In Uyuni angekommen beschloss ich nach einigen Überlegungen, nicht noch am selben Abend mit Kim und Liane nach La Paz zu fahren, wo Liane ihre Klausur schreiben musste und Kim gerne noch zum Titicaca See fahren wollte. Ich würde auf meiner weiteren Reise ohnehin noch dorthin kommen und wollte wirklich ein paar Tage Ruhe haben. So trennten sich unsere Wege für einige Tage, und ich fuhr mit Rachel, einer sehr netten, bodenständigen und lustigen Schottin nach Tupiza, ein kleiner Ort im Süden von Bolivien.
Die Fahrt dorthin war bereits ein Abenteuer für sich. In Bolivien ist aktuell Regenzeit, was uns gelegentliche Schauer beschert. Leider waren diese anscheinend in den letzten Tagen etwas stärker, denn nach einer guten Stunde Fahrt über Matschwege (Straße oder Feldweg kann man das nicht mehr nennen...) kamen wir an einen Fluss, der wohl normalerweise etwas kleiner ist, da keine Brücke da war. Es standen bereits einige Busse und Lastwägen dort und keiner konnte rüberfahren... Männer schaufelten am Ufer, um den Weg wieder zu stabilisieren. Ein Bus (nicht unserer!!) versuchte es an einer anderen Stelle, die seichter erschien. Leider war dort der Boden deutlich matschiger und der Bus blieb stecken. Er kam in eine fiese Schieflage und das Gepäckfach lief voll Wasser. Die Leute mussten aussteigen und durchs Wasser ans Ufer gehen. Rachel und ich stiegen aus um frische Luft zu schnappen und uns das Spektakel anzuschauen, so wie viele anderePasagiere aus unserem Bus. Leider verpassten wir den Moment, in dem unser Busfahrer beschloss auch den Fluss zu überqueren – allerdings auf dem Weg, der zwar weit unter Wasser stand, aber zumindest eine feste Grundlage bot. Ohne vorher zu hupen oder die Pasagiere wieder reinzuholen raste er über den Fluss und fuhr auf der anderen Seite weiter. Wir hüpften und riefen, er solle anhalten, wir gehören auch in den Bus. Wir müssen extrem witzig ausgesehen haben! J Gottseidank waren wir nicht die einzigen, die noch am falschen Ufer standen... also zogen wir alle unsere Schuhe aus, krempelten die Hosenbeine hoch und stapften durchs Wasser ans andere Ufer!! Das Wasser ging mir bis zum Oberschenkel, die Strömung war einigermaßen stark und wir hatten auch unsere Wertsachen am Körper, mussten also aufpassen... doch alles ging gut, wir kamen gut bei unserem Bus an, sorgten für einen guten Lacher bei den Bolivianern im Bus (wir waren die einzigen Touristen auf der Strecke) und bekamen eine Decke, damit wir frieren mussten. Nochmal Glück gehabt und mit dem Schrecken davon gekommen!
Die restliche Fahrt verlief weiterhin spektakulär, wir hatten noch eine Panne auf einer Pass-Straße mit steilen Abhängen, doch die konnte unser Busfahrer reparieren. Und wir mussten noch ein paar Flüsse und Bäche mehr überqueren, in denen andere Busse und Autos feststeckten. Doch unser Bus bewältigte jedes Hindernis und brachte uns nahezu pünktlich nach Tupiza!!! Das war echt die krasseste Busfahrt meiner bisherigen Reise durch Südamerika! Sehr dankbar stiegen wir aus und checkten ins „Hotel Mitru“ ein, das beste Hotel im Ort. Es kostete uns ca. 6 Euro pro Nacht, inkl. Frühstück und Internet und Pool! Juhu, Bolivien ist wirklich günstiger als Argentinien und Chile!! J Und hier fand ich in den vergangenen 6 Tagen die Ruhe und Entspannung, die ich brauchte! Ausschlafen, leckeres Frühstück, Lesen, Tagebuch schreiben, Fotos sortieren, Email-Kontakt mit Familie und Freunden, Spaziergänge durch den Ort – das stand auf dem Tagesprogramm. Mit Rachel führte ich viele gute Gespräche, wir quatschten über Gott und die Welt, tauschten uns über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus, und hatten eine Menge Spaß!
Unser zweites großes Abenteuer passierte, als wir eines Morgens beschlossen, auf einen nahegelegenen Berg, sozusagen den Hausberg von Tupiza („Cerro de la Cruz“) zu klettern. Die Wanderung war uns im Hotel empfohlen worden und wir machten uns bei strahlend blauem Himmel guten Mutes auf den Weg. Wir wanderten durch wunderschöne Landschaft, es sieht hier aus wie im Wilden Westen: rote Felsen, schroffe Klippen, überall Kakteen und einsame Häuser. Über uns sahen wir immer wieder Condore kreisen, riesige Vögel!!! Wir trafen Ziegen, Lamas, fußballspielende Kinder – echt eine Idylle! J Der Weg auf den Berg war auch ein Kreuzgang, das ist hier öfters so. Es ging gut steil rauf, doch der Weg war gut ausgebaut. Wir kletterten von 2900m auf rund 3100m, also gar nicht so wild. Oben angekommen machten wir ein paar schöne Bilder, dann sahen wir das rasend schnell herannahende Gewitter!! Zuvor war kein Anzeichen zu sehen gewesen und jetzt hörten wir schon den Donner grollen. Schnell machten wir uns an den Abstieg. Wir waren fast unten, als der Himmel seine Schleusen öffnete. Wir fanden einen Felsvorsprung, unter dem wir Zuflucht suchten. Es regnete so stark, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe!! Dazu kamen riesige Hagelkörner und Donner so laut, dass man nichts anderes mehr hörte! Vor uns stürzte ein Wasserfall über den Felsvorsprung in die Tiefe und der Weg verwandelte sich in einen Bach. Rund eine halbe Stunde standen wir da zusammengekauert, wurden allerdings nur nass vom Spritzwasser (das reichte um uns komplett zu durchnässen) und warteten ab. Irgendwann war das Gewitter vorbei und es strahlte wieder die Sonne. Wir gingen vorsichtig den restlichen Berg runter, wo uns Menschen ungläubig anschauten. Zurück im Hotel gabs erst mal eine heiße Dusche und nen Mittagsschlaf – das war etwas zu aufregend gewesen!! J Wieder mal Glück gehabt und mit dem Schrecken davongekommen!
Vor 3 Tagen kamen dann Kim und Liane wieder aus La Paz, wir holten sie vom Busterminal ab und freuten uns über die Wiedervereinigung unserer Reisetruppe! Gemeinsam mit Rachel, Kim, Liane und 2 weiteren Mädels unternahmen wir einen „Triatlon“: mit Jeep, Pferden und Rädern durch diese herrliche Landschaft hier! Die Gesteinsformationen waren echt beeindruckend und die Täler und Klippen mit den Kakteen einfach wunderschön! Man fühlte sich wirklich wie Butch Cassidy und Sundance Kid, die hier ihr Unwesen getrieben haben, bis sie nach einem Zugüberfall erschossen wurden. Der guide beim Reiten war zwar eine einzige Katastrophe, aber wir hatten ja Liane und Kim als erfahrene Reiter dabei, die souverän die Führung übernahmen und den anderen erklärten, wie man vernünftig auf dem Pferd sitzt. Sehr gut!! J Die Radtour war genial, die Räder super, bekamen auch Helme und Fahrradhandschuhe. Wir wurden mitm Jeep auf 3995m gebracht und hatten dann eine Downhill Strecke mit der tollsten Aussicht!! Die Sonne ging langsam unter und wir rollten fröhlich den Berg hinunter! Alles in allem war das ein genialer Tag mit vielen tollen Erlebnissen!!
Wir gönnten uns noch einen gemütlichen Tag am Pool, ärgerten uns ein wenig über den einzigen ATM im Ort, der seit Tagen keine einzige unserer Karten akzeptierte und tauschten ein paar unserer „Notfall-Euros“ um, damit wir unser Hotel bezahlen konnten. Und heute gehts weiter nach Potosi, die höchste Stadt der Welt auf knapp 4100m!! Mal sehen was uns dort Spannendes erwartet! Fotos folgen bald, wenn ich wieder besseres Internet habe!
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