende oder zumindest stabile Gletscher in dieser Region. Genial!! An einen Gletscher (Glaciar Skua) fuhren wir auch richtig nah ran um den genauer anschauen zu können; um uns herum schwammen ganz viele kleine Eisstücke im Wasser, die abgebrochen waren. Dazwischen sah man immer wieder Seelöwen schwimmen! Klasse!! J
Was ich besonders toll fand waren die Vorträge, die jeden Tag von dem mehrsprachigen, netten Crew-Mitglied gehalten wurden. So lernte ich am ersten Tag viel über Gletscher und deren Zusammenhänge mit Landschaftbildung, Klima, Erdrotation, globaler Erwärmung, vergangenen Vulkanausbrüchen und aktuellem Wetter auf der Welt etc. Am zweiten Tag gabs einen Vortrag über die Fauna Patagoniens, mit einem Schwerpunkt auf der Vogelwelt! Auch spannend, ich fands sehr interessant, andere Leute weniger, manche schliefen ein! *grins* Und am dritten Tag bekamen wir viel über die Flora Patagoniens erzählt und wie Flechten, Moos, Büsche, Bäume und alle Pflanzen ein grandioses ökologisches Gleichgewicht herstellen und alle voneinander abhängig sind!! Ich hab an Bord so viel gelernt über die Region hier wie in den letzten 3 Wochen nicht! Zusätzlich wurden auch noch einige Naturfilme gezeigt. Am letzten Nachmittag wurde noch ein Vortrag über den Süden von Chile gehalten und mögliche weitere Reiseziele vorgestellt. Das war sehr praktisch und gab uns neue Ideen für unseren weiteren Trip. So entschieden wir uns, nicht gleich wieder über die Anden nach Bariloche (Argentinien) rüber zu fahren, sondern bis Santiago auf der chilenischen Seite zu bleiben.
Ein weiteres Highlight war das Essen an Bord! Das Frühstücksbuffet jeden Tag war der absolute Traum, mit Rührei, Saft, Cornflakes, Joghurt, Kaffee, Tee, Brot, Käse, Wurst, Marmelade, Obst etc. J Der Himmel auf Erden für Low-Budget Reisende wie uns, die sich sowas eigentlich nicht leisten. *grins* Mittags und Abends gab es immer Fleisch (Rind, Huhn, Schwein) oder Fisch (Lachs!) mit Kartoffelbrei oder Reis oder Nudeln und Salat, davor eine Suppe und danach immer einen Nachtisch! Liane und andere Menschen mit Sonderwünschen bekamen extra vegetarisches oder anderes Essen gekocht. Echt klasse! Den ganzen Tag verfügbar waren Kaffee, Tee, Saft und Wasser, ganz für umsonst. Nur alkoholische Drinks in der Bar musste man bezahlen, aber die waren auch erschwinglich. Alles in allem also kulinarisch sehr hochwertige Tage für uns! J
Die Route führte uns durch wechselnde Landschaft, manchmal waren die Inseln nah dran, manchmal sah man sie im Nebel verschwinden.Wir kamen auch an einem Schiffswrack vorbei, das ein Captain vor über 50 Jahren versenken wollte um die Versicherungssumme zu kassieren, aber leider auf einem Felsen aufsetzte. *haha* Das Wetter war so wie es dort eben meistens ist, regnerisch, windig und grau in grau, doch phasenweise hellte es auf und war schöner. Der letzte Tag beispielsweise war super mit Sonne, windstill und blauem Himmel! Traumhaft, ich war den ganzen Nachmittag an Deck und unterhielt mich prima mit anderen Reisenden! Wir sahen unterwegs öfters Pinguine, Delfine und Seelöwen im Wasser spielen und springen; großes Highlight waren auch die Wale (Minky Whales), die wir am zweiten Tag Nachmittags immer wieder auftauchen sahen. Oft sah man nur den Spray am Horizont, doch gelegentlich konnte man auch den Rücken und die Flossen sehen, manchmal sogar direkt neben dem Schiff! Sehr cool!! J Dieser Nachmittag war die Zeit, die wir auf dem offenen Meer verbrachten und auch ordentlich Seegang hatten (3-4m hohe Wellen). Dank der super Seekrankheitstabletten von meiner Mamie (danke dafür!!) ging es mir allerdings prima, ich hatte keinerlei Probleme und genoss auch die Spaghetti Bolognese am Abend, die bei manch anderem wieder hochkamen! ;-)
Ich freute mich besonders, dass ich so nette Leute auf der Fähre kennenlernen durfte! Etliche machen einfach einen langen Urlaub in Südamerika, und sind 3 oder 4 Wochen unterwegs. Klasse, vor allem aktuell dem Winter in Deutschland für einige Wochen zu entkommen! Doch ich fands schon besonders cool, wie viele Leute sich unbezahlten Urlaub nehmen und einige Monate diesen Kontinent bereisen. Respekt! Oder manche kündigen ihren Job und erfüllen sich ihren langen Traum von einer Weltreise. Faszinierende Lebensgeschichten, tolle Menschen und sehr nette, inspirierende Gespräche! Am letzten Abend wurde zum Entertainment Bingo gespielt (Ich gewann sogar eine Runde!!! Preis: ein Navimag Fließ-Pulli) und es stieg eine Party in der Bar, wo wir nochmal ausgiebig feierten!
Fazit: Die Tage auf der Navimag Fähre haben sich total gelohnt, ich fand es richtig toll, habe neue Perspektiven gewonnen und fand es eine gute Abwechslung zu der Fortbewegung an Land! Auf zu neuen Ufern – Lake District in Chile, wir kommen!
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