Mittwoch, 7. März 2012

Die Hochebenen von Bolivien und die Salar de Uyuni

Wir wurden am 1. März morgens mit dem Minibus abgeholt und zur Grenze gebracht. So verließen wir also Chile endgültig und bekamen unseren letzten chilenischen Stempel in den Pass! Weiter gings zur bolivianischen Grenze, die nicht weit weg ist. San Pedro de Atacama liegt wirklich in einem Dreiländer-Eck: Chile, Argentinien und Bolivien! Alles war easy an der Grenze,wo wir umstiegen in die 4x4‘s. Wir frühstückten alle gemeinsam und lernten die ersten Leute kennen, die mit uns die dreitägige Tour machen würden. Insgesamt waren wir 18 Leute, die auf 3 große Jeeps verteilt wurden; das Gepäck kam aufs Dach. Mit von der Partie waren: wir 3 Mädels, 3 Schweizer (die waren mit uns im Auto), ein sehr nettes französisches Pärchen, eine witzige Schottin, 2 Dänen, 2 Australierinnen, 4 coole Chilenen (alle Psychologen in Ausbildung zum Psycho-Therapeuten!!) und ein Halb-Amerikaner-Halb-Schweitzer. J Eine witzige Truppe, wir verstanden uns alle super und hatten eine Menge Spaß zusammen!! Unser Fahrer, Luis, sprach nur Spanisch, während die anderen beiden Fahrer auch Englisch konnten. Schade... doch er konnte uns trotzdem viel erklären über die Gegend und ich gab mein Bestes dem Rest des Autos seine Erklärungen zu übersetzen. Aber so Manches verstand ich auch nicht... egal, denn schön wars trotzdem! J

Tag 1: Die erste Etappe führte uns zunächst zur Laguna Blanca (ein weißer See) und der Laguna Verde, einem tiefgrünen See auf 4900m! Hier gab es auch viele pinke Flamingos, die einen genialen Farbkontrast zum Rest der Umgebung bildeten! Wunderschön! Leider war es schweinekalt und es regnete! Bei den heißen Quellen war es uns echt zu kalt, weshalb wir nur die Füße reinstreckten. Auf der weiteren Fahrt über die Hochebene fing es sogar zu schneien an – das war echt bizarr, als wir im Schneegestöber bei den dampfenden Schlamm-Geysieren auf 5000m ankamen!! Es stank erbärmlich und war bitterkalt – wir hielten uns also nicht lange hier auf! *grins* Uns dreien ging es dank Coca-Blättern und viel Trinken sehr gut, wir hatten keinerlei Probleme mit der Höhe. Die Schweizerin jedoch hatte schreckliche Kopfschmerzen sowie Gleichgewichtsprobleme, und musste sich um Laufe des Nachmittags zweimal übergeben. Schon heftig! Ich war sehr froh und dankbar, dass uns das erspart blieb, denn die Höhenkrankheit kann echt unangenehm und auch gefährlich sein!

Ein Highlight des ersten Tages war noch die Laguna Colorada, ein großer rosa-farbiger See, wo es wiederum viele Flamingos gab. Die Natur hier ist so wunderschön, unberührt und wild! Da ärgerte es mich umso mehr, dass manche Menschen einfach kein Gespür dafür haben, wie man sich wilden Tieren, wie beispielsweise Flamingos oder Lamas, nähert... Vor lauter Begeisterung schnell darauf zulaufen und am besten noch Freudensschreie ausstoßen ist eher weniger empfehlenswert!! Doch für manche Menschen scheint es schwer begreiflich zu sein, dass dieses Verhalten die Tiere stresst und in ihrem natürlichen Leben beeinträchtigt. Ich bin in dieser Hinsicht wirklich empfindlich, denn ich mag es einfach nicht, wenn Leute respektlos mit der Natur umgehen; dementsprechend konnte ich es mir mal wieder nicht verkneifen, meinen Mund aufzumachen und entsprechende Personen darauf hinzuweisen! War aber gut, denn das Verhalten entsprang tatsächlich der Unwissenheit... ???

Das Essen auf der Tour war eher weniger gut, sowohl in Qualität als auch in Menge... schade, denn der Veranstalter „Cordillera“ war vor allem wegen des etwas besseren Essens und der guten Guides bekannt, weshalb wir auch hier buchten, trotz des etwas höheren Preises im Vergleich zu anderen Anbietern. Doch wir verhungerten nicht. ;-) Die erste Nacht verbrachten wir auf über 4200m – mit tiefem Schlaf kann man auf dieser Höhe nicht rechnen, aber wir waren so müde vom Tag zuvor, dass wir trotzdem gut schlafen konnten! J

Tag 2: Wir mussten früh raus, das Wetter war besser und die Landschaft war weiterhin traumhaft: schneebedeckte Gipfel, weite Ebenen, bizzare Felsen. Diese Gesteinsformationen waren vulkanischen Ursprungs und nur durch den Wind abgeschliffen worden. Unglaublich! Wir kletterten auf den Felsen herum, machten tolle Bilder und hatten viel Spaß! Die „Dalí-Wüste“ und das Tal der Felsen, sowie 4 traumhaft schöne Seen, die alle aus unterirdischen vulkanischen Quellen gespeist werden, waren weitere Tageshighlights! Wir sahen sogar einen der seltenen Wüstenhasen! Es waren so viele Eindrücke, ich konnte schon gar nicht mehr alles in mich aufnehmen und verarbeiten, vor allem da wir in den Tagen zuvor auch so viele tolle Dinge gesehen und unternommen hatten. Bei mir stellte sich so langsam eine Übersättigung von Eindrücken ein, so dass ich alles gar nicht mehr so richtig speichern und ausgiebig bestaunen konnte! Der Gedanke entstand, dass ich dringend eine Pause von der Highlight-Jagd der letzten Wochen brauche – doch dazu mehr im nächsten Blog! Der Abend war nett, trotz des grausamen Essens (so ekelhaftes Fleisch hab ich bisher nur in Tansania gegessen...). J Wir tanzten, tranken das chilenische Nationalgetränk „Pisco“ mit Cola und ich genoss die internationale Gesellschaft!

Tag 3: Nachts hatte es ein starkes Gewitter gegeben, weshalb die Straße nach Uyuni völlig schlammig und rutschig war wie Schmierseife! Unser Fahrer fuhr extrem vorsichtig – sehr umsichtig von ihm, wir waren dafür echt dankbar, denn ein Unfall hier in der Gegend wäre die Hölle! Doch mit der Zeit, als die Straße trocknete, war es nicht mehr Vorsicht sondern pure Trödelei. Wir hatten die beiden anderen Jeeps verloren, die vorgefahren waren und nicht auf uns warteten. Wir besuchten zunächst noch den „Friedhof der Züge“, wo alte Züge rumstehen und verrosten und man lustig herumklettern kann. Sie haben dort auch Schaukeln und Wippen und Kunst aufgebaut – ein cooler Ort! J Auf Nachfrage tischte uns Luis jedoch immer wieder andere Geschichten auf, wann und wo wir die anderen aus unserer Gruppe wieder treffen würden. Doch alles waren erfundene Ausreden, wie wir später am Tag erfuhren, und wir trafen die Gruppe erst am Ende der Tour beim Office in Uyuni wieder, wo wir Nachmittags ankamen. Das war ärgerlich, denn so fehlte unser komplettes Auto beim Gruppenfoto! L

Doch was es an diesem Tag zu sehen gab, überstieg meine bisherige Vorstellungskraft: die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Welt mit über 10 000 Quadratkilometern!! Und das Erstaunlichste daran: aufgrund der vielen Regenfälle der letzten Wochen ist die Wüste nahezu komplett überschwemmt! In der endlos weiten glatten Wasseroberfläche spiegelte sich perfekt der blaue Himmel mit den weißen Wölkchen, so dass man keinerlei Gefühl mehr dafür hatte, wo der Horizont ist! Wir fuhren mit dem Jeep durch das nur maximal knietiefe Wasser, bis wir eine etwas höher gelegene Stelle erreichten. Dort aßen wir zu Mittag und konnten ein paar der berühmten Perspektiven-Fotos in der Salzwüste machen, wo es so aussieht, als stünde ein Mensch beim anderen auf der Hand und Ähnliches. Durch das viele Wasser rundherum war das zwar schwierig und wir sauten unsere Klamotten ziemlich ein, aber dafür war es lustig! J Diese Salzwüste ist so riesig und so faszinierend und so anders als alles was ich bisher gesehen habe, dass sie wirklich jede Dimension sprengt!! Unglaublich!! J

Doch leider wird auch dieses Wunder der Natur vom Menschen an vielen Stellen zerstört, da hier sowohl Salz abgebaut, als auch Litium gewonnen wird, das man unter anderem für Akkus braucht. Ich erschrecke auf dieser Reise wirklich immer wieder über den Raubbau, den der Mensch mit der Natur betreibt. Starker Tourismus zerstört zwar auch an manchen Stellen die Natur, doch das ist nichts verglichen mit dem Raubbau und der Zerstörung durch Minen, dem Abbau von Mineralien, der Abholzung von Wäldern und Ähnliches, was hier in Südamerika sehr präsent ist. Insgesamt ist der Einfluss des Tourismus hier als positiv zu bewerten, da die Natur bewahrt und geschützt wird, weil sie selbst die Attraktion ist und dadurch immer mehr Nationalparks entstehen. Doch die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger Menschen, die speziell Land und Leute in Bolvien ausbeuten, sind aktuell noch stärker als die Interessen des Naturschutzes, was unter anderem zur Armut der Bevölkerung beträgt. Ein Beispiel hierfür ist eine Mine, an der wir vorbei fuhren, wo im Tagebau viele verschiedene Mineralien, z.B. Bauxit, abgebaut werden. Die einfachen Arbeiter kommen aus den umliegenden Dörfern, die Techniker und Spezialisten hingegen hauptsächlich aus Chile, USA und Japan, während die Firma einem reichen Chinesen gehört, der alles exportiert! Um die Mine auszuweiten wurde vor einigen Jahren ein gesamtes Dorf (San Christobal) versetzt und einige tausend Menschen umgesiedelt... man kann sich vorstellen, wie die Gegend dort aussieht, oder? Diese Gegensätze von einzigartiger, wunderschöner Natur einerseits, und Vermüllung und Zerstörung derselben durch den Menschen andererseits, erschrecken mich. Ich muss Einiges erst mal verarbeiten, wofür ich ein paar Tage Ruhe brauche. Doch darüber mehr im nächsten Blog! J

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