Donnerstag, 1. März 2012

Santiago de Chile, Mendoza und ganz schön lange Busfahrten

Die letzten Tagen waren stark geprägt von langen Busfahrten und einigen damit verbundenen Widrigkeiten... ich hab jetzt erst mal die Nase voll von ewig weiten Strecken, Pannen, ausgefallenen Klimaanlagen und so weiter... aber der Reihe nach: Der Nachtbus von Pucón nach Santiago war noch angenehm und pünktlich. Wir kamen morgens um 7 in Chile’s Hauptstadt an und buchten direkt den nächsten Bus, der uns über die Anden nach Mendoza bringen sollte. Da wir alle keine Fans von großen Städten sind und hier einfach die Natur deutlich mehr zu bieten hat, widmeten wir Santiago nur einen Tag.Wir fanden ein sehr nettes Hostel im Stadtteil Bellavista, einem bunten, lebhaften Viertel mit vielen Kneipen und jungen Leuten. Dort durften wir sogar noch kostenlos frühstücken, weil wir so früh dran waren, total nett! Die Chilenen sind einfach ein nettes Volk, das fiel uns immer wieder auf während unserer Tour. Und sie sind auch etwas aufgeschlossener und freundlicher im Vergleich zu den Argentiniern, zumindest nach meinen Erfahrungen. Wir verbrachten einen ganz entspannten Vormittag und ich freute mich riesig, mal wieder mit meinen Eltern skypen zu können!! Hatte lange nicht mit zuhause gesprochen und es tat gut, wieder mal Kontakt mit der Heimat zu haben! J Mittags zogen wir dann los in die Stadt. Wir besuchten einen schönen Park mit toller Aussicht über Santiago und bummelten über einen Handwerker-Markt mit hübschen Souvenirs.

Um 15 Uhr begann eine kostenlose „Walking Tour“ durch Santiago mit Felipe, einem richtig witzigen und nettem jungen Tourguide. 4 Stunden schaffte er es, unsere volle Aufmerksamkeit zu halten und ich konnte viel über die spannende Geschichte Chiles, die dunkle politische Vergangenheit sowie die Zeit vor der Kolonialisierung lernen. Felipe äußerte sich auch kritisch über die aktuelle politische Situation und war sehr aufgeschlossen gegenüber kontroversen Diskussionen. Lustigerweise waren ein cooles österreichisches und ein deutsch-französisches Paar, die wir schon auf der Navimag Fähre kennengelernt hatten, auch bei der Tour dabei. Wir freuten uns über dieses zufällige Wiedersehen und beschlossen direkt nach der Tour auf ein kühles Bierchen zu gehen. Felipe kannte das Kneipenviertel gut und führte uns zielstrebig in eine Kneipe, die gutes chilenisches Bier und super Pizza hatten! Aus dem einen kühlen Bierchen wurden mehrere *grins* und Kim und ich waren nachts um 1 dann auch mal im Bett, Liane war schon früher heim gegangen. Alles in allem: ein gelungener und schöner Tag!

Am Donnerstag (23.2.) ging es für uns bereits morgens um 10 Uhr weiter nach Mendoza. Die Landschaft bei der Überquerung der Anden war toll, schroffe Felsen, bizarre Berge und tolle Farben. Doch im Bus war die Luft absolut stickig, denn nach kurzer Zeit fiel bereits die Klimaanlage aus. Draußen war es schweineheiß und die Passstraßen über die Anden taten ihr Übriges, um zum Unwohlsein beizutragen. Das allein war schon nervig, aber noch dazu kroch der Bus im Schneckentempo über die Straße, anscheinend um den Motor nicht zu überhitzen. Zwischendurch blieben wir immer wieder völlig unangekündigt am Straßenrand stehen, keiner sagte uns was los sei, und nach einer halben Stunde oder so fuhren wir weiter. Wir ärgerten uns, denn mit der Busgesellschaft waren wir schon viel gefahren und hatten bisher gute Erfahrungen gemacht. An der Grenze platzte uns dann endgültig der Kragen... 4 ½ Stunden ließ man uns warten, bis wir endlich unsere Pässe zeigen durften, 4 Busse wurden vor unserem abgefertig – warum auch immer?? Naja, genug geärgert, wir kamen mit ziemlicher Verspätung erst Abends um halb 9 in Mendoza an und hatten mal wieder Glück, da wir am Busterminal einen jungen Mann trafen, der sein Hostel „Ruca Potu“ anpries und wir damit einen richtig guten Deal machten. Es hatte sogar einen Pool und wir bekamen ein Dreierzimmer zum Preis vom einem Dorm-Bett. Und der Inhaber des Hostels, der Vater des jungen Mannes vom Terminal , zeigte uns stolz seinen BMW, schwärmte von der Qualität bayrischer / deutscher Autos und hinter der Rezeption hing eine große bayrische Flagge! Juhu!! J

In Mendoza machten wir eine Fahrradtour von Weingut zu Weingut. Die Landschaft war hübsch, überall Weinberge, Olivenhaine und Obstfelder; doch nicht vergleichbar mit beispielsweise Südtirol oder den Weinbergen in Franken. Überall lag Müll rum, es war sehr heiß und ziemlich staubig. Arg viel Wein probierten wir daher nicht, das vertrug sich leider nicht so gut mit der Hitze und dem Radfahren. Highlight war aber auf jeden Fall eine Olivenöl – Schokoladen – Marmeladen – Schnaps – Verköstigung, die wir machten!! J Wir besuchten auch ein Museum, wo wir eine Tour mitmachten und uns der Prozess des Weinmachens erklärt wurde und wir natürlich den Hauswein probieren durften. Außerdem ist hier gerade Weinlese, und es fuhren Lastwägen über Lastwägen randvoll mit roten und grünen Trauben zu den Weingütern! Schon toll!! J Abends buchten wir den nächsten Bus nach Salta und bummelten ein wenig durch die Stadt. Da es unser letzter Abend in Argentinien sein sollte, gingen wir nochmal richtig lecker essen und ich kam tatsächlich noch in den Genuss eines leckeren argentinischen Steaks. J In Mendoza war dieses Wochenende ein riesiges Fest aufgrund der Weinlese und am Freitagabend fand die Wahl zur „Miss Wein“ statt – ein großes Spektakel! Wir ließen uns ein wenig von der Menge treiben, doch irgendwann gingen wir müde und zufrieden nach Hause.

Der kommende Tag brachte uns leider wieder etwas mehr Ärger. Wir waren wieder mit „Andesmar“ unterwegs, der größten Busgesellschaft hier in Argentinien / Chile. Wieder fiel die Klimaanlage aus und nach rund 3 Stunden Fahrt bei einem Stopp an einem Busterminal in einer klitzekleinen Stadt in der Mitte von Nirgendwo verreckte der ganze Motor. Erst versuchten die Busfahrer das zu reparieren; die Klimaanlage brachten sie wieder zum Laufen, was bei 35°C im Schatten sehr begrüßt wurde. Doch der Bus stand weiterhin. Tja, das bedeutete 3-5 Stunden Warten auf einen Ersatzbus. Na toll... Unseren Anschlussbus nach San Pedro de Atacama, den wir in Salta direkt kriegen wollten, konnten wir uns abschminken! Zumindest waren fast alle anderen Fahrgäste ausgestiegen, und wir hatten alle je eine Doppelbank für uns, was das Schlafen erleichterte. Nach 24 Stunden Busfahrt kamen wir mit über 5 Stunden Verspätung in Salta an. Wir versuchten mit der Gesellschaft zu verhandeln und eine Entschädigung für die Verzögerung rauszuhandeln. Ich war sehr stolz auf mich, da ich unsere Situation und unser Anliegen auf Spanisch am Telefon schildern konnte. Das war aber auch der einzige Erfolg in der Sache, denn raus kam dabei nix. Die Antwort: Pech gehabt, sowas kommt vor. Salta ist doch auch schön, bleibt doch dort ein wenig. Haha, sehr witzig... Naja, Humor ist, wenn man trotzdem lacht! ;-) Wir buchten den Bus nach San Pedro de Atacama für den kommenden Morgen, checkten in ein Hostel ein, spielten ein bisschen Billard mit ein paar Israelis und machten noch einen ausgedehnten Spaziergang durch die hübsche Stadt und auf einen Aussichtsberg – Salta ist tatsächlich schön und die Umgebung traumhaft, aber wir wollten uns hier einfach nicht länger aufhalten, da uns andere Highlights erwarten! ;-)

Montagmorgen um 7 ging also unser Bus von Salta nach San Pedro de Atacama – wieder mit „Andesmar“, da keine andere Company die Strecke regelmäßig fährt. Anfängliche Stopps und kleinere Reparaturen ließen uns schon Übles ahnen, doch dann stellte sich die Fahrt als wunderbar heraus: das Essen im Bus war lecker, es gab Tee, Kaffee und Snacks und wir fuhren die schönste Strecke unserer bisherigen Reise!! Wir überquerten wiederum die Anden und erwischten einen klaren, sonnigen Tag. Um uns herum erstreckten sich grüne Berge mit schneeweißen Spitzen, riesige Salzseen und abstrakte Felsformationen auf denen riesige Kakteen wuchsen. Wir sahen kleine Bergdörfer mit Alpaccas, Schafen, Pferden, Kühen und vieles mehr! Die Passstraße wand sich malerisch durch diese Landschaft und wir kamen aus dem Fotografieren gar nicht mehr raus! Allerdings ging es auch recht hoch hinaus, so dass sich die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit bemerkbar machten (leichte Kopfschmerzen, Übelkeit). Ein Pass ging auf 4170m, bei den anderen Bergen hab ich keine Schilder gesehen, im Nachhinein erfuhren wir jedoch, dass wir rund 6 Stunden auf einer Höhe von über 5000m rumfuhren... Doch die traditionelle Behandlungs-Methode hier in den Anden half uns ein bisschen weiter: das Kauen von Coca-Blättern. J Die Grenzüberquerung zurück nach Chile war diesmal problemlos und weniger zeitaufwändig. Mein Reisepass hat inzwischen rund 4 oder 5 Seiten, die nur mit Stempeln aus Argentinien und Chile vollgestempelt sind. *grins* Doch jetzt haben wir Argentinien endgültig verlassen. Ein paar Tage wollen wir nun noch in Chile verbringen und dann gehts auf nach Bolivien!! J

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen